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Sprengsatz zweimal angebaggert

Blindgänger in Potsdam entschärft Sprengsatz zweimal angebaggert

Nach dem Fund einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg im Zentrum von Potsdam mussten am 4. August 2008 rund 3000 Menschen evakuiert werden. Für die Entschärfung der englischen 250-Kilogramm-Sprengbombe wurde ein Umkreis von 500 Metern um den Fundort an der Langen Brücke abgeriegelt. Es kam zu erheblichen Staus.

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Der Messingzünder war noch gut erhalten: Sprengmeister Hans-Jürgen Weise

Quelle: MAZ

Posdam. Um 19.05 Uhr meldet Hans-Jürgen Weise Vollzug: Der Sprengmeister des Kampfmittelräumdienstes hat die 250 Kilo schwere Bombe, die Montagvormittag (4. August 2008) bei Bauarbeiten an der Langen Brücke gefunden wurde, entschärft. Nur 30 Minuten benötigte Weise, um die englische Sprengbombe aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich zu machen. Wenig später waren die Sperrung und Evakuierung im Radius von mehr als 500 Metern rund um den Fundort aufgehoben. Rund 3000 Menschen konnten zurück in ihre Wohnungen, die Bahnhofspassagen öffneten wieder, öffentlicher Nahverkehr und Züge rollten an. Bauarbeiter waren morgens auf die Bombe gestoßen und hatten Glück: Zweimal hatte ein Bagger den Sprengsatz angestoßen.

Gegen 15 Uhr beginnt das Ordnungsamt mit der Evakuierung. 220 Mitarbeiter von Stadt, Feuerwehr und Polizei sind an der Räumung beteiligt. Sie gestaltet sich gerade im Wohngebiet um die Burgstraße als schwierig. „Je niedriger das Stockwerk, desto schwieriger wird es“, sagt Wolfgang Hildebrandt. „Unten wohnen die älteren Leute, die nicht mehr gut laufen können.“ Hildebrandt arbeitet wie so viele Helfer in der Stadtverwaltung und muss heute das Ordnungsamt unterstützen. In gelben Westen klingeln sie sich in kleinen Grüppchen durch die Wohnblocks und erklären den oft überraschten Bewohnern die Lage. Eine ältere Dame weigert sich, sich mit einem Bus der Feuerwehr zur Rosa-Luxemburg-Schule bringen zu lassen, wo eine Notunterkunft eingerichtet ist, in der später an die 100 Leute ausharren. Erst ein Polizist kann ihr mit Nachdruck den Ernst der Lage klar machen. Andere kennen das Prozedere schon, schließlich ist das nicht Potsdams erster Bombenfund. „Wir haben da schon großes Training“, sagt etwa Rentnerin Margot Gminska (73). Bis der letzte Evakuierungstrupp aus der Burgstraße an der Einsatzleitstelle am Staudenhof ankommt, ist es 18.30 Uhr, kurz vor Beginn der Entschärfung.

An der Kreuzung Lange Brücke/Babelsberger Straße erklären Polizisten den Passanten geduldig, wie sie über die Humboldtbrücke in die Innenstadt kommen. Die meisten reagieren gelassen, andere beschimpfen die Polizisten und beschweren sich, dass die Sperrung nicht schon in Babelsberg ausgeschildert ist.

Um 15.45 Uhr kommt ein roter Transporter mit der Aufschrift Kampfmittelräumungs-Einsatz an der Brücke an. Die Umstehenden freuen sich, dass das Warten bald ein Ende hat. Doch das Warten geht weiter. Gegen 16.15 Uhr ist das Bahnhofsgebäude samt Geschäften geräumt, die Rolltreppen stehen still. Draußen besprechen die Busfahrer die Umleitungsrouten. Kaufland-Mitarbeiter Steven Mielke überlegt, wie er jetzt nach Hause kommt, nach Berlin. S-Bahnen und Züge fahren nicht. „Um 15.30 Uhr“, sagt Mielke, „hat die Evakuierung begonnen. Es lief alles reibungslos.“ Auch das Mercure-Hotel steht mittlerweile leer. Auf den Straßen, insbesondere entlang der Humboldt-Brücke geht fast gar nichts mehr. Nur eine Minute nach Entschärfung der Bombe werden die Sperrungen aufgehoben.

Für Sprengmeister Hans-Jürgen Weise war es einer der letzten Aufträge. Ende September geht er nach 38 Jahren und 400 geknackten Bomben in Rente.

Von MAZ

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