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Bombe, Herr Schwitzke!

Erfolgreiche Entschärfung in Potsdam Bombe, Herr Schwitzke!

Sprengmeister Mike Schwitzke hat mal wieder für erleichterte Gesichter in Potsdam gesorgt. Um kurz nach 12 Uhr hat er eine 250 Kilogramm schwere Bombe im Park Babelsberg erfolgreich entschärft. Zuvor mussten 3100 Menschen, die im Sperrkreis leben, ihre Wohnungen verlassen. MAZonline hat den Tag mit einem Liveticker begleitet. Lesen Sie hier die Ereignisse nach.

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Mike Schwitzke präsentiert den Kollegen von Funk, Fernsehen und Zeitung, an was er gerade gearbeitet hat.
 

Quelle: Julian Stähle

Potsdam.  Die Potsdamer kennen das bereits. Am Donnerstag ist im Park Babelsberg eine Bombe entschärft worden. Sie ist am Dienstag gefunden worden. Es war bereits die zwölfte in diesem Jahr. Viele fielen während des Angriffs am 14. April 1945.

Bereits am frühen Morgen begangen die Vorbereitungen für die Entschärfung. Rund um den Park Babelsberg wurde ein Sperrkreis eingerichtet, in dem 3100 Menschen leben. Sie mussten bis 8 Uhr ihre Häuser verlassen. Bei den meisten klappte das auch. Aber längst nicht bei allen.

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Nach einem Bombenfund im Park Babelsberg in Potsdam wird die Bombe am 12. November 2015 von Sprengmeister Mike Schwitzke unschädlich gemacht. 3100 Menschen sind vom Sperrkreis betroffen, wichtige Straßen sind gesperrt.

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Gegen 12 Uhr dann die erlösende Nachricht – Sprengmeister Mike Schwitzke hat den Zünder der 250 Kilogramm schweren Bombe gesprengt. Die Bombe ist damit unschädlich.

Die MAZ hat den Tag mit einem Liveticker beobachtet. Lesen Sie hier nach, wie die Evakuierung des Sperrkreises lief und warum Mike Schwitzke nach der Entschärfung bereits an die nächste Bombe denkt.

+++ 13:18 Uhr: Als es knallte, flogen die Vögel +++

Eine Anwohnerin und Kollegin hat die Entschärfung der Bombe auf dem heimischen Balkon verfolgt. Sie wohnt ganz in der Nähe des Fundorts, aber außerhalb des Sperrkreises.

Sie erzählte uns, dass es wenige Minuten vor der Entschärfung ganz ruhig wurde in der Straße. Dann der laute Knall, als Mike Schwitzke den Zünder sprengte. Gleichzeitig flogen erschrocken die Vögel aus den umliegenden Bäumen auf. Da war klar: Es ist vorbei.

+++ 12:15 Uhr: Nur der Zünder musste gesprengt werden, nicht die ganze Bombe +++

Entgegen erster Befürchtungen, die ganze Bombe müsste gesprengt werden, konnte der Zünder herausgedreht und separat gesprengt werden.

Zünder müssen vor Ort immer direkt unschädlich gemacht werden - das ist ein normales Vorgehen. So konnte die Bombe unschädlich gemacht werden ohne eine größere Sprengung in Kauf zu nehmen.

Diese Bombe ist am Donnerstag unschädlich gemacht worden

Diese Bombe ist am Donnerstag unschädlich gemacht worden.

Quelle: Julian Stähle

Mike Schwitzke hat die eine Bombe entschärft, denkt aber schon an die nächste: „Vor der Bombe ist nach der Bombe“, sagte er in Anlehnung an Sepp Herbergers legendäres Zitat. Schwitzke hat wohl bereits die vielen Bomben im Blick, die im Park Babelsberg liegen (siehe 10.41 Uhr).

+++ 12:10 Uhr: Absperrungen werden abgebaut +++

Wenige Minuten nach der Entschärfung werden die Absperrungen wieder abgebaut, die Anwohner können wieder in ihre Wohnungen zurück.

Auch der Verkehr kann wieder wie gewohnt rollen.

Die Entschärfung dauerte am Ende nicht solange wie angenommen. Bis auf ein paar kleine Schwierigkeiten am Morgen bei der Evakuierung lief die Entschärfung recht reibungslos ab. Die Potsdamer und allen voran Schwitzke haben bereits Erfahrung in der Thematik.

+++ 12:04 Uhr: Sperrkreis wieder aufgehoben +++

Die Bombe ist entschärft – der Sperrkreis ist aufgehoben.

+++ 12:00 Uhr: Die Bombe ist unschädlich+++

Mike Schwitzke hat den Zünder der Bombe herausgedreht und entschärft. Die Bombe ist damit unschädlich. Der Sperrkreis ist noch nicht wieder freigegeben.

+++ 11:45 Uhr: Zähfließender Verkehr, nur wenige richtige Staus +++

Die Humboldtbrücke ist inzwischen gesperrt, viele Autofahrer weichen auf den Horstweg und die Heinrich-Mann-Allee aus. Doch hier rollt der Verkehr halbwegs. Auf der Friedrich-List-Straße ist der Verkehr zähfließend. Autofahrer brauchen hier etwa 10 Minuten länger, um zur Langen Brücke zu kommen.

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Nach einem Bombenfund im Park Babelsberg in Potsdam wird die Bome am 12. November 2015 von Sprengmeister Mike Schwitzke unschädlich gemacht. 3100 Menschen sind vom Sperrkreis betroffen, wichtige Straßen sind gesperrt.

Quelle: Josefine Sack, Julian Stähle

+++ 11:38 Uhr: Sprengung der Bombe ist wahrscheinlich – Zeitpunkt noch nicht klar +++

Sprengmeister Mike Schwitzke nimmt derzeit die Bombe in Augenschein, legt sie frei und entscheidet dann, ob sie entschärft werden kann oder gesprengt werden muss.

Eine Entscheidung steht noch nicht fest. Aber es ist durchaus wahrscheinlich, dass die Bombe gesprengt werden muss. Grund: Schwitzke konnte die Bombe erst jetzt in Augenschein nehmen und keine Vorbereitungen für eine Entschärfung treffen. Das spricht für eine Sprengung.

Vor Ort wird davon ausgegangen, dass die Vorbereitungen noch bis kurz nach 12 Uhr dauern werden. Etwas später soll dann die Bombe unschädlich gemacht werden. In etwa einer Stunde, gegen 12.30 Uhr, könnte die Entschärfung also beendet sein.

+++ 11:22 Uhr: Mehr als 260 Helfer im Einsatz +++

Nicht nur die Bewohner innerhalb des Sperrkreises mussten am Morgen früh raus. Auch viele Helfer waren früh auf den Beinen. Sie halfen dabei, zu überprüfen, ob der Sperrkreis tatsächlich geräumt ist. Laut Stadt waren 269 Helfer im Einsatz.

+++ 11:07 Uhr: Sperrkreis ist geräumt – Entschärfung beginnt +++

Alle 3100 Einwohner im Sperrkreis haben ihre Wohnungen verlassen.

Jetzt beginnen die Vorbereitungen für die Entschärfung. Sprengmeister Mike Schwitzke wird nun die Bombe freilegen. Dann wird sich die spannende Frage entscheiden, ob Schwitzke die Bombe entschärfen kann oder ob sie gesprengt werden muss. Das hängt vom Zustand der Bombe ab.

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Nach einem Bombenfund im Park Babelsberg in Potsdam wird die Bombe am 12. November 2015 von Sprengmeister Mike Schwitzke unschädlich gemacht. 3100 Menschen sind vom Sperrkreis betroffen, wichtige Straßen sind gesperrt.

Quelle: Julian Stähle, Josefine Sack

+++ 11 Uhr: Letzte Kontrollfahrten und kleine Erholungspause +++

Noch ist der Sperrkreis nicht freigegeben. Lange kann es nicht mehr dauern. Schließlich ist die Humboldtbrücke inzwischen gesperrt. Die Polizei macht letzte Kontrollfahrten und schaut, ob der Sperrkreis wirklich geräumt ist.

Sprengmeister Mike Schwitzke ist mit seinem Team inzwischen schon auf dem Weg zur Bombe. Sobald der Sperrkreis geräumt ist und freigegeben werden kann, wird Schwitzke zur Bombe gehen und entscheiden, ob sie entschärft oder gesprengt wird.

Unterdessen gönnen sich Mitarbeiter des Ordnungsamtes eine kleine Verschnaufpause: Während ihre Kollegen am Humboldtring noch die letzten Bewohner aus den Punkthochhäusern herausholen, gönnen Sie sich an der Tankstelle in der Friedrich-List-Straße eine kleine Pause.

Kurze Pause

Kurze Pause

Quelle: MAZ

+++ 10:50 Uhr: Humboldtbrücke ist nun gesperrt +++

Die Humboldtbrücke ist eine der Hauptverkehrsadern in Potsdam. Sie ist nun gesperrt. Am frühen Morgen konnten Autofahrer noch drüber fahren. Damit ist es nun vorbei.

Die Humboldtbrücke ist inzwischen gesperrt für Autofahrer

Die Humboldtbrücke ist inzwischen gesperrt für Autofahrer.

Quelle: MAZ

Dass die Brücke nicht mehr befahrbar ist, ist ein gutes Zeichen dafür, dass die Evakuierung fast abgeschlossen ist. Denn die Brücke sollte solange offen bleiben, solange sich im Sperrkreis noch Menschen aufhalten.

In Kürze könnte also das Prozedere für die Entschärfung beginnen.

+++ 10.41 Uhr: Vor der Bombe ist nach der Bombe +++

Die heutige Bombenentschärfung im Park Babelsberg wird nicht die letzte sein in den kommenden Wochen und Monaten. Experten haben am Rande der Evakuierung gesagt, dass sie davon ausgehen, dass im Park noch mehr als 100 Sprengkörper im Park im Boden liegen.

Deswegen wird der Park im nächsten Jahr umgebuddelt und nach Bomben durchsucht. Den Potsdamern stehen wohl noch viele Entschärfungen, Sperrkreise und Evakuierungen bevor.

+++ 10:33 Uhr: Sperrungen laufen an +++

Jetzt werden die Auffahrten zur Humboldtbrücke gesperrt. Ein Zeichen dafür, dass der Sperrbereich fast geräumt ist und die Entschärfung bald beginnt.

Die Entschärfung der Bombe wird bald beginnen, die Humboldtbrücke wird gesperrt, hier die Auffahrt Babelsberg

Die Entschärfung der Bombe wird bald beginnen, die Humboldtbrücke wird gesperrt, hier die Auffahrt Babelsberg.

Quelle: Josefine Sack

+++ 10:28 Uhr: Evakuierung läuft gut +++

Um 8 Uhr ist der Sperrkreis geschlossen worden. Rund zweieinhalb Stunden später haben die Helfer fast den ganzen Bereich abgelaufen und geprüft, ob die Wohnungen leer sind. Fast alle sind es. Nur ein paar Ausnahmen gab es (siehe 10:15 Uhr, 9:36 Uhr, 8.40 Uhr, 8:52 Uhr), aber die gibt es immer.

In einer Stunde, also kurz nach 11 Uhr, könnten die Vorbereitungen für die Entschärfung beginnen. Dann könnte klar sein, dass der Sperrkreis menschenleer ist.

Sprengmeister Mike Schwitzke wird sich dann zur Bombe begeben, sie freigraben, in Augenschein nehmen und über die Art der Entschärfung entscheiden, siehe 9.09 Uhr.

+++ 10:15 Uhr: Betrunkener auf Balkon will nicht gehen +++

Gegen 11 Uhr könnte der Sperrkreis geräumt sein. Nur vereinzelt sind noch Menschen in ihren Wohnungen. Und die, die noch da sind, haben Verständnis, dass sie ihre Wohnung verlassen sollen.

Aber längst nicht alle. Wie etwa dieser Betrunkene. Der stand im Humboldtring auf dem Balkon seiner Wohnung. Der Aufforderung, diese zu verlassen, wollte er nicht nachkommen:

„Ich komme aus einem Kriegsgebiet. Ob die Bombe hochgeht, ist mir egal. Ich bin müde, ich will schlafen“, rief er. Nützte nicht. Auch er musste gehen. Müdigkeit hin oder her. Bombe geht vor.

+++ 10:05 Uhr: Verkehrschaos am Morgen bleibt aus +++

Das befürchtete Verkehrschaos in Potsdam ist im morgendlichen Berufsverkehr ausgeblieben. Auf der Nuthestraße rollte der Verkehr weitgehend problemlos. Die Humboldtbrücke konnte befahren. Sie wird erst gesperrt, wenn der Sperrkreis komplett geräumt ist.

Auch rund um den Hauptbahnhof lief es soweit gut.

In der Innenstadt gab es allerdings Staus. So brauchten zum Beispiel Autofahrer am Luisenplatz Geduld, dort staute sich der Verkehr bis zur Breiten Straße.

+++ 9:57 Uhr: Anwohner finden im Oberlinhaus ein Asyl +++

Etwa 45 ältere Menschen, die in dem Sperrkreis leben, sind am Morgen in der Turnhalle im Oberlinhaus unterkommen. Mitarbeiter des städtischen Gesundheitsamtes und der Feuerwehr Potsdam versorgen die Leute mit Tee, Kaffee, Wasser und belegten Broten. An langen Tischen sitzen die Senioren, vertreiben sich die Zeit beim Zeitungslesen.

Marion Höfer (l) und Juliane Langner von der Fuerwehr Potsdam versorgen die evakuierten Menschen mit Getränken und belegten Broten

Marion Höfer (l) und Juliane Langner von der Fuerwehr Potsdam versorgen die evakuierten Menschen mit Getränken und belegten Broten.

Quelle: Josefine Sack

+++ 9:44 Uhr: Evakuierung läuft und ist fast abgeschlossen +++

3100 Menschen leben in der abgesperrten Zone. Bis 8 Uhr sollten eigentlich alle ihre Wohnungen verlassen haben. Mehr als eine Stunde später haben Mitarbeiter des Ordnungsamts aber immer noch Menschen, meist ältere, in ihren Wohnungen angetroffen.

Nun scheint der Sperrkreis bald geräumt zu sein. Drei von fünf Gebieten sind bereits evakuiert: Berliner Vorstadt und Schiffbauergasse. Holzmarktstraße und Heilig-Geist-Straße inklusive Feuerwehr und der Babelsberger Park selbst. Noch nicht frei sind Zentrum-Ost, am Hans-Marchwitza-Ring ist sind die Helfer durch.

Am Humboldtring zieht sich die Evakuierung hin. „Es sind gefühlt mehr Leute als bei bisherigen Evakuierungen noch in ihren Wohnungen“, sagte Stadtsprecher Jan Brunzlow. Je weiter die Menschen von dem Fundort der Bombe weg wohnen, desto zäher sei die Evakuierung.

+++ 9:36 Uhr: Frau Engel und die Evakuierung +++

Die 90 Jahre alte Edith Engel hat von der Entschärfung nichts mitgekriegt. „Ich war gerade beim Kochen. Morgen kommt mein Neffe“, sagt sie. Den Zettel an der Haustür habe sie nicht gelesen. Sie nutze manchmal auch den Hintereingang des Hauses., dort hing kein Zettel „Und wo soll ich nun hin?“, will sie von Ordnungsamtsmitarbeiter Uwe Kasche wissen. Zum Oberlinhaus, empfiehlt er ihr. Dort hat Engel selbst 20 Jahre lang gearbeitet: „Ach, meine alte Heimat“, sagt die 90-Jährige.

Edith Engel (links) hat von der Evakuierung nichts mitbekommen und muss nun ihre Wohnung verlassen

Edith Engel (links) hat von der Evakuierung nichts mitbekommen und muss nun ihre Wohnung verlassen.

Quelle: Josefine Sack

+++ 9:09 Uhr: Sprengung oder Entschärfung? +++

Dass die Bombe unschädlich gemacht werden soll, ist klar. Nur wie, stellt sich erst später heraus.

Sprengmeister Mike Schwitzke kann die Bombe entweder entschärfen. Dazu wird, vereinfacht gesagt, der Zünder entfernt. Er kann sie aber auch sprengen. Was er tun wird, kann Schwitzke erst entscheiden, wenn er sich zur Bombe begibt. Das wird erst der Fall sein, wenn der Sperrkreis geräumt ist.

+++ 8:57 Uhr: Humboldtbrücke bleibt offen, bis Evakuierung abgeschlossen ist +++

Die Humboldtbrücke soll offen bleiben, bis die Evakuierung abgeschlossen und sicher ist, dass sich niemand mehr im Sperrkreis aufhält. Denn solange sich noch Menschen im Sperrkreis aufhalten, soll ihnen die Möglichkeit gegeben werden, den Sperrkreis über die Humboldtbrücke zu verlassen.

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Nach einem Bombenfund im Park Babelsberg in Potsdam wird die Bombe am 12. November 2015 von Sprengmeister Mike Schwitzke unschädlich gemacht. 3100 Menschen sind vom Sperrkreis betroffen, wichtige Straßen sind gesperrt.

Quelle: Julian Stähle, Josefine Sack

+++ 8:52 Uhr: Frau wird mit Krankentransport aus Wohnung geholt +++

Eine ältere, nicht gehfähige Frau muss aus seiner Wohnung per Krankentransport abgeholt werden.

Es wird immer noch überprüft, ob Menschen im Sperrkreis in ihren Wohnungen sind. Ein älteres Paar am Humboldtring etwa hat nicht mitbekommen, dass es am Donnerstag eine Bombenentschärfung und sie ihre Wohnung verlassen sollen. Die Helfer haben sie rausgeklingelt. Das Paar geht jetzt zu Fuß zu ihrer Tochter nach Babelsberg.

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Nach einem Bombenfund im Park Babelsberg in Potsdam wird die Bombe am 12. November 2015 von Sprengmeister Mike Schwitzke unschädlich gemacht. 3100 Menschen sind vom Sperrkreis betroffen, wichtige Straßen sind gesperrt.

Quelle: Julian Stähle, Josefine Sack

+++ 8:40 Uhr: Sperrkreis noch nicht geräumt – Menschen noch in Wohnungen +++

Der Sperrkreis ist seit mehr als einer halben Stunde geschlossen. Theoretisch sollte jetzt niemand mehr in seinen Wohnungen sein. Theoretisch. Doch die Suchtrupps sehen immer wieder Licht in den Wohnungen.

In dieser Wohnung brennt noch Licht, obwohl sie eigentlich seit 8 Uhr geräumt sein sollte

In dieser Wohnung brennt noch Licht, obwohl sie eigentlich seit 8 Uhr geräumt sein sollte.

Quelle: Josefine Sack

Am Humboldtring rauchte noch eine Junge Frau seelenruhig auf ihrem Balkon - Ein Helfer forderte die Frau auf, ihre Wohnung innerhalb der nächsten Minuten zu verlassen. Der Trupp klingelt unterdessen Sturm. Hausnummer für Hausnummer.

+++ 8.21 Uhr: Nicht alle haben den Sperrkreis verlassen+++

Am wichtigsten ist jetzt, dass der Sperrkreis vollständig geräumt wurde. Das wird von Helfern, dich sich in Suchtrupps aufgeteilt haben, geprüft. Wahrscheinlich dürfte es zwei bis drei Stunden dauern, bis klar ist, ob alle Wohnungen geräumt sind. Oberbürgermeister Jann Jakobs sagte im MAZ-Interview, dass die Bombe wohl nicht vor dem späteren Nachmittag entschärft werden kann.

+++ 8.01 Uhr: Sperrkreis wird geschlossen - ist noch jemand in den Wohnungen? +++

Bis 8 Uhr sollten 3100 Menschen ihre Wohnungen innerhalb des Sperrkreises verlassen. Nun wird geprüft, ob die Wohnungen auch wirklich geräumt wurden. 25 Mann große Trupps machen sich unter Anleitung eines Ordnungsamts-Mitarbeiters auf den Weg. Erstes Ziel: Der Humboldtring. Hier beginnt eine wahre Sisyphos-Arbeit. An jeder Tür wird geklingelt und es wird geschaut, ob irgendwo noch Licht brennt oder sich Gardinen bewegen.

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Nach einem Bombenfund im Park Babelsberg in Potsdam wird die Bombe am 12. November 2015 von Sprengmeister Mike Schwitzke unschädlich gemacht. 3100 Menschen sind vom Sperrkreis betroffen, wichtige Straßen sind gesperrt.

Quelle: Julian Stähle, Josefine Sack

Die Taktik der Suchtrupps: „Sturmklingeln“. Jede Klingel wird einmal kräftig gedrückt. Und ganz wichtig: Bevor die Suche beginnt: Noch einmal pinkeln gehen – denn im Sperrkreis wird es erstmal keine öffentliche Toilette gehen. Glücklicherweise war am Startpunkt gleich eine Tankstelle.

+++ 7: 55 Uhr: Verkehr läuft rund um den Hauptbahnhof +++

Noch läuft der Verkehr rund um den Hauptbahnhof überraschend gut. Auf der Langen Brücke staut es sich noch nicht. Aber der Verkehr wird dichter werden.

+++ 7:50 Uhr: Der wichtigste Mann ist schon da – Zeitpunkt der Entschärfung noch unklar +++

Sprengmeister Mike Schwitzke ist bereits am Umspannwerk eingetroffen, ganz in der Nähe wird er heute die Bombe entschärfen. Für ihn ist das bereits Routine. Deswegen ist er auch ganz entspannt, wie er den MAZ-Reportern sagte.

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Nach einem Bombenfund im Park Babelsberg in Potsdam wird die Bombe am 12. November 2015 von Sprengmeister Mike Schwitzke unschädlich gemacht. 3100 Menschen sind vom Sperrkreis betroffen, wichtige Straßen sind gesperrt.

Quelle: Julian Stähle, Josefine Sack

Wann es los geht, ist noch nicht klar. Bis 8 Uhr muss der Sperrkreis geräumt sein. Dann wird geprüft, ob auch wirklich jeder seine Wohnung verlassen hat. Wenn sicher ist, dass sich niemand mehr im Sperrkreis befindet, wird entschärft. Frühestens wird das am späteren Vormittag passieren.

+++ 7.43 Uhr: 200 Helfer bereiten Evakuierung vor +++

Auf dem Gelände am Umspannwerk haben sich bereits mehr als 200 Helfer aus der Stadtverwaltung, vom DRK, der Feuerwehr und der Polizei versammelt. Sie sollen sicherstellen, dass alle 3100 Menschen bis 8 Uhr ihre Wohnungen verlassen haben. Sie laufen nun den Sperrkreis ab.

 Hier wurde gesperrt:

Die Nuthestraße war von morgens bis zum Ende der Entschärfung zwischen Berliner Straße und Abfahrt Friedrich-List-Straße gesperrt. Letzte freie Ausfahrt war die Friedrich-List-Straße. Gesperrt waren auch die Holzmarktstraße sowie die Türkstraße ab Heilig-Geist-Straße.

Der Sperrkreis

Der Sperrkreis

Quelle: MAZ

In der Berliner Vorstadt lagen die Schiffbauergasse sowie die Häuser zwischen Nuthestraße und Höhe Ludwig-Richter-Straße auf der Wasserseite im Sperrgebiet.

Auch in Babelsberg gab es Sperrungen. Die Fahrradstraße Am Babelsberger Park ist ebenso Tabuzone wie im Zentrum-Ost der gesamte Bereich zwischen Lotte-Pulewka-Straße und Nuthestraße.

Ein Ausweichquartier

Etwa 3100 Menschen leben im Sperrkreis, von ihnen sind etwa 800 älter als 65 Jahre, davon 192 älter als 80 Jahre. Als Ausweichquartier für die Zeit der Munitionsbergung stand die Sporthalle des Oberlinhauses, Rudolf-Breitscheid-Straße 24, zur Verfügung. Um aus dem Sperrgebiet zu gelangen, wurden für die Betroffenen Shuttle-Busse eingesetzt.

Schulen und Kultureinrichtungen dicht

Geschlossen waren auch die Grundschule am Humboldtring und die Lenné-Gesamtschule sowie die Kitas “Sonnenschein“ und “Grasshoppers“ im Zentrum-Ost und “Zauberstein“ an der Berliner Straße.

Mehr oder weniger genau gegenüber dem Fundort der Bombe befanden sich die Kultureinrichtungen in der Schiffbauergasse. Das Hans-Otto-Theater, die fabrik Potsdam, T-Werk und das Museum FLUXUS+ konnten erst nach Abschluss der Entschärfung öffnen.

SIEHE AUCH : Luftangriff auf Potsdam – detailliertes Minutenprotokoll des 14. Aprils 1945 | Alle Infos zu den Bombenentschärfungen der jüngsten Vergangenheit | Porträt vom Sprengmeister Mike Schwitzke.

Von Josefine Sack, Rainer Schüler, Hajo von Cölln und MAZonline

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