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Potsdam Blühende Dachlandschaften für Potsdam
Lokales Potsdam Blühende Dachlandschaften für Potsdam
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08:20 29.05.2017
Das Justizzentrum an der Jägerallee macht’s vor: Den modernen Anbau, der etliche Verhandlungssäle beherbergt, krönt ein Gründach. Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Schlossparks und Kleingärten, der Volkspark und tausende Innenhöfe, Wiesen, Wälder und Felder: Potsdam ist eine grüne Stadt. Aber braucht Potsdam auch grüne Dächer und Fassaden? Ja meint die Fraktion Die Linke angesichts schlechter ökologischer Stadtklima- und Feinstaubwerte und hat per Beschluss der Stadtverordneten prüfen lassen, wie die Liegenschaften der städtischen Immobilienholding Pro Potsdam und des Kommunalen Immobilienservice (Kis) schrittweise bepflanzt werden können. Jetzt liegen die Ergebnisse der Stadtverwaltung vor und machen wenig Hoffnung, dass Potsdam demnächst auch obenrum grünt und blüht.

In der Innenstadt am schwersten umzusetzen

„Für das Klima in Potsdam wären die positiven Effekte eher gering“, sagte Cordine Lippert von der Koordinierungsstelle Klimaschutz im jüngsten Ausschuss für Klima, Ordnung, Umweltschutz und ländliche Entwicklung. „Hinzu kommt, dass die Räume, wo wir grüne Dächer bräuchten, durch den Unesco-Welterbe-Status ausgeschlossen sind“, so Lippert. „Und wo Dach- und Fassadenbegrünungen möglich sind, brauchen wie sie wiederum nicht, weil es drumherum ausreichend grün ist.“ Klimatisch belastete Räume finde man laut Lippert am häufigsten in der Innenstadt: „Dort werden Dach- und Fassadenbegrünungen aber am schwersten umzusetzen sein.“

Ausschließen wolle man eine gesamtstädtische Gründach-Strategie allerdings nicht. Es sei durchaus denkbar in Anlehnung an das im Internet abrufbare Kataster möglicher Solar-Dächer auch eine Gründach-Webseite anzulegen. Die Kosten dafür schlagen laut Lippert einmalig mit rund 20 000 Euro für den Aufbau und danach jährlich mit etwa 5000 Euro für die Pflege zu Buche. Die Zugriffe seien hingegen überschaubar: Demnach klicken sich auf die Solar-Webseite pro Jahr um die 300 Besucher.

Bund stellt Fördermittel für Gründach-Kataster bereit

„Eine grüne Fläche ist aber etwas anderes als eine spiegelnde“, sagte Andreas Walter von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Walter warb dafür, die Idee weiter zu verfolgen und sich um Fördermittel zu bemühen, um ein Gründach-Kataster auf den Weg zu bringen. So stelle das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im Rahmen der Städtebauförderung seit diesem Jahr 50 Millionen Euro für ein neues Programm „Zukunft Stadtgrün“ bereit. Im Mittelpunkt dieses Programms steht die städtebauliche Förderung des urbanen Grüns und der grünen Infrastruktur in den Quartieren.

Gründach-Kataster gibt es unter anderem bereits in Marburg (Hessen) und in Hamburg. Auch in Berlin macht, angeschoben von den Grünen, seit dem vergangenen Jahr eine Initiative für grüne Dächer und Fassaden von sich reden – allerdings hat der Senat dort beschlossen, zunächst einmal nur Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, aber keine Fördermittel für den Bau von Gründächern zu geben. Ziele des Programms „1000 grüne Dächer für unsere Stadt – Berlin braucht eine Gründachstrategie“ sind unter anderem ein kühlender Effekt auf das Stadtklima, eine Entlastung der Kanalisation bei Starkregen und eine Stärkung der Artenvielfalt.

Potsdam hat bereits Erfahrung mit begrünten Dächern

Die Pro Potsdam hat laut Cordine Lippert bereits vereinzelt im Rahmen von Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen Fassaden- und Dachbegrünungen von Gebäudeteilen untergeordneter Funktion – etwa Vordächer – umgesetzt. Erfahrungen mit intensiver Dachbegrünung liegen für die „Nutheschlange“ vor, seien aber negativ. Auch der Kis habe bei verschiedenen Neubauten und Sanierungen bereits Gründächer realisiert, etwa bei der Hauptfeuerwache, beim Hans-Otto-Theater, dem Parkhaus Schiffbauergasse und bei der Grundschule in Groß Glienicke. Auch bei künftigen Kis-Bauvorhaben seien Gründächer im Gespräch. Allerdings: „Die Begrünungen setzen absolute Sorgfalt bei der Planung wie auch bei der handwerklichen Umsetzung voraus und erfordern einen großen pflegerischen Aufwand.“

So macht’s Marburg

Das Gründachkataster von Marburg zeigt auf einer interaktiven Karte die Universitätsstadt aus der Vogelperspektive.

Die Einfärbung der Dachflächen zeigt, wie hoch die Gründacheignung der Gebäude ist.

Klickt man auf ein Haus, wird in der Detailanalyse die eingesparte Abwassermenge und -gebühr, die CO2-Absorbtion und der gehaltene Feinstaub pro Jahr geschätzt.

Das Programm erstellt zudem eine ausführliche Pflanzliste, die sich nach dem Beschattungsgrad und der eingestellten Stärke des Gründachaufbaus richtet. nf

Von Nadine Fabian

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