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Blutige Silversternacht

Prozessauftakt am Landgericht Potsdam Blutige Silversternacht

Ein Faustschlag, ein Messerstich, ein gemeinsamer Plan: Zwei junge Männer stehen wegen versuchten Totschlags und wegen Körperverletzung vor Gericht. Sie sind in der Silvesternacht auf die Nedlitzer Straße gestürmt, wo einer von den beiden zwei andere Männer schwer verletzt haben soll. Der Hauptangeklagte schweigt. Sein Kumpel redet dafür umso mehr.

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Die Angeklagten und ihre Verteidiger: Marko Z. (l.) ist mit Anwalt Thomas Bosdorf erschienen, Kilian R. mit Anwalt Steffen Sauer.

Quelle: Nadine Fabian

Potsdam. Wodka, Cannabis, Kokain: Kilian R. (20) und Marko Z. (24) hatten ordentlich zugelangt, bevor die Silvesternacht blutig wurde. Die jungen Männer aus Teltow und Potsdam müssen sich seit Mittwoch vor dem Landgericht verantworten: Kilian R. wegen versuchten Totschlags, Marko Z. wegen gemeinschaftlich begangener Körperverletzung. Laut Anklage hatten die beiden einen gemeinsamen Tatplan gefasst, als sie am 1. Januar 2017 gegen 2.20 Uhr auf die Nedlitzer Straße stürmten, wo Kilian R. zwei Männer schwer verletzt haben soll. Demnach hat er einem unvermittelt und kräftig mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihm die Nase gebrochen; einem anderen soll er mit einem Messer mit 8 Zentimeter langer Klinge einen kräftigen Stich in die Brust versetzt und dabei tödliche Verletzungen in Kauf genommen haben.

Während Marko Z. auf freiem Fuß ist, sitzt Kilian R. in der Justizvollzugsanstalt Wriezen ein. Er wird in Handschellen in den Verhandlungssaal geführt und verweigert jegliche Aussage. Weder zur Tat noch zu seiner Person werde er Fragen beantworten: „Ich sage nichts – das bezieht sich auf alles.“

Der Angeklagte vergreift sich vor Gericht im Ton

Marko Z. aber redet – und er redet viel, was seinem Kumpel offenkundig ganz und gar nicht gefällt. Anwalt Steffen Sauer muss seinen Mandanten Kilian R. – brabbelnd, gestikulierend, roter Kopf – mehrmals zur Räson rufen. Schnell zeigt sich, dass nicht nur er reizbar ist. Auch Marko Z. vergreift sich im Ton, wird laut, duzt die beisitzende Richterin, so dass der Vorsitzende Jörg Tiemann Ordnungsmittel androht. „Mein Mandant steht unter Stress. Er wird sich natürlich gleich entschuldigen“, beschwichtigt daraufhin Z.s Verteidiger Thomas Bosdorf.

Ohne viel zu reden ist es hingegen in der Silvesternacht zur Eskalation gekommen. Marko Z. schildert die Ereignisse folgendermaßen: Daheim in der WG an der Nedlitzer Straße habe er gegen 18 Uhr mit Kilian R. begonnen, „ein paar Bier und zwei, drei Pullen Wodka“ zu trinken. Dazu habe man gekifft und „ein bisschen Koks“ gezogen. „Es war Silvester – wieso denn nicht?“, sagt Marko Z. Jedenfalls sei Kilian R. gegen 22 Uhr schon so hinüber gewesen, dass er ihn duschen schickte – der Erfrischung halber. Wie viel genau R. getrunken und geraucht habe, wisse er nicht: „Ich bin nicht sein Vater, ich muss seinen Konsum nicht kontrollieren.“

„Dann sind wir runtergegangen. Wir wollten reden.“

Um Mitternacht sei man gemeinsam vors Haus gegangen, um ein paar Raketen abzufeuern. Danach ging’s zurück in die Wohnung im ersten Obergeschoss. „Gegen 2 Uhr hat’s plötzlich geknallt“, sagt Z.: „Draußen standen ein paar Leute mit einer Knarre und schossen auf mein Haus.“ Er habe das Fenster geöffnet, „um das zu klären“. Es sei aber weiter geschossen worden. „Einer warf einen Böller, der fast in meine Küche geflogen wäre. Dann sind wir runtergegangen. Die sollten das lassen. Wir wollten reden.“ Unten angekommen, hätten er und Kilian R. im ersten Moment niemanden mehr gesehen. „Dann stand da ein Typ mit seiner Alten. Herr R. hat dem die Nase gebrochen.“ Danach gefragt, ob der Mann denn der mit der Schreckschusspistole gewesen so oder zu der böllernden Gruppe gehört habe, zuckt Marko Z. mit den Schultern: „Das ging alles schneller als gewollt. Ich würde die alle nicht wiedererkennen.“ Für ihn liege aber auf der Hand, dass er dabei war. „Dann kam noch einer aus dem Busch, hat die Straße runter gezeigt und gesagt: Da sind sie lang!“ Man sei los- und einmal im Kreis gerannt. „Da war keiner. Die wollten uns verarschen.“ Vor der Haustür habe dann doch ein Grüppchen gestanden. „Die kamen auf uns zu. Es gab ein kurzes Gerangel und dann war es auch schon wieder vorbei.“

Von einem Messerstich habe er nichts mitbekommen, sagt Marko Z. Zurück in der Wohnung, hätten er und Kilian R. nicht weiter über das Geschehene gesprochen: „Es ist passiert. Fertig. Punkt. Aus.“ Es sei ja nicht das erste Mal, dass er so eine Situation erlebt habe. „Ich habe früher auch mal jemandem die Nase gebrochen“, sagt Z. „Wir haben uns außergerichtlich geeinigt. Ich habe immer noch einen Arsch voll Geld abzubezahlen.“

Ob der Silvester-Vorfall für ihn auch so leicht aus der Welt zu schaffen ist, wird sich im Herbst zeigen: Mit einem Urteil ist Ende September zu rechnen. Sechs weitere Verhandlungstage sind bis dahin angesetzt. Zum nächsten am 19. Juli sind die ersten Zeugen geladen.

Von Nadine Fabian

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