Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Blutiger Streit um panierte Hühnerbeine
Lokales Potsdam Blutiger Streit um panierte Hühnerbeine
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:23 13.01.2019
An solchen Hähnchenteilen entzündete sich der Streit. Quelle: Adobe Stock
Potsdam

Ans Eingemachte ging ein Streit, der seit Donnerstag das Landgericht Potsdam beschäftigt: Angeklagt ist Nicholas W., 22 Jahre alt und derzeit Patient in einer psychiatrischen Klinik. Er soll am 13. Februar 2018 im Wohngebiet Am Schlaatz einen anderen Mann geschlagen und verletzt haben, weil der ihm nichts von seinem Fast Food – panierte Hähnchenteile von Kentucky Fried Chicken – abgeben wollte. Zudem muss sich Nicholas W. für einen zweiten Vorfall verantworten: Er soll am 14. März 2018 im Vorraum der Commerzbank in der City einen Bankkunden bedroht und aufgefordert haben, ihm Geld zu geben – W. soll dabei seinen Gürtel aus dem Hosenbund gezogen und sich angriffsbereit vor der Ausgangstür postiert haben. Der Bankkunde suchte laut Staatsanwaltschaft Schutz hinter einem Automaten und alarmierte die Polizei.

Muss der Angeklagte weiterhin in der Psychiatrie bleiben?

Die 1. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Theodor Horstkötter hat in dem Verfahren nicht nur zu klären, ob sich Nicholas W. der versuchten räuberischen Erpressung schuldig gemacht hat, sondern auch, ob er weiterhin in der Psychiatrie unterzubringen ist. Den Prozess, für den fünf Verhandlungstage angesetzt sind, begleitet daher ein Gutachter.

Nicholas W. ist in Kenia geboren und aufgewachsen. 2014 ist er nach Deutschland aufgebrochen – er habe hier eine Ausbildung machen und sich eine gute Arbeit suchen wollen, um der Familie Geld schicken zu können. Über den aktuellen Stand seines Asylverfahrens kann W. keine Angaben machen. Obwohl er seine Familie sehr vermisse, wolle er gern hier bleiben.

Zu viele Gedanken und zu viel Alkohol

Seit einem halben Jahr lebt Nicholas W., der in Handschellen vorgeführt wird, in der Psychiatrie. „In Kenia war ich noch nicht krank“, sagt er. Seine gesundheitlichen Probleme hätten erst in Deutschland begonnen, etwa anderthalb Monate nach Ankunft. „Der Arzt sagt, dass ich Schizophrenie habe“, so der Angeklagte. Er höre keine Stimmen und sehe auch keine Geister. Aber er habe vor der Behandlung zu viele Gedanken und Angst gehabt, weil seine Familie und seine Freunde so weit weg seien und er mit niemandem reden und anfangs auch niemanden verstehen konnte. Damals habe er auch viel und regelmäßig Alkohol getrunken – Bier, Wein, Whisky. „Ich konnte dann besser schlafen.“ Seit einer Weile gehe es ihm wieder gut. Er brauche auch keine Medikamente mehr.

Er will das Hähnchen „nur mal kurz berüht“ haben

Sämtliche Tatvorwürfe streitet Nicholas W. ab. In der Bank habe es sich um ein Missverständnis gehandelt. Er habe sich dort aufgewärmt und lediglich die Hose ordentlich anziehen wollen. Ja, er habe den Bankkunden angesprochen – aber nur, weil der mit den Zigaretten, die er – W. – an der Heizung abgelegt hatte, verschwinden wollte. Im Streit um die Hühnerbeine sei er selbst das Opfer. Er habe das Fleisch „nur mal kurz berührt“, schon habe der andere ihn geschubst. Dabei sei die Medaille, die er als Schmuck um den Hals trug, in Schwung geraten und habe den anderen am Kopf getroffen. „Er blutete – dann ist er aggressiv geworden und hat angefangen, mich zu boxen.“ Der Prozess wird am 24. Januar fortgesetzt.

Von Nadine Fabian

Die Leserinnen und Leser der Märkischen Allgemeinen haben auf der MAZ-Homepage und per Mail ihren Favoriten unter den Karikaturen von Jörg Hafemeister aus dem Jahr 2018 gewählt.

10.01.2019
Potsdam MAZ-Gastrokritik „Aufgetischt“ - So vielfältig is(s)t die Restaurantwelt in Potsdam

MAZ-Restauranttesterin Manuela Blisse war in der ganzen Welt unterwegs, nun bewertet sie die Potsdamer Gastronomie-Szene. Es gibt fünf Bewertungskriterien.

10.01.2019

Der Sommer war extrem heiß, der Trinkwasserbedarf enorm. Trotzdem blieb die Versorgung stabil und bleibt es laut Stadt mindestens bis 2035, wenn in Potsdam statt 177000 rund 220000 Menschen leben.

10.01.2019