Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Regen

Navigation:
Bohrunfall war zu verhindern

Straßeneinsturz in Potsdam Bohrunfall war zu verhindern

Am 1. Juli ist Potsdam an einer Katastrophe knapp vorbei geschrammt: Auf der Bundesstraße 2 am Brauhausberg stürzte die Fahrbahn in ein drei Meter tiefes Loch, das im Zuge einer Spülbohrung entstanden war. Es gab vorher vorschriftsgerechte Probebohrungen, aber nicht engmaschig genug. So würde man heute nicht mehr arbeiten, sagen die Stadtwerke.

Voriger Artikel
Betrunkener tritt Autospiegel ab
Nächster Artikel
Tribute von Panem: Babelsberg liefert Kulissen

Quadratisch aufgesägt wurde die Fahrbahn, um die Absenkung zu überprüfen. Plötzlich brach die Straße drei Meter tief ein.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Teltower Vorstadt. Der Straßeneinbruch am Brauhausberg am 1. Juli wäre zu verhindern gewesen. Aber nur, wenn man das Gelände viel genauer geprüft hätte, als das vorgeschrieben war. Das hat Stadtwerkeschef Wilfried Böhme am Dienstag gegenüber der MAZ eingeräumt. Die Vorschriften sehen Probebohrungsabstände zwischen 50 und 200 Metern vor; niedergebracht wurden sie alle 140 Meter. Sie verfehlten das ominöse Loch unter der Bundesstraße 2; auch bei 50-Meter-Abständen hätte das passieren können, sagt Böhme.

Nach dem Fahrbahneinsturz suchten die Stadtwerke selbst die weitere Spühlbohrungsstrecke vom Brauhausberg durch die Havel nach Potsdam-West meterweise mit Georadar ab und fand keine weiteren Hohlräume. Künftig sind laut Böhme solche Georadarsondierungen in Potsdam die Vorschrift, wenn es um horizontale Spülbohrungen geht, die ohne das Aufgraben von Kabelgräben auskommen. Kostensteigerungen werden zugunsten der Sicherheit in Kauf genommen.

Am Brauhausberg war die Straße eingestürzt, als man eine verdächtige Fahrbahnabsenkung überprüfte und die Asphaltdecke aufsägte. Drei Meter tief war das Loch und fünf mal fünf Meter groß. 60 Kubikmeter loser Sand waren irgendwo im Untergrund verschwunden, und keiner weiß wohin. Gutachtern zufolge ist das Loch höchstwahrscheinlich im Zuge der 6,50 Meter tief verlaufenden Spülbohrung entstanden. Die Experten schließen aber auch nicht aus, dass es ein kleineres Loch schon vor der Bohrung gab. Hier wurden 110-Kilovolt-Starkstromleitungen unter der Erde verlegt, um einen Ringschluss zwischen den Stadtteilen links und rechts der Havel herzustellen und eine höhere Sicherheit und Verlässlichkeit der Stromversorgung herzustellen, falls es zu Havarien im Netzt kommt.

Hilda Pohl (87) aus Potsdam steht in einem Kellerabteil in der Templiner Straße 6 in Potsdam in dem ein Schaden, entstanden durch eine Bohrung a

Hilda Pohl (87) aus Potsdam steht in einem Kellerabteil in der Templiner Straße 6 in Potsdam in dem ein Schaden, entstanden durch eine Bohrung am Brauhausberg zu sehen ist.. Der Schaden ist inzwischen behoben. An den Kellern in der Templiner Straße 5 wird noch gearbeitet.

Quelle: Friedrich Bungert

Kurz zuvor hatte es in der Templiner Straße bereits einen Bohrunfall gegeben, bei dem das schlammartige Stabilisierungsmaterial aus dem horizontalen Bohrkanal austrat und die Keller umliegender Wohnhäuser überflutete. Knietiefer Schlamm härtete dort aus und machte das Inventar der Mieter unbrauchbar. Auch in diesem Falle hatte es Probebohrungen gegeben, die aber nicht die Havariestelle erfassten. Dort besteht der Untergrund unerwarteter Weise aus grobem Kies, aus dem das sogenannte Bentonit abfloss, ehe es zu einer festen Hülle für den Bohrkanal werden konnte. Die Schäden wurden inzwischen beseitigt; das Kellerinventar wird den Besitzern zum Zeitwert ersetzt.

Siegbert Prinz aus der Templiner Straße 6 zeigt den vom hoch drückenden  Bentonit aufgebrochenen Boden in seinem Keller, den er als Geschäftsb

Siegbert Prinz aus der Templiner Straße 6 zeigt den vom hoch drückenden Bentonit aufgebrochenen Boden in seinem Keller, den er als Geschäftsbüro genutzt hatte.

Quelle: Rainer Schüler

„Hinterher ist man immer schlauer“, sagte Böhme am Dienstag: „Wir hatten damals keinen Anlass zu glauben, dass die von den Planern vorgeschlagenen Suchbohrungsabstände zu weit auseinander liegen könnten.“ Die seit Monaten aktiven Gutachter haben den Stadtwerken gesagt, man hätte engmaschiger sondieren sollen, aber nicht müssen. Niemand habe zudem die Bundesstraße als besonders gefährliche Stelle angesehen, zumal der Bohrkanal so tief lag. Man bohre ja auch unter Bahnstrecken mit ICE-Verkehr darauf, sagt Cordula Schmaler, Hauptabteilungsleiterin Energietechnik. „Wir liegen noch tiefer als die Bahn das vorschreibt.“ Am Brauhausberg lag die letzte Probebohrung knapp 20 Meter neben der Einsturzstelle in einem Grünstreifen neben der Straße.

In der Templiner Straße bohrte man am 26. Mai und damit einige Tage vor dem Brauhausberg-Zwischenfall. Man machte dort mehrere Anläufe. Der Bohrer stieß im ersten Anlauf auf ein festes Hindernis und wurde mit einem mehrere Dutzend Meter langen Vorlauf seitlich nochmal angesetzt. Im zweiten Versuch klappte es, doch das hinter dem Bohrkopf in den Untergrund gepresste Stabilisierungsmittel Bentonit verschwand größtenteils irgendwo. Das fiel den Arbeitern des holländischen Bohrunternehmens zwar auf, doch auf der mehrere hundert Meter langen Bohrstrecke lag der Materialverlust noch deutlich unter der kritischen Grenze von 30 Prozent. Erst die von der Kellerüberschwemmung überraschten Mieter ließen das Team die Arbeit abbrechen, doch da war es schon zu spät. „Soetwas“, versprach Böhme am Dienstag, „wird nicht wieder passieren.“

 

Von Rainer Schüler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg