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Bombenalarm in Potsdam: Was wir jetzt wissen

Nicht Weihnachtsmarkt, sondern DHL war das Ziel Bombenalarm in Potsdam: Was wir jetzt wissen

Am Sonntag haben Brandenburgs Innenminister, der Polizeipräsident und der leitende Oberstaatsanwalt auf einer Pressekonferenz Details zum Bombenalarm in Potsdam gegeben. Klar ist: Nicht der Weihnachtsmarkt, sondern der Paketdienst DHL war das Ziel. Fest steht: Die Paketbombe war gefährlicher als zuerst gemeldet. Doch noch ist vieles im Unklaren.

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Fahndungsplakat der Polizei.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Wende im Fall des Spreng-Paket auf Potsdams Weihnachtsmarkt: Es galt nicht dem Fest an sich, sondern dem Paketdienst DHL.

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Potsdam, 1. Dezember 2017 – Riesenaufregung am Freitagnachmittag in der Innenstadt von Potsdam. An eine Apotheke in der Brandenburger Straße war ein verdächtiges Paket geliefert worden. Das verdächtige Paket wurde von Spezialkräften entschärft. Der Weihnachtsmarkt und die Dortustraße waren stundenlang abgesperrt.

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Wie war die Situation am Freitag?

Am Freitagnachmittag gab es einen Bombenalarm in der Potsdamer Innenstadt. Mitten im Weihnachtsmarkt auf der Brandenburger Straße war ein verdächtiges Paket gefunden worden. Die Polizei sperrte den Bereich um den Fundort großräumig ab. Rund acht Stunden war der Bereich auf der Brandenburger Straße zwischen Dortu- und Lindenstraße voll gesperrt . Kein Durchkommen. Alle Marktbuden wurden in dem Bereich geräumt, Anwohner mussten ihr Zuhause und Angestellte ihre Geschäfte verlassen.

Um Punkt 17:32 Uhr wurde die mutmaßliche Paketbombe unschädlich gemacht .

Gegen 23:30 Uhr durften die Anwohner in ihre Wohnungen zurück . Der Sperrkreis wurde auf wenige Meter reduziert, später ganz aufgehoben.

Was war in dem Paket?

Das etwa 30 auf 50 cm große Paket enthielt einen metallischen Zylinder, die Rede ist von einer Art Dose, in dem Nägel – am Freitag war die Rede von Hunderten Nägel –, Kabel, Batterien und ein starker Knallkörper (ein so genannter Polenböller, hieß es am Freitag) enthalten waren.

Der Zylinder wurde bei der kontrollierten Zerstörung durch einen Roboter der Polizei zerstört.

Die Reste des Paketes werden weiterhin in Eberswalde beim kriminaltechnischen Institut des Landeskriminalamts. untersucht.

Bestand Lebensgefahr für die Weihnachtsmarktbesucher?

Ja! Die bei einem Apotheker am Potsdamer Weihnachtsmarkt abgegebene Paketbombe war nach den neuesten Erkenntnissen der Polizei sehr gefährlich. Sie hätte bei einer Explosion schwerste Verletzungen zur Folge gehabt , sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Sonntag.

Pressekonferenz am Sonntag mit Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke (3vl) und Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD, 4vl)

Pressekonferenz am Sonntag mit Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke (3.v.l.) und Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD, 4.v.l.).

Quelle: Julian Stähle

Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke sagte, der Apotheker habe beim Aufmachen ein Zischen gehört. Zuerst hatte es dagegen geheißen, dass das Paket vermutlich über keinen Zünder verfügt habe. Inzwischen sei der Sprengsatz aber nochmal analysiert worden, sagte Mörke.

Wem galt das Paket?

Schnell hatte der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz des Landeskriminalamts die Ermittlungen übernommen. Dort sind auch Spezialisten für Sprengstoff angesiedelt. Ein politisches Motiv wurde nicht ausgeschlossen.

Bereits am Freitagabend betonte Brandenburgs Innenminister, dass es zu früh sei, um von einem Anschlag auf den Potsdamer Weihnachtsmarkt zu sprechen. Das Paket könne auch dem Apotheker gegolten haben.

Am Samstag wurde es dann konkreter: „ Nach den Erkenntnissen aus der Nacht hält es das Landeskriminalamt für eher unwahrscheinlich, dass Zielrichtung des Täters der Weihnachtsmarkt war“, sagte Torsten Herbst, Sprecher des Potsdamer Polizeipräsidium, gegenüber der MAZ.

Am Sonntag wurde die Öffentlichkeit dann darüber informiert, dass nicht der Weihnachtsmarkt an sich, sondern der Paketlieferdienst DHL Ziel der Bombendrohung war. Es liegt ein Erpresserschreiben vor, hieß es.

Der betroffene Paketdienst will zu dem Fall derzeit keine Stellung nehmen. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt geben wir dazu keine Stellungnahme ab“, sagte ein DHL-Sprecher in Bonn und verwies auf die Ermittlungen der Polizei.

Was wissen die Ermittler über den Absender?

Klar ist, dass dies nicht der erste Vorfall dieser Art war. Wie Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke auf der Pressekonferenz erklärte, gab es bereits am 6. November 2017 einen ähnlichen Fall.

Laut Mörke geht die Potsdamer Polizei geht davon aus, dass der oder die Erpresser der DHL aus dem Raum Berlin-Brandenburg stammen. Ermittlungen hätten zu diesem Ergebnis geführt. Allerdings könne er aus ermittlungstaktischen Gründen keine Hintergründe dazu nennen.

Gibt es konkrete Spuren?

Nach MAZ-Informationen vom Samstagmorgen hat die Polizei auf dem Paket eine gefälschte Absenderadresse gefunden. Den Angaben zufolge handelt es sich um eine Phantasie-Adresse in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin). Die Adresse existiert nicht. Es konnte jedoch festgestellt werden, wo das Paket aufgegeben wurde. Den Ermittlungen zufolge geschah dies an der DHL-Packstation an der Kantstraße Ecke Roseggerstraße in Potsdam-West.

An dieser DHL-Packstation an der Kantstraße Ecke Roseggerstraße in Potsdam wurde das Paket aufgegeben

An dieser DHL-Packstation an der Kantstraße Ecke Roseggerstraße in Potsdam wurde das Paket aufgegeben.

Quelle: dpa

Die Ermittlungen gehen jetzt der Frage nach, wer die DHL-Sendung wo aufgegeben hat . Und hoffen auf Hinweise aus der Bevölkerung. Hinweise bitte telefonisch unter 0331 / 50 59 50 oder direkt an jede Polizeidienststelle weitergeben.

Die Potsdamer Polizei geht davon aus, dass der oder die Erpresser der DHL aus dem Raum Berlin-Brandenburg stammen. Das sagte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke am Sonntag in Potsdam. Die Ermittlungen hätten zu diesem Ergebnis geführt. Allerdings könne er aus ermittlungstaktischen Gründen keine Hintergründe dazu nennen.

Fahndungsplakate der Polizei

Fahndungsplakate der Polizei.

Quelle: dpa

Wie verhalte ich mich bei einem verdächtigen Paket?

Im Zusammenhang mit der Erpressung des Paketdienstes DHL hat die Brandenburger Polizei konkrete Hinweise für den Fall verdächtiger Sendungen gegeben. Aufpassen sollte man demnach bei unbekannten oder fehlenden Absendern, hieß es am Sonntag. Auch handgeschriebene und schlecht leserliche Adressen oder Adressen, die nicht am üblichen Platz stehen, könnten auf eine gefährliche Sendung hindeuten. Ebenso auffällige Rechtschreibfehler, Flecken oder Verfärbungen an dem Paket. Herausragende Drähte seien ein weiteres Alarmsignal, hieß es. Entsprechende Sendungen sollten keinesfalls geöffnet werden. Stattdessen sollten Empfänger sofort die Polizei verständigen.

Wie sicher sind die Weihnachtsmärkte?

Die Potsdamer Paketbombe ist nach Einschätzung der Ermittler nur zufällig direkt am Weihnachtsmarkt gelandet. „Es scheint Zufall zu sein, dass das Paket dorthin geschickt wurde“, sagte Innenminister Schröter am Sonntag. Der Täter habe zum Beispiel auch nicht wissen können, ob das Paket direkt in der Apotheke am Weihnachtsmarkt geöffnet wird.

Dennoch: Nach dem Bombenalarm in Potsdam werden die Sicherheitsmaßnahmen auf Weihnachtsmärkten in Brandenburg am ersten Adventswochenende erhöht. Polizisten sollen verstärkt Streife laufen, „vor allem in Potsdam“, wie ein Sprecher des Lagezentrums am Samstagmorgen sagte.

Auf dem Potsdamer Weihnachtsmarkt „Blauer Lichterglanz“ sollen nach Polizeiangaben 30 zusätzliche Bereitschaftspolizisten eingesetzt werden. Zudem soll bereits zusätzliche Videotechnik installiert worden sein.

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Einen Tag nach dem Bombenalarm am Freitag hat Potsdams Oberbürgermeister den Weihnachtsmarkt besucht. Dabei traf er auch mit den Mitarbeitern der Apotheke zusammen, in der das Paket gefunden wurde.

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Haben die Weihnachtsmärkte geöffnet?

Die Weihnachtsmärkte in der Landeshauptstadt sollen am ersten Adventswochenende alle wie geplant eröffnen. Schon kurz nach der Entschärfung hatte Veranstalter Peter Klemm zur Besonnenheit aufgerufen. Jetzt müssten zunächst die weiteren Schritte der Polizei abgewartet werden, dann werde versucht, zur Normalität zurückzugehen, sagte Klemm am Freitagabend dem Sender n-tv.

Geöffnet haben:

– Blauer Lichterglanz (Innenstadt): Samstag von 11 bis 21 Uhr sowie am Sonntag von 13 bis 20 Uhr

– Böhmischer Weihnachtsmarkt auf dem Weberplatz (Babelsberg): Samstag von 11 bis 22 Uhr und am Sonntag von 11 bis 19 Uhr.

– Polnischer Sternenmarkt und Sternenfest auf dem Kutschstallhof (Innenstadt): Samstag von 11 bis 20 Uhr und am Sonntag von 11 bis 19 Uhr.

– Weihnachtsmarkt Schloss Belvedere (Pfingstberg): Samstag und Sonntag von 11 bis 19 Uhr

– Weihnachtsmarkt auf dem Krongut Bornstedt: Samstag und Sonntag von 12 bis 18 Uhr

Von MAZonline

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