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Potsdam So lief der Tag der Bombendrohung in Potsdam
Lokales Potsdam So lief der Tag der Bombendrohung in Potsdam
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00:22 14.01.2019
Bombendrohung in Potsdam: Das Justizzentrum wurde am Freitag geräumt. Quelle: Julian Stähle
Potsdam

Hektik am Freitagmorgen im Justizzentrum an der Jägerallee. Wegen einer Bombendrohung, die am Donnerstagabend etwa um 21 Uhr – also lange nach Dienstschluss – per Mail gekommen, aber erst am Folgetag gelesen worden ist muss das Landgericht ab etwa 7.30 Uhr geräumt werden. 200 Mitarbeiter sind schon im Haus, als die Polizei alarmiert und die Nachricht auf dem Dienstweg in den Amtsstuben verbreitet wird.

Die Menschen kommen in benachbarten Gebäuden der Stadtverwaltung unter, werden aber wenig später in einen halbfreien Dienst verabschiedet; sie bleiben in der Nähe und erreichbar. Bis auf einen Zigarettenschmuggelprozess, der schon seinen 76. Verhandlungstag hat und ins alte Amtsgericht verlegt wird, werden alle Prozesse abgesagt.

Das Einsatz- und Lagezentrum der Polizei hat die Meldung des Justizzentrums gegen 7.30 Uhr bekommen und mit dem Präsidium des Landgerichtes die Räumung und Sperrung des Gebäudes verfügt, das aus einem historischen Kasernentrakt an der Straßenseite und einen Nachwende-Anbau besteht, rund 170 Räume müssen durchsucht werden, etwa 60 im Altbau, die Masse im modernen Anbau auf der Rückseite.

40 Beamte am Tatort

Weil man bei Polizei und Justiz die Mail ernst nimmt, werden rund 40 Beamte zum Tatort geschickt, darunter von Landeskriminalamt, Bundespolizei und aus Berlin. Fünf Spürhunde verschiedener Dienststellen durchstreifen von da an das Justizzentrum, erst den historischen Trakt, dann den Nachwende-Bau.

Der Vorplatz und der Gehweg vor dem Zentrum sind gesperrt; Besucher und Prozessteilnehmer werden schon an den Objekt-Ecken abgewiesen, ohne dass jemand dort etwas von einer Bombendrohung erfährt.

Bei anhaltendem Regen versammelt sich die Presse vor dem Gebäude, Landgerichtspräsidentin Ellen Chwolik-Lanfermann geht mit einer Thermoskanne Kaffee und Pappbechern herum und schenkt persönlich ein. Das nahe gelegene Hotel am Jägertor hat Kaffee und Tee auch schon für die evakuierten Mitarbeiter spendiert.

Chwolik-Lanfermann wirkt gefasst, nicht erschüttert. Erfahren hat sie von der Drohung gegen acht, als sie noch zu Hause war und per Telefon ihr baldiges ihr Erscheinen ankündigte. Im Vorzimmer ihrer Vizepräsidentin Alexandra Kosyra hatte eine Mitarbeiterin die Drohmail als erste gelesen und sofort die Alarmierung in Gang gesetzt.

Passanten wundern sich

„Es wäre unverantwortlich gewesen, die Drohung nicht ernst zu nehmen“, sagt Sicherheitsdezernentin Anja Königsmann der MAZ: „Wir mussten sofort räumen.“ Mehrfach wird sie von Passanten gefragt, was los ist. „Eine sicherheitstechnische Maßnahme“, sagt sie; eine Frau greift ein paar Meter weiter zum Handy und googelt, worum es wirklich geht.

Im Potsdamer Justizzentrum ist am Freitag eine Bombendrohung eingegangen. Das Gebäude wurde geräumt. Die Bilder vom Einsatz.

Fast fünf Stunden lang gibt es keine andere von außen sichtbare Bewegung als das gelegentliche Gassigehen der Spürhunde. „Fünf Hunde sind viel,“ sagt Polizeisprecher Torsten Herbst: „Aber es ist auch ein großes Gebäude. Die Hunde müssen zwischendurch Pause machen, weil die Schnüffelergebnisse sonst unzuverlässig werden.“

Die Polizei könne froh sein, mehrere Behörden in der Stadt und im benachbarten Berlin zu haben, die Hunde schicken können. Herbst ist sicher, dass die Tiere jede Bombe finden können: „Die sind darauf trainiert, die Explosivstoffe an der Duftmarke zu erkennen. Sie haben alle eine Grundausbildung und bekommen dann eine spezialisierte Ausbildung – so wie Drogensuchhunde auch.“

Gegen dreivierteleins kippt ein Polizist eilig den Trinknapf seines Hundes wieder aus, der im Auto bellt, wirft die Hecktür zu und fährt davon. Plötzlich wird es lebendig, und die Gerichtspräsidentin erfährt, dass die Suche beendet ist; man hat nichts gefunden. Sie darf ihre Dienststelle wieder betreten; die Presse muss weiter draußen bleiben. Die Entschärfer vom Landeskriminalamt rücken ab; sie haben heute nicht zu tun bekommen. Das LKA ermittelt weiter in diesem Fall.

Von Rainer Schüler und Jan Russetzki

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