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Botschaft vom Botschafter

Potsdam Botschaft vom Botschafter

Er eroberte die Herzen und Köpfe am Hermann-von-Helmholz-Gymnasium fast im Vorübergehen: Philippe Étienne, französischer Botschafter in Deutschland, ist auf Abschiedstour, er wechselt nach Moskau. Eine seiner letzten Stationen war das Potsdamer Gymnasium, dessen Schüler ihn mit der Klugheit und Weitsicht ihrer Fragen beeindruckten.

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Politikunterricht mal anders: Der französische Diplomat Philippe Étienne diskutierte mit den Elftklässlern Linus Tillmann und Armin Lindicke (r.) über die EU.

Quelle: Friedrich Bungert

Innenstadt. Philippe Étienne ist kein Popstar, aber Fans hat er trotzdem. „Ob ich mit dem Botschafter ein Selfie machen und mir ein Autogramm holen kann?“, fragt ein Schüler, bevor der Politstar die Bühne betritt. Philippe Étienne, Botschafter der Französischen Republik, ist auf Abschiedstournee durch Deutschland. In wenigen Wochen wird der Gesandte das internationale Parkett in Moskau betreten. Einen seiner letzten Auftritte in Deutschland absolviert er am Donnerstag am Hermann-von-Helmholtz-Gymnasium, das eben erst beim 64. Europäischen Wettbewerb erfolgreich war, mit dem der Europagedanke in die Klassenzimmer gebracht werden soll.

Wenige Tage nach der französischen Präsidentenwahl und dem Sieg des jungen, parteilosen, mit seiner früheren Lehrerin verheirateten Europafreunds Emmanuel Macron ist es der perfekte Zeitpunkt für eine Diskussion mit den Helmholtz-Schülern. Begrüßt wird der hohe Gast in akzentfreiem Französisch von zwei Schülerinnen, bevor auf Deutsch in der Schulaula über große Politik parliert wird. Wie er es sich erkläre, dass die Rechtspopulistin Marine Le Pen bei der Stichwahl 34 Prozent der Stimmen holte, will ein Schüler wissen. „Der Wahlkampf war von zwei Sorgen der Leute geprägt“, erklärt Étienne. „Die Sorgen um Arbeitsplätze und die Sicherheitsfrage nach den Terroranschlägen.“ Zu Le Pen und Macron direkt äußert er sich nicht, da bleibt Philippe Étienne – Ritter und Offizier der Ehrenlegion – ganz diplomatisch. Nach Stationen in Belgrad, Bonn, Bukarest und Brüssel ist er seit August 2014 als französischer Botschafter in Berlin. Und der Franzose, der fünf Fremdsprachen spricht, sieht dabei genauso aus, wie man sich einen Franzosen vorstellt, tuscheln die Schüler in den hinteren Reihen. Verschmitzter, kluger Blick, schütteres Haar, fast ein bisschen wie Louis de Funès. Ein sympathischer Bote für die deutsch-französische Freundschaft, finden die Diskutanten.

Während der diesjährigen Europawoche haben die Schüler die Podiumsrunde vorbereitet. „Die Frankreichwahl habe ich natürlich verfolgt“, sagt einer der Moderatoren, Armin Lindicke. Der 16-Jährige belegt den Leistungskurs Politische Bildung mit vier Wochenstunden. Von Politik- und Europamüdigkeit ist am Helmholtz-Gymnasium nichts zu spüren, versichert Schulleiterin Grit Steinbuch. Étienne zeigt sich beeindruckt vom weltpolitischen Wissen der Neunt- und Elfklässler. Es geht um Asyl- und Außenpolitik, um die Armeegewalt des französischen Präsidenten, Syrien, den türkischen Präsidenten Erdogan und Étiennes baldigen Gang nach Russland. Ob der denn freiwillig den Einsatzort wechsle. Auch da antwortet er diplomatisch: „Eine gestörte Beziehung zu Russland brauchen wir nicht.“ Zum Schluss gibt es eine wichtige Botschaft vom Botschafter: „Die junge Generation betrachtet die Europäische Union, die offenen Grenzen, viel zu oft als Selbstverständlichkeit. Aber die EU ist etwas Einmaliges.“ In Zeiten der Globalisierung seien Destinationen wie Indien, China oder Lateinamerika exotischer. Das schlage sich zum Beispiel bei den Programmen des deutsch-französischen Jugendwerks nieder, die einjähriges Arbeiten im Nachbarland ermöglichen. „Es mangelt inzwischen an Kandidaten“ Am Ende gibt es lang anhaltenden Applaus für Étienne, als wäre er doch ein Popstar. Er hat bestimmt Kandidaten für den europäischen Austausch gewonnen.

Von Marion Kaufmann

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