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Potsdam Brandenburg zieht Bilanz
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17:45 03.01.2018
Der erste Bauabschnitt bei der Sanierung der Wunderblutkirche in Bad Wislnack ist beendet. Quelle: Foto: Andreas König
Potsdam

Der Raubritter Heinrich von Bülow überfiel am 16. August 1383 das Prignitzdorf Wilsnack und brannte alles nieder. Die Kirchenglocken schmolzen im Feuer. Die geweihten Hostien blieben aber angeblich unverkohlt. Dem nicht genug: Auf dem Weizengebäck, das den Leib Christi symbolisierte, blühten rote Blutstropfen.

„Das Hostienwunder von Bad Wilsnack war die mittelalterliche Variante der Städtebauförderung“, erklärte Landeskonservator Thomas Drachenberg gestern bei einer Pressekonferenz zum Thema Denkmalschutzförderung. Wilsnack blühte auf, denn im 15. Jahrhundert pilgerten Gläubige aus ganz Nordeuropa zur Wunderblutkirche.

Seit der Reformation muss aber die Nachwelt die kolossalen spätgotischen Dachstühle erhalten. Gerade stolze, repräsentative Bauwerke erweisen sich oft als schwere Hypothek. Kirchen, Gutshäuser, Industriebauten und Villen können auch vom Niedergang künden. Nach einer sagenhaften Blütezeit.

In den Verteilungskämpfen der Gegenwart ist es die Aufgabe eines Kulturministeriums, sich für die Erhaltung der Baudenkmäler einzusetzen. Sie sind „einmalige Zeugnisse der Geschichte“ und „Teil der Identität unseres Landes“, betonte Kulturministerin Martina Münch (SPD) gestern in der Potsdamer Staatskanzlei. Schließlich handele es sich um „authentische Orte“, die das Land „lebens- und liebenswert“ machten. Von ihnen profitiere auch die Tourismuswirtschaft und die regionale Bauwirtschaft, so Münch.

„Bad Wilsnack hat die Chance, in einer anderen Liga zu spielen“, freute sich Drachenberg. Es erhalte Geld aus Bundestöpfen, die auch für den Kölner Dom und für Schloss Schwanstein aufkommen. „Die Lokalpolitiker lernen gerade, größer zu denken – über das Schlagloch hinweg, auch über die Therme, die für Bad Wilsnack sicher auch ein Segen ist“, so der Landeskonservator.

Mit 50 000 Euro förderte das Land 2017 auch die Restaurierung von neun historischen Prunksärgen in der Gruft der Wilsnacker Kirche. Der Bund verdoppelte den Betrag. „Die Grablegen sind nicht Stätten des Verfalls sondern Auferstehungsorte“, jubelte der Wissenschaftler Andreas Ströbl. Sie stehen auf einer 31 Positionen umfassenden Landesliste, die unterm Strich knapp eine Millionen Euro ausweist. So viel Denkmalhilfe kann das Kulturministerium im Jahr ausreichen, um dringende Sanierungs- und Sicherungsprojekte zu fördern, die den Eigentümern über den Kopf wachsen. „Die Summe müsste aus fachlicher Sicht verdoppelt werden“, merkte Drachenberg an. Die Ministerin versprach, sich dafür einzusetzen. Der Doppelhaushalt 2019/20 werde jetzt verhandelt.

Obwohl Brandenburg weiterhin bei den Ausgaben für Denkmalhilfe im Bundesvergleich als Schlusslicht dasteht, ging es den Verantwortlichen in ihrer Bilanz darum, die positiven Beispiele herauszustellen. Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) führte die Ortsdurchfahrt in Jüterbog an. In die Bundesstraße werde aktuell historisches Pflaster eingebaut. Für städtebaulichen Denkmalschutz standen ihrem Haus 2017 24 Millionen Euro zur Verfügung. „Dabei muss es gelingen, in die Denkmäler Leben hineinzubringen“, so ihr Credo. Vom Gubener Bürgermeister Fred Mahro ließe sie ein Beispiel vorstellen, bei dem das gelungen sei. In Neiße-Orten wie Guben und Forst gibt es viele Fabrikantenvillen, die nach dem Niedergang der Tuchindustrie ein Schattendasein führen. Dank eines cleveren Malermeisters, der sein Herz in die Hand genommen habe, konnte die klassizistische Villa des Gubener Hutfabrikanten Apelius Cohn in eine Seniorenresidenz umgewandelt werden.

„Viele Schätze sind ohne privates Engagement nicht zu halten“, weiß Kulturministerin Münch. Im Jahr reicht ihr Haus insgesamt 15 Millionen Euro aus, fast drei Millionen davon gingen an Kirchen. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten erhielt mit 9,1 Millionen Euro den Löwenanteil für den Erhalt ihrer Anlagen. Diese Summe reichte aber nicht aus, um auch das Dach der Friedenskirche Sanssouci zu flicken. Dafür stellte das Ministerium aus einem Extratopf noch einmal ein Extrasümmchen zur Verfügung.

Von Karim Saab

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