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Potsdam An China kommt man nicht vorbei
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21:27 13.09.2018
Bald Wirtschaftsminister des Landes: Jörg Steinbach. Quelle: Patrick Pleul/DPA
Potsdam

In einer Woche wird Jörg Steinbach (parteilos) die Geschäfte des brandenburgischen Wirtschaftsministers übernehmen. Im Moment reist der designierte Ressortchef mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in China unterwegs. Im MAZ-Gespräch äußert sich der derzeitige Präsident der BTU Cottbus-Senftenberg über das Potenzial der Region. Im Bereich der Wissenschaft gehe es zum Beispiel darum, die interkulturelle Kompetenz zu stärken. In der Wirtschaft gebe es viele weitere Anknüpfungspunkte.

Wenn alles erwartungsgemäß läuft, sind Sie in einer Woche Wirtschaftsminister von Brandenburg. Was können wir von China lernen für die märkische Wirtschaft?

Jörg Steinbach: Jetzt mal halblang. Ich bin hier als Präsident der BTU Cottbus-Senftenberg und meine Mitreise war seit langem geplant. Aber natürlich wird die Brandenburger Delegation hier vielfach mit Themen konfrontiert, die Wissenschaft ebenso betreffen wie Wirtschaft. Und es wäre grotesk, wenn ich mein wahrscheinliches künftiges Amt ausblenden würde. Meine Erfahrungen mit diesem riesengroßen Land zeigen mir, dass wir mit wachen Augen wahrnehmen sollten, wie in China gearbeitet wird. Das heißt nicht, dass wir es kopieren sollten. Chinesen definieren sich oftmals völlig über Arbeit, das Privatleben tritt in den Hintergrund. Was wir lernen können, ist Arbeitsorganisation. Damit kann man viel wettmachen, ohne dass die Belastung für den einzelnen unerträglich würde.

Wie soll das gehen?

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die Qualität unserer Ausbildung deutlich besser ist als die chinesische. Sie ist sogar weltweit führend, auch mit unserem dualen Ausbildungssystem. Man macht immer wieder die Erfahrung, dass deutsche Absolventen den chinesischen voraus sind, wenn es an die Umsetzung von theoretischem Wissen in die Praxis geht. Weil das so ist, sind wir durchaus konkurrenzfähig. Damit das so bleibt, müssen Schulen, Universitäten und Ausbildungsbetriebe einfach gut sein. Und da hat Brandenburg, ich erlebe das auch an der BTU, große Schritte nach vorn gemacht. Gute Bildung ist die Grundlage starker Wissenschaft und Wirtschaft.

Sie haben am vergangenen Wochenende die Brandenburger Delegation von Spitzenpolitikern über einen Pekinger Nachtmarkt geführt und Ihnen Quarkbällchen gekauft. Wie lange haben Sie gebraucht, bis Sie sich einigermaßen im Land auskannten?

Ich fahre seit 2004 nach China – zweimal im Jahr, wenn möglich. Ich hatte Hilfe von Leuten, die mich dorthin geführt haben, wo man allein nie hin kommt.

Zur Person

Noch ist Jörg Steinbach Präsident der BTU Cottbus-Senftenberg. Der 62-Jährige soll in der kommenden Woche als Nachfolger Albrecht Gerbers im Amt des Wirtschaftsministers vereidigt werden.

Steinbach ist gelernter Chemie-Ingenieur und begann seine akademische Karriere als Professor an der Technischen Universität Berlin. Dort wurde er 2010 zum Präsidenten ernannt, was er bis 2014 blieb.

Der designierte Minister ist verheiratet und hat drei Söhne.

Auf dem erwähnten Markt gibt es unter anderem geröstete Seepferdchen und Skorpione. Haben Sie so etwas schon einmal gegessen?

Nein, aber böse Zungen behaupten, dass die dort nur aufgespießt werden, damit Touristen es sehen – fürs Gruseln.

Was konkret werden Brandenburger Unternehmen von dieser Reise mitbringen?

Für mich stand, auch als Vorsitzendem der Brandenburgischen Hochschulkonferenz, die Wissenschaft im Vordergrund. So zum Beispiel das Labor für künstliche Intelligenz sowie das Labor für Umwelt- und Energiewissenschaft. Und ich freue mich, dass eine Kooperation des renommierten Potsdamer HPI mit der Technischen Universität Peking unterzeichnet werden konnte. Da kommen Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Auf dem Gebiet der Wasserstofftechnologie gibt es Projekte, die von Besuch zu Besuch große Fortschritte machen. Sie werden Schule machen – und die Nachbarprovinzen beginnen sich dafür zu interessieren. Es gibt bereits Anfragen. Aus mehreren Absichtserklärungen, die auf dieser Reise getroffen werden, kann später Wertschöpfung entstehen.

Die Delegation, die nach China gereist ist, ist sehr groß und stark besetzt, unter anderem ist neben dem Ministerpräsidenten die komplette Landtagsspitze dabei, außerdem etliche Wirtschaftsvertreter. Was sagt das über die Wichtigkeit der Mission?

Ich bin hier als BTU-Präsident und freue mich, dass man in Brandenburg verstanden hat, dass man in und mit China nur vorankommt, wenn man persönliches Vertrauen aufbaut und Wertschätzung zeigt. Die bringt eben ein Ministerpräsident zum Ausdruck, der sich auf einen Acht-Stunden-Flug begibt und sich hier persönlich um die Themen kümmert. Er zeigt Gesicht und steht hinter den Dokumenten, die unterzeichnet werden. Diese Symbolik schätzen Chinesen extrem hoch ein. Dieser Besuch wird Eindruck machen und hat einen Gegenbesuch bereits im November zur Folge. Das ist gut. So muss man das machen.

Mehrfach erwähnten Teilnehmer der Reise die Einmischung der kommunistischen Partei in Unternehmen. Beunruhigt Sie das oder gehört das eben zu China?

Um diese Frage beantworten zu können, muss man sich noch viel, viel mehr mit China beschäftigen. Man muss alles mit 1000 multiplizieren, wenn man chinesische Maßstäbe anlegt. Das soziale Gefälle ist so steil, wie wir es überhaupt nicht kennen. Auf den Straßen von Shanghai trifft man Leute in Gucci-Kleidung, eine Ecke weiter spielen Kinder im Baustellenstaub. Man sollte an dieser Stelle sehr vorsichtig mit Urteilen darüber sein, welches politische System diese Mengen, diese Dimensionen, diese Vielfalt sinnvoll zu steuern in der Lage ist. Ich glaube, dass unser System dafür wohl nicht 1:1 übertragbar wäre.

Wie sehen Sie die Lage der Zivilgesellschaft?

Sie ist beunruhigend und es ist unstrittig, dass es teilweise erhebliche Einschränkungen bei Meinungsfreiheit und Menschenrechten gibt. Man muss klar und wiederholt signalisieren, dass einem dies nicht gleichgültig ist. Das hat Woidke an mancher Stelle getan. Andererseits kann ich in der praktischen akademischen Zusammenarbeit damit leben, wenn an einer chinesischen Partner-Universität der Parteisekretär vom Rang her höher steht als der Universitätspräsident. Diese Leute schauen genau, welche Programme wir an unseren Hochschulen haben. Sie bilden sie zum Teil eins zu eins nach, etwa die Exzellenzinitiative. Da spielt die politische Doktrin überhaupt keine Rolle.

Mit Ihnen als Wirtschaftsminister wird es also einen weiteren starken Fokus auf China geben?

Noch bin ich das nicht und es gebietet der Anstand, hier zurückhaltend zu sein. Aber ganz knapp: Man kommt an China und ganz Ost-Asien natürlich nicht vorbei. Es gibt noch Riesenpotenzial – auch für uns.

Man hat auf den Eindruck, als seien die Beziehungen zu China eine Einbahnstraße. Deutschland liefert Ideen und Technologie, China macht sie sich zu eigen – mit entsprechenden Folgen für deutsche Anbieter. Ist das ein Zerrbild?

Das ist ein Zerrbild. Zu oft wird ein verborgener Plan unterstellt. Ein Beispiel: Auf mich sind Chinesen zugekommen, um unser Mittelstandszentrum für Industrie 4.0 in Cottbus kennenzulernen. Zunächst habe ich auch gedacht: Was soll der Unfug? Ihr macht das doch zu Hause in viel größerem Maßstab und extrem professionell! Dann kam aber heraus, dass in China Großunternehmen sehr wohl wissen, wie sie das Internet der Dinge umsetzen. Aber für kleine und mittelständische Unternehmen fehlen ihnen Konzepte. Kleine und mittlere Unternehmen sind aber gerade der Hauptträger der Wirtschaft in Brandenburg. Deshalb ist das Mittelstandszentrum an der Uni Cottbus ja so wichtig, weil es sozialverträglich hochkomplexe Technologien in Unternehmen bringt. Man muss die Nischen finden. In denen gibt es einen hohen Bedarf von chinesischer Seite, von uns zu lernen.

Ihre Uni Cottbus-Senftenberg kooperiert mit etlichen chinesischen Hochschulen. Wie suchen Sie die Partner aus?

Am Anfang der Internationalisierungsstrategien in den meisten deutschen Hochschulen stand das so genannte „capacity building“. Das heißt: Man tauschte so viele Studenten wie möglich aus. Davon haben die Studierenden sehr viel, die Unis aber kaum etwas. Unsere wertvollsten Kooperationen waren schließlich solche, bei denen wir Wissenschaftler ausgetauscht haben. Wir haben gemeinsam Projekte beantragt und diese dann durchgeführt und mit Studiengängen untersetzt. Nur mit solchen längerfristigen persönlichen Begegnungen in China und Deutschland lernen die jungen Leute die interkulturelle Kompetenz, die es braucht, um China zu verstehen und um erfolgreich zu kooperieren.

Von Ulrich Wangemann

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