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Brandstifter tappt in Polizei-Fotofalle

Potsdam Brandstifter tappt in Polizei-Fotofalle

Als es zum zweiten Mal in der Carl-Dähne-Straße 7 im Potsdamer Ortsteil Eiche brannte, installierte die Kripo eine Fotofalle. Lange brauchten die Beamten nicht zu warten. Zwei Wochen später brach im Haus erneut ein Feuer aus. Der Brandstifter entpuppte sich als Bewohner des Hauses – und als einer der eifrigsten Helfer. Jetzt steht der 19-Jährige vor Gericht.

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In der Nacht auf den 24. Januar 2016 brannte es in zum zweiten Mal in der Carl-Dähne-Straße in Eiche. Danach installierte die Kripo eine Fotofalle.

Quelle: Patrick Plönning

Eiche. Das Feuerzeug hat er immer dabei. Aber Patrick H. zündet sich nicht nur Zigaretten damit an. Patrick H. (19) ist ein Brandstifter. Fünf Mal, das gibt er zu, hat er in Potsdam Feuer gelegt: am 30. August 2015 in der Saarmunder Straße in Waldstadt, am 4. Dezember 2015 in der Lindenstraße in der City, am 17. und 24. Januar 2016 sowie am 6. Februar in der Carl-Dähne-Straße in Eiche, wo Patrick H. selbst wohnte und auch festgenommen wurde. Eine Fotofalle der Kripo hat ihn überführt. Patrick H. sitzt seither in Untersuchungshaft in der JVA Wriezen, in der jugendliche und heranwachsende Straftäter untergebracht sind.

Neben schwerer Brandstiftung auch Eigentums- und Verkehrsdelikte

Patrick H. legt am Mittwoch beim Prozessauftakt am Potsdamer Amtsgericht zwar ein umfassendes und reuiges Geständnis ab, erklären aber kann er seine Taten nicht. „Ich frag mich das bis heute fast jeden Tag, weshalb ich das gemacht habe. Ich kann nicht sagen, was mich so beschäftigt, dass ich so eine Reaktion darauf zeige.“ Ein Gutachter soll nun klären, woher – wie Staatsanwalt Thomas Jaschke sagt – „der Klick im Kopf“ kommt. Immerhin spielte Patrick H. nicht nur mit dem Feuer. Er hat sich auch wegen mehrfacher Eigentums- und Straßenverkehrsdelikte zu verantworten. So sind vier Fälle angeklagt, in denen er Bekannten zunächst den Autoschlüssel gestohlen und sich dann mit deren Auto abgesetzt hat. Einige Male war er dabei betrunken, zwei Mal baute er einen Unfall, ein Mal lieferte er sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei – eine Fahrerlaubnis besaß er indes zu keinem Zeitpunkt.

Die meisten Brände legte Patrick H., nachdem sich die Freundin von ihm getrennt hatte. Wollte er ihr den Lebensretter vorspielen, der sich selbstlos in Gefahr begibt? Immerhin setzte er meist selbst den Notruf ab und halt stets dabei, die ahnungslosen Mieter aus ihren Betten zu klingeln – einmal landete er gar mit einer Rauchgasvergiftung im Krankenhaus.

Die Mutter der Ex-Freundin beschreibt ihn als „sehr auffällig“

Die Liebesbeziehung zu Antonia S. (18), war in die Brüche gegangen, nachdem Patrick H. Ende November 2015 das Auto ihrer Eltern stahl und aufflog. Ein Jahr lang war er bei der Familie ein- und ausgegangen, war zu Familienfesten und zu Wochenendausflügen eingeladen, bekam Hilfe bei der Lehrstellensuche. „Er war integriert“, sagt Mutter Jana S. „Er hat dazu gehört.“ Sicher, der Junge, den sich die Tochter da ausgesucht hatte, „war schon sehr auffällig“, räumt die Bankangestellte ein. „Er wollte immer etwas Besseres darstellen. Aber wir kannten ja seine Vorgeschichte und dass er es im Leben nicht leicht gehabt hatte. Wir sind erwachsen und wussten damit umzugehen.“

Die Tochter aber habe sich oft Sorgen gemacht, wenn er mit blauen Flecken, Narben und frischen Verletzungen nach Hause kam, wenn er mal wieder ein neues Handy hatte, wo doch kein Geld dafür übrig war. „Antonia hat versucht, ihn auf den rechten Weg zu bringen und es lange nicht wahrhaben wollen, dass Patrick sie anschwindelt und belügt“, sagt Jana S. Als er beim Autoklau erwischt wird, ist für die Eltern das Maß voll. Sie raffen die Sachen zusammen, die Patrick H. in ihrer Wohnung hat und sprechen ihm ein Hausverbot aus. „Wir sagten ihm, dass wir ihn nicht mehr sehen wollen und dass er Antonia in Ruhe lassen soll“, so Jana S.

Die Teenager treffen sich nach der offiziellen Trennung heimlich

Doch Patrick H. kann nicht von dem hübschen, gutmütigen Mädchen lassen, fängt es an der Schule ab, stellt ihr nach – so sieht es zumindest für die Eltern aus. In Wahrheit führen die Teenager ihre Beziehung heimlich weiter: „Weil ich nicht dran geglaubt habe, dass er es getan hat“, sagt Antonia S. vor Gericht. Sie macht erst Schluss, als die Eltern sie erwischen.

Patrick H. wagt kaum, die junge Frau und ihre Familie anzuschauen. Tief senkt er den Kopf, als wüsste er um die vergebene Chance, doch noch in ein unbeschwertes Leben zu finden. „Ich wusste, dass ich da alleine nicht mehr rauskomme, aber ich hatte nicht die Kraft, mir Hilfe zu suchen“, sagt der Angeklagte. Egal, wie das Urteil ausfällt – Hilfe wird Patrick H. nun bekommen. Im Jugendstrafrecht gilt die Prämisse „Erziehung vor Strafe“.

Die Verhandlung wird am 9. August fortgesetzt.

Von Nadine Fabian

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