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Potsdam „Brillenschlangen“ auf Sansibar
Lokales Potsdam „Brillenschlangen“ auf Sansibar
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21:36 14.06.2018
Im Humboldt-Gymnasium fand am Donnerstag ein Spendenaktionstag für Sansibar statt. Koch Kabuta Sepetu, gebürtig aus Sansibar, half zusammen mit einem Kollegen aus Ghana, um leckere afrikanische Spezialitäten zu kreieren. Quelle: Friedrich Bungert
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Potsdam/Sansibar-Stadt

Das Wort der Sansibaris für „Schlange“ ist „Nyoka“. Schlangen gibt es auf der Insel vor dem tansanischen Festland einige – so sind zum Beispiel lange, grüne Mambas keine Seltenheit. Auf dem Vormarsch sind zudem kleine „Brillenschlangen“ – und das ist auch gut so. Früher war diese Bezeichnung für Fehlsichtige nicht gerade als Kompliment gemeint. Mittlerweile sind Brillen fast schon zum hippen Statement-Teil avanciert, teilweise sogar mit Fensterglas ausgestattet. Auf Sansibar könnte man über so einen Mode-Schnickschnack aber wahrscheinlich nur bitter lächeln. Dort sind die Sehhilfen nämlich kein wohlfeiles Hipster-Accessoire, sondern ein rares und überaus kostbares Gut – und oft unerschwinglich. In den Schulen kauern die Kinder oft auf dem Fußboden, ganz nah dran an der Tafel, weil sie sonst nichts erkennen würden. Aber es gibt auch eine positive Nachricht: Dank der mittlerweile mehr als einem Jahr alten Städtepartnerschaft zwischen Potsdam und Sansibar findet man auf der bitterarmen Insel nun immer mehr Brillenträger.

Endlich ein „Lensometer“

Nachdem eine offizielle Potsdamer Delegation mit Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) an der Spitze im vergangenen Juli zur zweiten Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags auf die Insel gereist war, rief die Stadtverordnetenvorsitzende Birgit Müller (Linke) dazu auf, nicht mehr benötigte, aber noch gut erhaltene Brillen für Sansibar zu sammeln. Mit überwältigendem Erfolg: Hunderte kamen binnen kurzem zusammen. Doch die Brillen zu haben und sie nach Sansibar zu bringen, ist eine Sache – das richtige Anpassen aber eine andere und ziemlich herausfordernde.

Blick in ein Klassenzimmer auf Sansibar. Quelle: Ildiko Röd

„Lensometer“ nennt sich das augenoptische Messgerät, das man dafür braucht. Und so war es eine Fügung des Schicksals, dass die Potsdamer Schauspielerin Gerit Kling im vergangenen Herbst einen großzügigen 20 000-Euro-Spendenscheck für die Städtepartnerschaft überreichte. Mit dem Geld können nicht nur Solarventilatoren für zwei Schulen gekauft werden. Auch das dringend benötigte Lensometer war nun erschwinglich.

Engagierte Humboldt-Schüler

In Kooperation mit dem „Zanzibar Outreach Program“ wurden die ersten 200 Sehhilfen dann ausgemessen und ihre Stärke bestimmt. Seit März haben die Kinder der Mwanakwerekwe `H Primary School und der Mwembeladu Secondary School – beide in Sansibar-Stadt beheimatet – nun wieder voll den Durchblick.

„Am 4. Juli fahren wir wieder nach Sansibar und werden den nächsten Koffer mit 400 Brillen mitnehmen“, erzählten Claudia Dombrowsky und Kilian Kindelberger von der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft (BBAG) am Donnerstag am Rande des Sansibar-Festes im Humboldt-Gymnasium. In der traditionsreichen Schule an der Heinrich-Mann-Allee – unter anderem besuchte die spätere Publizistin Marion Gräfin Dönhoff die damalige Oberrealschule – engagiert man sich stark für humanitäre Belange. Eine Schulpartnerschaft mit Ghana existiert bereits; nun wird eine Partnerschaftschaft mit der Mwembeladu Secondary School auf Sansibar angestrebt.

Tolles Engagement für Sansibar: Lennart (12), Tobias (12), Anton (12) und Eric (13, von links nach rechts) – alle aus der 7 Klasse – verkauften erfolgreich Lose. Auch dieser Erlös kommt einer Schule auf Sansibar zugute. Quelle: Friedrich Bungert

Schulleiterin Carola Gnadt hatte den Kontakt während ihrer mehrmonatigen Auszeit im Rahmen eines „Sabbaticals“ geknüpft. „Die erste Station von Frau Dr. Gnadt war Sansibar; dort hat sie die Schule besucht“, erzählte Zehntklässler Nico Grützke vom Aktiv-Team „Humboldt-Ghana-Sansibar“ gestern inmitten des buten Fest-Trubels. Unter einem Himmel, der es mit seinem strahlenden Blau locker mit dem über dem Indischen Ozean aufnehmen konnte, waren im Hof mehrere Stände aufgebaut. Leckere afrikanische Spezialitäten lockten, zubereitet von zwei Köche, die ursprünglich aus Ghana und Tansania stammen. Schüler verkauften afrikanische Produkte wie Nelkenöl; außerdem gab es eine Lotterie mit kleinen Preisen wie Buntstiften oder Schweißbändern im Deutschland-Look. Drinnen im Saal wurden tansanische Bilder und Skulpturen verkauft. Die Einnahmen des Festes sollen Schulprojekten in Sansibar zugute kommen – als weiterer kleiner Baustein für die Brücke der Städtepartnerschaft.

Von Ildiko Röd

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