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Potsdam „Bubus“ Nachfolger machen Jagd auf Verkehrssünder
Lokales Potsdam „Bubus“ Nachfolger machen Jagd auf Verkehrssünder
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15:56 19.06.2017
Katja Funkel ist seit März die für die Potsdamer Innenstadt zuständige Revierpolizistin. Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger
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Innenstadt

„Die Radfahrer“, sagt Katja Funkel, „sind eine ganz spezielle Klientel. Sehr streitlustig.“ Wenn die 38-jährige Polizeioberkommissarin Radler auf der Brandenburger Straße stoppt, die regelwidrig die Fußgängerzone queren oder auf ihr entlangbrettern, muss sie sich einiges anhören. Die tollste Ausrede bislang: Ich trage einen Rheumaschuh und kann deshalb nicht absteigen. Wenn es an das Ordnungsgeld geht – 15 Euro für Radsünder – würden viele richtig fuchtig. Von Mitbürgern nichtdeutscher Herkunft werde ihr auch schon mal unterstellt, ausländerfeindlich zu sein. „Man braucht schon ein dickes Fell für den Dienst hier“, sagt die Polizistin.

An „Bubu“ prallten beleidigende Sprüche ab. Der beleibte und stadtbekannte Boulevardbulle „Bubu“ Joachim Pfeifer, genannt „Der Dicke“, war bis zu seiner Pensionierung 2014 der zuständige Revierpolizist in der Innenstadt – und eine Institution. Seit März diesen Jahres sorgt Katja Funkel für Sicherheit in Bubus altem Revier, nachdem ihre Vorgängerin Claudia Lang in Elternzeit gegangen ist. „Ich arbeite an der Figur“, sagt die schlanke Katja Funkel mit einem liebevollen Seitenhieb auf ihren Ex-Kollegen und stellt sich demonstrativ mitten auf den „Broadway“.

Brandenburger Straße ist Brennpunkt

Am Dienstag ist die Polizeioberkommissarin nicht alleine bei ihrem Streifzug für Recht und Ordnung in der City. Insgesamt ein Dutzend Beamte der Polizeiinspektion Potsdam kontrollieren den Tag über an drei Verkehrsbrennpunkten der Stadt. Neben dem Fußgängerweg von der Langen Brücke zur Leipziger Straße, der gerne illegal von Radlern genutzt wird, und den Schulwegen im Schlaatz nehmen die Polizisten den Boulevard ins Visier. „Uns erreichen sehr viele Beschwerden zur Brandenburger Straße“, erklärt der Koordinator der Revierpolizei, Thomas Simonis. Ob per Brief, Mail, Anruf oder über das Onlineportal Maerker: Anwohner haben viel zu meckern über das Verhalten auf dem Broadway.

Autofahrer, die die Fußgängerzone queren, Radler, die beinahe Kinder umkacheln und Lieferautos, die nach 11 Uhr widerrechtlich vor den Geschäften parken. Die Brandenburger Straße sei zwar kein Unfallschwerpunkt, erläutert der Hauptkommissar, „aber seit Jahren ein zentraler Brennpunkt von Unmut.“ Um rücksichtlose Verkehrsteilnehmer zum Besseren zu erziehen, haben die Polizisten an den Ecken Jäger- und Lindenstraße Position bezogen. Ein weißer Toyota, Potsdamer Kennzeichen, versucht bei Starbucks über die belebte Fußgängerzone zu fahren. Katja Funkel hält den Fahrer auf. Er wolle ja nur mal ganz kurz rüberfahren. Nix da! Der Potsdamer muss wenden. Wenn er weitergefahren wäre, wären 20 Euro Strafe fällig gewesen.

Andere tun es doch auch. Das Navi hat mich hier langgeführt. Ich wusste nicht, dass das verboten ist. Katja Funkel kennt die Ausreden. Viele Radler steigen schnell vom Bike, wenn sie die Uniformierten erblicken und schieben mit Unschuldsmiene die Einkaufsmeile entlang. „Sie müssen nicht so streng gucken“, ruft eine Passantin der Polizistin zu und springt schnell vom Velo. „Ich bin hier die Erste, die sich beschwert, wenn die Idioten hier rüberfahren.“

Die Verkehrssünder haben viele Ausreden parat

„Wurde das Schild versetzt? Das stand bislang nicht hier“, versichert ein anderer Pedaleur, der erst anhält, als Katja Funkel ihm entgegentritt. „Das Schild steht schon ewig genau an der Stelle“, entgegnet die Polizistin und zeigt auf das Durchfahrtsverbotschild. Trotzdem belässt sie es bei einer mündlichen Verwarnung, erlässt kein Bußgeld. „Wir versuchen, mit Augenmaß vorzugehen“, sagt sie. Die beste Lösung aus ihrer Sicht: „Die Stadt muss in der Jäger- und der Lindenstraße Poller aufstellen.“ Auch Piktogramme auf dem Pflaster könnten helfen, die Fahrer an die Regeln zu erinnern. Die Poller sollen „zeitnah“ aufgestellt werden, sicherte Stadtsprecherin Friederike Herold am Dienstag auf Anfrage zu. Einen genauen Termin, wann die für Rettungs- und Straßendienst absenkbaren Sperren platziert werden, gebe es aber noch nicht.

Fahrradfahrer haben oft die kreativsten Ausreden. Quelle: Bernd Gartenschläger

Katja Funkel könnte sich dann bei ihren Streifen zwei- bis dreimal pro Woche auf andere Probleme konzentrieren. Die Geschäftsleute beschwerten sich derzeit vor allem über Bettler. „Da können wir aber nicht viel machen“, erklärt die Polizistin, „betteln ist nicht verboten.“ Anders die Lage, wenn Diebe am Werk sind. Der Zettel- und der Blumentrick seien derzeit beliebte Abzockmethoden. Beim Zetteltrick legt der Dieb ein Papier auf den Tisch – und schwupp ist das Handy des Gegenübers weg. Beim Blumentrick wird Passanten eine Blume geschenkt. Oft nur ein Ablenkungsmanöver, um dem Angesprochenen in die Tasche zu greifen. Aber der neue „Bubu“ Katja Funkel hat seine Boulevardsünder fest im Blick.

Ergebnis der Kontrollen

In der Brandenburger Straße wurden gestern binnen zwei Stunden acht Rad- und acht Pkw-Fahrer erwischt, die die Fußgängerzone überquerten oder mit dem Rad auf dieser entlangfuhren. Es blieb bei mündlichen Verwarnungen.

In der Leipziger Straße wurden 31 Radfahrer von der Polizei angehalten, die auf dem Fußweg unterwegs waren. Es wurden Geldstrafen zwischen 15 und 30 Euro verhängt.

Im Schlaatz wurden zwölf Autofahrer wegen Geschwindigkeitsübertretungen gestoppt.

Von Marion Kaufmann

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