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Bühnenstück über Flucht und Heimatperspektive

Premiere des HOT-Jugendclubs in Potsdam Bühnenstück über Flucht und Heimatperspektive

Junge Deutsche und junge Flüchtlinge haben in einem Projekt des Jugendclubs am Potsdamer Hans-Otto-Theater gemeinsam ein Stück über Flucht und Heimat entwickelt. Die einen schildern Tausende Kilometer zu Fuß, Gewalt, Tod und Sklaverei, die anderen berichten von Wellen der Hilfsbereitschaft, Pogida und ihrer persönlichen Ratlosigkeit. Am Donnerstag ist Premiere.

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Jeder Mitspieler bringt eigene Perspektiven ein.

Quelle: Göran Gnaudschun

Potsdam/Schiffbauergasse. Den größten Teil ihres Weges sind sie gerannt: „Ich dachte, sie wären gegangen. Aber sie wurden von ihren Schleusern angetrieben. Sie müssen rennen, laufen, und wer es nicht schafft, bleibt am Rande liegen.“ Das berichtet Veronika Zimmer, Theaterpädagogin, die mit ihrer Kollegin Manuela Gerlach junge Deutsche und junge Flüchtlinge für eine gemeinsame Theaterproduktion über Flucht und Heimat zusammenbrachte.

„Flucht nach vorn“ ist der Titel der Inszenierung des Jugendtheaterclubs, die am heutigen Donnerstag in der Reithalle des Hans-Otto-Theaters Premiere hat. Manche der beteiligten Jungen und jungen Männer aus Syrien, Afghanistan, Gambia, Mauretanien waren drei Monate, andere vier Jahre auf der Flucht.

Die Idee zu dem Projekt entstand im vergangenen Jahr noch vor Lampedusa und der im Sommer einsetzenden Fluchtwelle. Begonnen wurde mit 16 Mitgliedern des HOT-Jugendclubs, darunter 13 Mädchen, die über die Ereignisse diskutierten, über die Politik, auch über Großeltern, die nach dem Zweiten Weltkrieg selbst Vertriebene waren. Später suchten Gerlach und Zimmer auf der Suche nach Mitspielern Willkommensklassen auf. Sie fanden sie im Oberstufenzentrum I. Die allein eingereisten Flüchtlinge zwischen 14 und 19 Jahren blieben fast alle dabei, drei syrischen Mädchen wurde die weitere Teilnahme von ihren Eltern nicht erlaubt.

Die seit Januar laufenden Proben hatten Werkstattcharakter. Mit Händen und Füßen, manchmal mit Hilfe von Dolmetschern und Therapeuten schilderten die jungen Männer Gründe ihrer Flucht, ihren Weg, ihre Erwartungen. Manche Motive wie dieses Rennen mit den Schleusern im Nacken kamen immer wieder, auch dieses, dass für alles, jeden Schluck Wasser unterwegs bezahlt werden muss. Das Geld wurde von den Daheimgebliebenen überwiesen. Wer keines mehr hatte, blieb zurück.

In der szenischen Collage spielen sie sich selbst. Manchmal werden sie von ihren deutschen Mitspielern unterstützt. Ein Mädchen berichtet von den Erlebnissen des mauretanischen Jungen, der von einem Onkel in die Sklaverei verkauft wurde, während er demonstriert, wie man ihn mit Prügel zum Betteln zwang. Die Deutschen bringen ihre Beobachtungen ein. Die vielen Helfer. Pogida. Die Politik. „Wer zum Teufel“, sagt ein Mädchen, „macht diese kranke Welt wieder gesund? Niemand verantwortet sich dafür! Ich fühle mich allein gelassen.“

Auf Bilder wird verzichtet. Ein Junge fotografierte mit dem Handy die Frau, die auf der Überfahrt im Mittelmeer gleich neben ihm ertrank. Das, sagt Gerlach, haben sie nicht mal den Mitspielern gezeigt. Für die Pädagoginnen ist dieses Projekt eine Extremerfahrung: „Ich bin seit 1994 an diesem Theater“, sagt Gerlach, „ich habe so etwas noch nie erlebt.“

Info Premiere Do 20 Uhr, weitere Termine Fr 19.30 Uhr, So 18 Uhr; mehr auf www.hansottotheater.de

Von Volker Oelschläger

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