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Potsdam Bürger sind zornig über Umsteigezwang
Lokales Potsdam Bürger sind zornig über Umsteigezwang
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21:48 28.02.2018
Das Umsteigen zwischen Bus und Tram an der Endhaltestelle Jungfernsee klappt manchmal nicht. Selbst wenn Busse und/oder Bahnen dort stehen, müssen Kunden zuweilen draußen warten. Quelle: Rainer Schüler
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Groß Glienicke

Die Proteste gegen den Umsteigezwang zwischen Bus und Tram am Straßenbahn-Endpunkt Jungfernsee reißen nicht ab. Im Gegenteil: Zu einer Anhörung des Ortsbeirates am Dienstagabend in der Pestalozza-Schule kamen rund 150 mehrheitlich erboste Groß Glienicker, die die Wiederherstellung der früheren Bus-Direktverbindungen aus dem Umland zum Hauptbahnhof in Potsdam verlangten, um lange Wartezeiten bei Wind und Wetter und Fahrzeiten zu vermeiden, die angeblich bis zu 70 Minuten länger sind als bislang.

Verkehrsbetrieb ändert nichts am Fahrplan, weil der gut ist

Das konnte Oliver Glaser als Geschäftsführer des Verkehrsbetriebs in Potsdam (Vip) aber nicht versprechen. Er stellte vor allem die wirtschaftlichen und Umwelt-Zwänge zum Bau der neuen und Strecke heraus, deren 1100 Meter von der Viereckremise im Bornstedter Feld zur Wendeschleife am Plattner-Campus Jungfernsee rund 7,5 Millionen Euro gekostet hat und staufrei weit mehr Kunden bewältigt als der staugeplagte Busverkehr.

Gartensparte "Klein Sanssouci", Lennéstraße: Diese Stromverteilerkästen wurden durch die Kleingärtner bezahlt. Der Grundstückseigentümer kappte die Leitungen auf die Parzellen und baute Steckdosen an. Quelle: Rainer Schüler

Mit Eröffnung der ersten Tramstreckenerweiterung seit 15 Jahren Anfang Dezember 2018 wurden die früher direkt zum Hauptbahnhof geführten Buslinien 609 (Paaren / Hauptbahnhof) und 638 (Berlin-Spandau / Hauptbahnhof) an der Wendeschleife gekappt, wo man mehr oder minder pünktlich in die Tram umsteigen muss und umgekehrt. Nur der 604er von Havelbus (Falkensee / Potsdam-Hauptbahnhof) fährt durch.

Abfahrt- und Ankunftszeiten stimmen nicht immer

Zwar hatte der Verkehrsbetrieb sich bemüht, Bahnen und Busse gut aufeinander abzustimmen, doch am Endpunkt passen die Ankunfts- und Abfahrzeiten in der Realität zuweilen nicht zusammen. Das Umsteigen dauert laut Bürgerbeschwerden bis zu einer halben Stunde, und vor allem nachts und bei den aktuellen Frostgraden wird das zur Qual in Haltestellen, die zugig sind und zu klein, nicht regensicher, die zu wenig Sitzgelegenheiten haben und keine Anbindung an Toiletten.

Bernhard Ailinger, Gemälde Quelle: Rainer Schüler

Im morgendlichen Schülerverkehr lässt der Vip aber – das war auch so geplant – drei bestens ausgelasteten Gelenkbusse ab Berlin-Spandau zum Hauptbahnhof durchfahren, um die Straßenbahn nicht zu überlasten. Nach diesen drei „Kursen“ lohnt sich das aber nicht mehr. Und am Nachmittag fahren drei dieser Lang-Busse direkt vom Hauptbahnhof nach Spandau.

Im Schülerverkehr gibt es noch Direktbusse

Die Schulanfangszeiten sind für den Vip nämlich noch recht gut berechenbar, die Schulschlusszeiten jedoch sehr unterschiedlich. Außerhalb dieser Zeitfenster gibt es immer wieder mal Verspätungen und lange Wartezeiten. Bei jedem Wetter lassen einige Vip-Fahrer Kunden draußen warten, während sie selber Pause machen, beschwerten sich mehrere Groß Glienicker. Glaser sicherte zu, mit dem Fahrpersonal zu reden über das Einsteigen der Kunden zur Pausenzeit. „Das mit dem Tür-zu-Tür-Umstieg muss klappen!“ Auch am Wetterschutz der Haltestellen müsse man etwas tun, räumte er ein.

Neuer Faltplan und neue Aushänge klären auf

Ansonsten bleibt das Unternehmen bei seiner Einschätzung, dass die Anschlüsse von Groß Glienicke nach Potsdam zu 99 Prozent passen, weil die 96er Tram hier anfängt. Stadtauswärts nach Groß Glienicke stimmen Glaser zufolge immer noch 95 Prozent der Anschlüsse. Der Vip-Chef stellte zur Bürgerversammlung einen neuen Faltfahrplan vor, in dem alle Zeiten der Tram 96 und der Buslinien 609 und 638 sowie die Umsteigemöglichkeiten stehen. Der wird auch in den Haltestellen ausgehängt. An der 638er Haltestelle Birkenweg wird zudem demnächst ein elektronischer Anzeiger aufgestellt. In den Abendstunden wird man künftig Servicepersonal mit den 96er Bahnen mitschicken, die sich um die Fahrgäste kümmern.

Glaser entkräftete den Vorwurf, die Stadt habe die neue Bahnlinie nur für Softwareunternehmer Hasso Plattner gebaut. Die Pläne zur Erweiterung gibt es schon seit der Bundesgartenschau 2001.

Dienstagnacht an der Wendeschleife: Zwei Bahnen sind da; die Kunden warten draußen. Verkehr Quelle: Rainer Schüler

Die derzeitige Endhaltestelle ist noch gar nicht fertig gestaltet; die Park & Ride-Abstellplätze fehlen noch, und auch die landschaftliche Gestaltung besteht noch aus Sandhaufen. Wenn das alles fertig ist, wird die Wendeschleife nach Glasers Darstellung eine „ganz andere Aufenthaltsqualität“ haben, „obwohl es ja keinen Aufenthalte geben soll.“

Tatras bleiben noch auf der Strecke nach Norden

Dass auf dieser Linie auch die nicht behindertengerechten Tatra-Bahnen fahren, ist Glaser zufolge nicht zu verhindern. „Die wachsende Stadt braucht diese Züge.“ Man könne den Fahrplänen aber entnehmen, welche Bahnen nicht barrierefrei. Die Tatras bewältigen noch zehn Prozent aller Fahrten. Wenn im Mai der letzte der acht verlängerten Combinos auf die Schiene rollt, vermindert sich dieser Anteil.

Die neue Tram-Strecke

Gebaut wurden binnen eines Jahres 1125 Meter Strecke, davon 330 Meter eingleisig und 400 Meter Wendeschleife mit einem Aufstellgleis von 85 Metern Länge.

4750 Meter Schienen , 1800 Schwellen, 4 Weichen und 50 Masten mit 2500 Metern Fahrdraht wurden verbaut.

Als Umweltmaßnahme ist ein großer Teil der Strecke ein Rasengleis.

Die Tram kreuzt nahe der Viereckremise die Bundesstraße, hat dann zum Endpunkt aber wieder ein eigenes Gleis.

Die jetzt um einen guten Kilometer verlängerte Trasse wird künftig auch bis nach Krampnitz führen, sobald dort die Wohnungen wachsen. Dann ist die heutige Endhaltestelle auch nur noch ein Durchgangspunkt. Diese Strecke in den Norden ist länger und viel teurer: rund 36 Millionen standen in der ersten Baukostenschätzung. Einen Zeitplan gibt es noch nicht.

Von Rainer Schüler

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