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Bürgerclub – das kleine Parlament im Kiez

Zu Hause im... Schlaatz Bürgerclub – das kleine Parlament im Kiez

Meckern muss auch mal sein. Meckern ist nötig. Aber nur Meckern? Das hilft einem nicht weiter, meint Martina Wilczynski. Mit dem Anfang des Jahres gegründeten Bürgerclub will die SPD-Frau das Gute im Schlaatz stärken und neue Impulse geben. Doch es ist gar nicht so einfach, die Nachbarn vom Sofa zu locken.

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Martina Wilczynski und der Bürgerclub wollen die Schlaatzer vom Sofa locken und zum Mitgestalten einladen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Am Schlaatz. Als sie vor zwölf Jahren hier ankam, hat sie gefremdelt, das gibt Martina Wilczynski zu. Inzwischen habe sie den Schlaatz aber lieben gelernt. „Man muss den Schlaatz erleben“, sagt die 53-Jährige und meint all jene, die ihr Urteil über den Schlaatz aus der Ferne gefällt haben. „Man darf meckern, aber man darf nicht beim Meckern bleiben“ – das sagt sie denen, die im Schlaatz zu Hause, aber nicht zufrieden sind. „Das Meckern ist das, was die Leute lähmt.“ Und lahm, gleichgültig, untätig – wer will das schon sein? Martina Wilczynski jedenfalls nicht. Deshalb packt sie an in ihrem Kiez – und reißt andere mit. So hat sich Anfang des Jahres ein Bürgerclub für den Schlaatz gegründet. Sein Hauptquartier ist das Friedrich-Reinsch-Haus im Milanhorst, sein Einsatzgebiet das ganze Wohngebiet.

Politik über den Gartenzaun

Eine hierarchische Ordnung gibt es im Club nicht, aber Martina Wilczynski, das darf man getrost sagen, hat die Zügel in die Hand genommen. Die Sozialdemokratin, die sich in Potsdam schon in diversen Vereinen, Interessengruppen und Aktionsbündnissen engagiert hat und noch immer engagiert, will „Politik über den Gartenzaun“ machen. Aber zunächst – das weiß sie – muss sie ihre Nachbarn vom Sofa locken. „Die Leute hier sind gesprächsbereit – manch einer braucht aber eine Initialzündung“, sagt Martina Wilczynski, die bis zum Sendeschluss als Reporterin für das Kiez-Radio „Schlaatz FM unterwegs war. Ganz bewusst habe man dem Club nicht den Stempel Bürgerinitiative aufgedrückt: „Wir wollten die Hemmschwelle, bei uns mal vorbeizuschauen, so niedrig wie möglich halten.“ Informationen weitergeben, über aktuelle Belange und Probleme sprechen – das geht im Bürgerclub. „Wir sind so eine Art Stammtisch – aber wir reden nicht nur untereinander, wir wollen Dinge, die passieren müssen, anstoßen.“

Mike Schubert ist zur nächsten Sitzung eingeladen

Das kommt offenbar gut an. 15 bis 20 Mitstreiter finden sich einmal im Montag am Samstag im Friedrich-Reinsch-Haus zusammen. In angenehmer Atmosphäre – darauf legt Martina Wilczynksi Wert – kommt jeder zu Wort. Es gibt Schmalzstullen, Kuchen und Kaffee. „Und immer ist ein Vertreter aus der Politik, aus der Wohnungswirtschaft, aus dem Quartiersmanagement oder dem gesellschaftlichen Leben als Gast eingeladen.“ So haben bereits die Stadtverordneten Sascha Krämer (Linke) und Marcel Piest (SPD), aber auch Pro-Potsdam-Geschäftsführer Jörn-Michael Westphal und Pro-Potsdam-Sozialmanager Daniel Beermann dem Club Rede und Antwort gestanden. Der nächste Treff im Bürgerclub ist für den 26. November, 10 bis 12 Uhr, geplant. Dafür hat Martina Wilczynski Potsdams neuen Sozialbeigeordneten Mike Schubert (SPD) eingeladen. Gerade sammelt sie bei den Akteuren und Bürgern im Kiez Fragen für Schubert ein.

Info-Tafeln für den Schlaatz

Ein großes Anliegen ist dem Club, das Friedrich-Reinsch-Haus zu erhalten. „Wenn es wegbricht, bricht auch der Schlaatz weg“, sagt Martina Wilczynski. Das Haus sei eben mehr als ein Treffpunkt der Generationen und Kulturen, es sei ein Ort der Wärme und des Zusammenhalts. Ein weiterer Wunsch, für den sich der Club einsetzt: Zwei Schaukästen für den Markt- und für den Magnus-Zeller-Platz. „Darüber wird in den verschiedenen Einrichtungen und Vereine schon länger gesprochen.“ An den Info-Tafeln sollen die Schlaatzer erfahren, was alles so los ist in ihrem Kiez und welche Angebote die verschiedenen Anlaufstellen wie das Friedrich-Reinsch-Haus im Milanhorst, das Bürgerhaus und das EJF-Familienzentrum im Bisamkiez machen.

„Es muss uns doch gelingen, aus dem Positiven, das im Schlaatz vorhanden ist, mehr zu machen!“, sagt Martina Wilczynski. „Sicher, das braucht Kampfgeist und einen langen Atem. Aber hier ist noch so viel zu gestalten – wenn man uns lässt, haben wir hier ewig zu tun. Wir können mit dem Bürgerclub eine völlig neue Art der Beteiligung kreieren.“

Hauptquartier im Friedrich-Reinsch-Haus

Das Haus der Generationen und Kulturen im Milanhorst 9 wurde im November 2012 in Friedrich-Reinsch-Haus umbenannt – eine Ehrerbietung an Friedrich Reinsch, den im Dezember 2011 mit 67 Jahren unerwartet verstorbenen Gründer und langjährigen Leiter des Hauses.

Auf dem Programm stehen dort als nächstes am 12. November, 15 Uhr, der Familienfilmnachmittag „Abenteuer in der Stadt“, am 17. November, 17 Uhr, „Wissen und Genießen meets Vorlesetag“ und am 19. November, 18 Uhr, die Theateraufführung „Keine Leute, keine Leute“ der Potsdamer Theaterschatulle.

Der Bürgerclub hat sich dem Credo Friedrich Reinschs verschrieben und möchte auf die Menschen zugehen, immer wieder das Gespräch und den Dialog suchen, ein Ansprechpartner für die Bewohner und ihre Probleme sein. nf

Von Nadine Fabian

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