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Potsdam Bürgerdialog zur Garnisonkirche ausgesetzt
Lokales Potsdam Bürgerdialog zur Garnisonkirche ausgesetzt
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00:21 28.05.2015
Sprengung des Garnisonkirchturms 1968 in einer Filmsequenz.  Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

 Der Auftakt zum Bürgerdialog über das Garnisonkirchkarree soll erst nach den Sommerferien stattfinden. Das teilte die Sprecherin der städtischen Bauholding Pro Potsdam, Anna Winkler, auf Anfrage mit. Ursprünglich sollte der Auftakt in der vergangenen Woche stattfinden. Begründet wurde die Terminverschiebung mit einer „Fortsetzung der Vorgespräche“.

Nach dem ersten Zeitplan, der in einer ersten öffentlichen Verständigung am 29. April bekannt gegeben wurde, sollten vom 4. bis 15. Mai in jeweils 60-minütigen Einzelgesprächen mit Vertretern der Interessengruppen Ziele und Inhalt des Dialogs austariert werden. Der öffentliche Auftakt war zum 20. Mai angekündigt.

Laut Winkler wurden durch die mit der Moderation beauftragte Complan Kommunalberatung bisher zwölf dieser Einzelgespräche geführt, weitere seien vereinbart. Erst nach dem Abschluss und der „umfassenden Bewertung“ aller Vorgespräche könne die „weitere Planung festgelegt“ werden.

„Wichtiger Hintergrund“ des Bürgerdialogs ist laut Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) das mit mehr als 14 000 Stimmen erfolgreiche Bürgerbegehren gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche. Die Themensetzung für den Bürgerdialog wurde von Complan und ihrem Auftraggeber, dem Sanierungsträger der Pro Potsdam, jedoch deutlich weiter gefasst.

Wie berichtet, soll nach dem Ende April vorgestellten Grobkonzept beim Bürgerdialog neben der Garnisonkirche und dem um 1970 errichteten Rechenzentrum auch über die Zukunft der Plantage, des Stadtkanals und des Platzes diskutiert werden, der früher die Garnisonkirche säumte. Peter Leinemann, Vorstand der Garnisonkirchstiftung, regte an, auch die alte Feuerwache in die Diskussion „hineinzunehmen“.

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Diese spektakulären Fotos der Garnisonkirche nach der Kriegszerstörung stammen von Pfarrer Dietmar Saretz

Die Themenvielfalt sorgt allerdings für erste Kritik. Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg verweist auf den im März verabschiedeten Stadtverordnetenbeschluss, mit dem der Oberbürgermeister „beauftragt“ wurde, „zur weiteren Entwicklung des Standortes Garnisonkirche/Rechenzentrum noch im ersten Habjahr 2015 einen Bürgerdialog einzuleiten“. Jakobs sei „in seinem Vorgehen nicht frei“, so Scharfenberg: „Der Beschluss besagt klar, dass sich der Bürgerdialog auf die genannten Punkte beschränken sollte und wir nicht alle Zeit dieser Welt haben.“

Eine andere Ansicht vertritt die CDU. „Garnisonkirche Ja oder Nein ist nicht die Frage, auf die sich der Bürgerdialog reduzieren darf“, so Fraktionschef Matthias Finken. Die Gestaltung des Stadtraums „westlich des Langen Stalls“ als „Gesamtziel tritt viel zu sehr in den Hintergrund“.

Noch ist offen, ob die Garnisonkirche selbst überhaupt Dialogthema wird. Die Stiftung lehnt eine Diskussion über den Turm ab und verweist dabei auf Baugenehmigung und Besitzverhältnisse. Rathaussprecher Jan Brunzlow bestätigte jedoch den Einwand von Kritikern, die auf Fristen verweisen: Die Baugenehmigung ist laut Brunzlow bis Juli 2019 gültig. Eine Verlängerung sei „nicht zulässig“.

Das komplette Baugrundstück fiele nach einer früheren Mitteilung des Rathauses an die Stadt zurück, „wenn bis zum 31. Dezember 2030 nicht wesentliche Teile der Garnisonkirche wieder errichtet und die Finanzierung des Wiederaufbaus zu diesem Zeitpunkt nicht konkret absehbar“ sei.

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Eine Kirche mit bewegter Vergangenheit: Historische Ansicht der Garnisonskirche und Breiten Brücke mit Blick auf das Stadtschloss, um 1827.

Die Kosten des Bürgerdialogs konnte Winkler noch nicht beziffern. Sie verwies darauf, dass sich das Verfahren noch ganz am Anfang befinde. Sicher werde es aber deutlich weniger kosten als das Werkstattverfahren zur Gestaltung des Lustgartens, für das mehr als 500 000 Euro zur Verfügung gestellt wurden.

Von Volker Oelschläger

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