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Potsdam Bürgerforum zum wachsenden Norden
Lokales Potsdam Bürgerforum zum wachsenden Norden
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15:40 17.04.2018
Einen Stadtteilplan auf Planen gedruckt hat man für das Verkehrsforum Nord am 21.April Quelle: Urbanizers
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Marquardt

„Umweltverträglich und nutzerfreundlich vom Norden in die Innenstadt und zurück: Wie kann das gelingen?“ Das will das nunmehr zweite Verkehrsforum der Stadt am kommenden Samstag mit Hilfe der Bürger ergründen. Bedürfnisse, Ideen und Maßnahmen für eine nachhaltige Mobilität entlang der beiden Verkehrskorridore B2 und B273 sollen gesammelt und geprüft werden. Bau-und Verkehrsdezernent Bernd Rubelt (parteilos) und Verkehrsentwicklungschef Norman Niehoff bringen Experten vom Deutschen Bahnkundenverband (DBV), dem ADAC Berlin-Brandenburg, der Fachhochschule Potsdam, dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) sowie dem Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) mit zusammensetzt.

In den vergangenen Jahren ist Potsdam im Norden stark gewachsen; dort liegt auch der Schwerpunkt bei der Ausdehnung der Siedlungsräume. Der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und des Radverkehrs müsse mit den Veränderungen Schritt halten, erklärte die Stadt gestern. Von Verbesserungen im Autoverkehr ist in dem Zusammenhang keine Rede.

In den Augen des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) ist das zu eng gefasst. Bei rund 7000 neuen Bewohnern im künftigen Stadtteil Krampnitz müsse man anerkennen, dass fast alle ein eigenes Auto haben und auch nutzen wollen, sagte der Verkehrs-Chef für Berlin-Brandenburg, Jörg Becker. In Krampnitz dürften sich auch viele Menschen ansiedeln, die nach Berlin zur Arbeit pendeln müssen und dies entweder im Norden über Spandau oder aus der Potsdamer Mitte heraus tun: vom Hauptbahnhof aus. Da müssen sie aber erstmal hin.

Hubert Lakenbrink vor dem Siegerentwurf für Krampnitz Quelle: Ildiko Röd

Wenn diese Pendler davon abgehalten werden sollen, mit dem Auto in die Stadt zu fahren, müsse es gute Alternativen im öffentlichen Nahverkehr und gute Radwege geben, mahnte Becker. Wer seinen Wagen an einem P-R-Parkplatz stehen lassen solle, sollte dort die Möglichkeit haben, „auf dem Weg“ Alltagsbesorgungen zu erledigen; der ADAC-Mann denkt da an Post- und Bank-Dienstleistungen und Einkaufsmöglichkeiten. Deren Erfolg hängt nach Einschätzung Rubelts aber von der verfügbaren Kundenzahl und damit von Zahl der Parkplätze ab. Beim Ausbau des Bahnhofs Marquardt zu nördlichen Drehscheibe etwa plant die Stadt nur rund 100 Pendlerparkplätze ein, bei Bedarf erweiterbar durch Flächenankäufe, aber viel zu wenig für Beckers Ideen, wahrscheinlich auch zu wenig, um Pendlerströme wirklich aufzufangen.

Ebenfalls in den 2020er Jahren soll Satzkorn radtechnisch an Marquardt angeschlossen werden. Das Land will den Regionalbahnverkehr verbessern und plant eine West-Tangente von Potsdam über Marquardt und Spandau nach Berlin-Gesundbrunnen ab 2022. Die Fahrtakte sollen nach Auskunft des Potsdamer Verkehrsplanungschefs Niehoff „mindestens halbstündlich“ sein.

Der Bahnhof Marquardt ist bloß ein Haltepunkt mit offenen Bahnsteigen und einer steilen, ungeschützten Fußgängerbrücke über die Gleise. Quelle: Christel Köster

Derzeit sei Marquardt nur ein Haltepunkt mit ungeschützten Bahnsteigen und einer schwer passierbaren Brücke als Gleisüberquerung. Das müsse komplett barrierefrei und wetterfest werden, sagte er. Wann der Bahnhof selbst durch die Bahn entsprechend umgebaut wird, wisse die Stadt nicht.

Die Stadt setzt im Norden stark auf den Radverkehr, der allerdings wetteranfällig und schwankend ist. Statt der üblichen Zwei-Richtungs-Radwege von 2,50 Metern Breite soll es längerfristig Radschnellwege geben, bei denen jede Spur drei Meter hat, um auch mit Lastenrädern unterwegs sein und andere gefahrlos überholen zu können. Das Land plant solche Schnellwege parallel der Bundesstraßen erst ab 2025; die Stadt will das schon Anfang der 2020er Jahre umgesetzt haben und würde sich dafür mit dem Land die Planungsleistungen teilen.

Krampnitz soll laut Rubelt so entwickelt werden, dass viele private Autofahrten wie zur Kita, zur Schule, zum Arzt oder zum Supermarkt überflüssig werden. Da seien Drewitz und der Schlaatz Vorbilder. „Die Mehrbelastung durch neue Autos muss minimiert werden durch einen besseren Nahverkehr“, fordert Becker. „Wir wollen ja die Menschen im Norden nicht vor der scheinbar glücklichen Stadt stehen lassen“, stimmt Rubelt zu.

Das bewährte Format des gut besuchten 1. Verkehrsforums zum öffentlichen Nahverkehr wird wieder aufgegriffen: die Veranstaltung beginnt mit einem Input-Teil, der der Information der Teilnehmenden dient. FH-Professor Michael Ortgiese stellt am Beispiel der Hansestadt Rostock vor, wie dort mit dem Pendlerverkehr umgegangen wird. Erfahrungen und Ideen, wie Straßenkorridore nutzerfreundlich gestaltet werden können, vermittelt Stefanie Bremer von der Universität Kassel.

In dem darauffolgenden Workshop-Teil werden in Kleingruppen gemeinsam Ideen zur Gestaltung von Mobilitäts- und Gestaltungsangeboten entlang der beiden Korridore erarbeitet. Dazu liegen Bauplanen mit aufgedruckten Stadtteilplänen auf dem Boden, auf denen man die Verkehrsströme darstellen kann, wie sie derzeit laufen und künftig laufen könnten.

Abschließend wird eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der Landehauptstadt Potsdam und des Begleitkreises die Ergebnisse der Arbeitsgruppen zusammenfassen und reflektieren.

Die Veranstaltung findet am Samstag, 21. April, von 15 bis 18.30 Uhr in der Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule, Esplanade 3, Bornstedter Feld, statt. Weitere Informationen unter sind online zu finden unter www.potsdam.de/verkehrsforum-potsdam.de.

Von Rainer Schüler

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