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Bürgerhaus am Schlaatz feiert 30-Jähriges

Vom FDJ-Jugendhaus zum Multikulti-Treff Bürgerhaus am Schlaatz feiert 30-Jähriges

Einst war der Jugendklub „Alpha“ am Schlaatz die größte FDJ-Jugendeinrichtung in Potsdam. Nach der Wende wurde es kurzzeitig Eng für die Begegnungsstätte, die mit Hilfe der Anwohner zu einem Bürgerhaus umgestaltet wurde. Am Donnerstag feiert das geschichtsträchtige Haus 30-jähriges Bestehen.

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Am 9. November 1983 war Grundsteinlegung für das Jugendfreizeitzentrum Alpha. Eröffnet wurde das Haus 1986.

Quelle: Foto: Stadtarchiv

Schlaatz. Beim Öffnen der Glastür weht dem Besucher schon am Vormittag ein Geruch nach Menthol und Minze entgegen. Eine Bowlingkugel holpert laut vernehmlich über eine Bahn. In der Eingangshalle ist eine junge Frau mit Kopftuch auf der Suche nach einem Ansprechpartner, während die Senioren im Nebenraum englische Konversation betreiben. Das Bürgerhaus am Schlaatz empfängt seine Gäste mit einem Konglomerat an Eindrücken. Das bunte Leben am Schlaatz, dem Potsdamer Stadtteil mit Bewohnern aus rund 90 Nationen, findet sich im Schilfhof 28 unter einem Dach. Am Donnerstag feiert das Haus seinen 30. Geburtstag.

Die Sauna mit ihrem markanten Duft und die Bowlingbahn eines privaten Betreibers sind mit in dem roten Gebäude untergebracht. Das Herz des sozio-kulturellen Bürgerhauses in Trägerschaft der Gesellschaft für Kultur, Begegnung und soziale Arbeit Potsdam (Kubus) sind aber die zahlreichen Angebote für Anwohner jeden Alters. „Das ist eine skurrile, verrückte, bunte Mischung hier“, sagt der pädagogische Leiter Steffen Heise (38). „Im Erdgeschoss eine Fortbildung für Anzugträger mit Namensschild, im Obergeschoss Senioren, die mit Pezzibällen turnen, dazwischen Kinder mit schmutzigen Händen aus dem Töpferkurs“, beschreibt er das Leben im größten Potsdamer Bürgerhaus. Seit 2001 arbeite er in der Begegnungsstätte, anfangs als Sozialarbeiter im Jugendclub „Alpha“, der noch heute wichtiger Bestandteil des Hauses ist. „Es gibt einen Stamm von Alteingesessenen, die ins Bürgerhaus kommen“, erzählt er. „Viele Schlaatzer sind hier sozialisiert worden und erinnern sich gut an die Disco über drei Etagen und den Basketballkorb mitten im Haus“, sagt er. Denn ursprünglich war das Haus auf die Zielgruppe der Jugendlichen ausgerichtet – als größte FDJ-Jugendeinrichtung in Potsdam.

Kubus-Geschäftsführerin Claudia Fischer und Hausleiter Steffen Heise

Kubus-Geschäftsführerin Claudia Fischer und Hausleiter Steffen Heise.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Zusammen mit dem Wohngebiet wurde das Haus Mitte der 1980er-Jahre gebaut. Am 9. November 1983 war Grundsteinlegung für die FDJ-Jugendeinrichtung. 1986 nahmen die Jugendlichen ihren „Klub Alpha“ in Beschlag. Nach der Wende ging das Konzept nicht mehr auf. Dem Alpha-Klub drohte die Kündigung, die Finanzierung war nicht gesichert. Unter Einbeziehung der Nachbarn wurde das Haus Mitte der 1990er-Jahre für alle Generationen geöffnet und zum Bürgerhaus weiterentwickelt. Vor 16 Jahren schließlich wurde das Gebäude mit Mitteln der Stadt umfangreich saniert und umgebaut und steht seitdem als großes rotes Haus am Rande des Schlaatzer Zentrums als Treffpunkt für alle offen. „Eine offene Tür zu haben ist für uns eine Selbstverständlichkeit“, sagt Claudia Fischer, seit knapp einem Jahr neue Kubus-Geschäftsführerin. Für tatsächliche Integrationsarbeit mit Flüchtlingen fehle aber das Personal. Dennoch: Das Haus, das sich zu 80 Prozent über städtische Zuschüsse finanziert, wird von den unterschiedlichsten Gruppen gut angenommen. Die afrikanische, die vietnamesische und die russische Community nutzen das Haus regelmäßig für Treffen, sagt Steffen Heise.

Das Verschwinden von Elias hat den Schlaatz geprägt

Zu einer Institution geworden ist mittlerweile die Ferienaktion „Stadt der Kinder“. In den Sommerferien lassen junge Potsdamer ihre Traumstadt Wirklichkeit werden. Grundschüler dürfen zwei Wochen lang an ihren selbst erdachten Holzhäusern bauen. „Der Schlaatz ist insgesamt toll für Kinder“, meint Heise. „Spielplätze, Bolzplätze, viel Grün.“ Umso erschütternder das Verschwinden des sechsjährigen Elias im Juli 2015. Vor dem Bürgerhaus haben sich die Freiwilligen versammelt, die nach dem vermissten Jungen aus dem Schlaatz suchten. Eine große Herausforderung sei die Zeit gewesen, sagt Steffen Heise. Sowohl mental aus auch logistisch. „Über Nacht standen auf einmal regelmäßig 120 Leute vor unserer Tür“, sagt er. Als klar war, dass Elias einem Verbrechen zum Opfer fiel, wurde das Bürgerhaus zum Ort der Trauer. Anwohner legten Kerzen und Blumen auf den Stufen nieder, die offizielle Gedenkfeier der Stadt fand vor dem Haus statt, drinnen lag das Kondolenzbuch aus.

Das Drama um Elias hat den Schlaatz für einige Zeit in den Fokus gerückt. Eines ist Claudia Fischer wichtig zu betonen: „Der Schlaatz ist viel besser als sein Ruf“, sagt sie. Dem Plattenbaugebiet ein positives Image zu geben über die Stadtteilgrenzen hinaus – auch das sei Aufgabe des Bürgerhauses. Sie selbst wohnt in Berlin-Friedrichshain, aber: „Ich komme immer gerne hierher“, betont die 41-Jährige.

Ausstellung zur Geschichte

Am Donnerstag um 17 Uhr wird das Jubiläum mit einem Empfang gefeiert. Zu den rund 80 Gästen gehören unter anderem Gründungsgeschäftsführer Manfred Ritzau, Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und ehemalige Mitarbeiter. Das Kindermusiktheater Buntspecht und die Breakdancer des Jugendclus „Alpha“ bestreiten das Programm.

Zudem wird eine Ausstellung zur Geschichte des Hauses eröffnet. Die Schau ist bis 28. Oktober während der Bürgerhaus-Öffnungszeiten (Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr) zu sehen.

Von Marion Kaufmann

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