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Potsdam Bürgerpark statt Straßenschlucht
Lokales Potsdam Bürgerpark statt Straßenschlucht
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00:22 06.07.2018
Gartenstadt Drewitz: Vanessa (l.) und Jenny genießen den Wasserspielplatz des Konrad-Wolf-Parks. Quelle: Christel Köster (Archiv)
Drewitz

Mit einem Fest wird am 8. Juli auf dem Alten Markt der 1025. Jahrestag Potsdams gefeiert. Die MAZ blickt aus diesem Anlass in einer Serie auf das jüngste Vierteljahrhundert zurück. Pro Jahr wird an ein Ereignis erinnert.

Mit einem Fest wird am 8.Juli auf dem Alten Markt der 1025. Jahrestag Potsdams gefeiert. Die MAZ blickt aus diesem Anlass in einer Serie auf das jüngste Vierteljahrhundert zurück. Pro Jahr wird an ein Ereignis erinnert.

Dass aus diesem uniformen Neubaukiez mit Billigwohnungen und allzuvielen hoffnungslosen Mietern mal ein Vorzeigestadtteil mit Entwicklungspotenzialen werden würde, hätte in den 1990er Jahren kaum einer gedacht. Die eigentlich noch jungen Plattenbauten vom Ende der 80er mit ihren recht einheitlichen Wohnungsgrößen verfielen, und mit Eröffnung des Stern-Centers im Oktober 1996 setzte auch das Ladensterben auf der „Rolle“ an der Konrad-Wolf-Allee ein.

Allee war nur eine Durchfahrtstraße

Die Magistrale war im Grunde nur noch die schnelle Einfahrt in den Schlafstadtteil, den man am besten schnell wieder verließ, eine Abkürzung. Dass sie so breit ist, liegt an den verworfenen Plänen für Drewitz II, für das sie die direkte Erschließung sein sollte. Doch dann kam das bunte Architekten-Ensemble des Kirchsteigfeldes schräg gegenüber, das seitlich über die Straße zum Kirchsteigfeld angebunden wurde - die „schöne neue Welt“ als Gegenentwurf für die alte in Drewitz. Aber hier gab es 3000 Wohnungen; hier lebten 5800 Menschen. Wollte man den Stadtteil und seine Bürger nicht aufgeben, musste man was unternehmen.

„Wir hatten nicht viel Zeit“, erinnert sich Jörn-Michael Westphal, Geschäftsführer der Pro Potsdam, die im Kiez 1650 Wohnungen verwaltet, und saniert, so saniert, dass man den immer noch soliden Plattenbau unter der neuen Fassade nicht mehr erkennt. Man wollte sich 2009 schnell noch an einem Förderprogramm des Bundes zur Umgestaltung von Großwohngebieten beteiligen, griff eine Gartenstadtidee von 2003 auf, beauftragte die Ideengeber um Landschaftsarchitektin Pia von Zadow und stellte ein buchdickes Programm zusammen, das per Silbermedaille „zur Umsetzung“ empfohlen wurde.

Bürgerbeteiligung war Pflicht

Schon im Oktober begann ein Beteiligungsmarathon, denn ohne die Bewohner wollte niemand bei den verschiedenen Wohnungsunternehmen im Kiez etwas entscheiden. Energetisch sanieren, soziale Mieten sichern, Straßenschluchten zum Park umbauen und dabei immer die Bürger nach ihrer Meinung fragen – so sollte es laufen. Workshops folgten, zunächst einer zum Projekt der „Stadtteilschule“, die mehr sein sollte als Schule, nämlich ein Begegnungszentrum. „Das war totales Neuland“ sagt Westphal: „Aber inzwischen sieht man, dass es funktioniert.“

Gartenstadt im Januar 2010 beschlossen

Am 27. Januar 2010 wurde das Gartenstadt-Projekt durch die Stadtverordneten beschlossen, 2011 folgte ein Masterplan-Verfahren, das das Erscheinungsbild des Stadtteils komplett ändern sollte. Die Konrad-Wolf-Allee ist inzwischen eine vielfältig bunte Häuserdoppelzeile geworden, in deren Mitte eine begrünte Flaniermeile mit Kletter- und Spielobjekten liegt: Das so genannte „Grüne Kreuz“ in der Mitte dieses Konrad-Wolf-Parkes ist vor allem wegen der Fontäne und des Wasserspielplatzes beliebt; ein „Café im Park“ kommt bald hinzu, zweistöckig sogar und rund 100 Quadratmeter groß. Einstöckig war es mal gedacht und ein Drittel kleiner; das Deutsche Rote Kreuz wird es betreiben.

Nur noch halb so viel Energie nötig

Die Häuser werden so saniert, dass sie noch die Hälfte der Energie von früher brauchen; „grüne Wärme“ und „grünen“ Überschuss-Strom bezieht man von der EWP. Wohnungen werden kleiner und größer zugeschnitten und bedarfsgerechter; die Fassaden wirken wie eine Musterausstellung von Architekten. Alles spannend, alles schön, alles vorzeigbar. Sogar das Verkehrskonzept, die Verkehrsberuhigung, die Neuordnung des Parkraums.

Aber das umzusetzen, war harte Überzeugungsarbeit. Immerhin wurde die Konrad-Wolf-Allee faktisch vom Straßennetz genommen. Nur die Tram fuhr weiter wie bisher; die Durchgangsverkehre drängten sich auf die früheren Parkstreifen vor den beiden Häuserzeilen, wo wohnungsnahe Stellplätze verloren gingen. Das sorgte für wütende Proteste bei den Bewohnern und deshalb für Widerstand gegen das Gesamtprojekt, zeitweise.

Verkehrsneuordnung sorgte für Proteste

„Aber es war ja nicht an allen Ecken voll“, sagt Westphal: „Die gewählte Bürgervertretung ermittelte die genauen Bedarfe. Ganz oben auf die Liste schaffte es, wer ganz lange im Kiez wohnte, mobilitätsbeschränkt war, Kinder hatte. Diese Menschen bekamen Parkplätze am Haus.“ Wer die Kriterien der Vorzugsbehandlung weniger oder gar nicht erfüllte, musste weiter weg parken. Es gibt Anwohnerbereiche und welche, die frei sind für jeden. Um Parkplätze verzichtbar zu machen, vermietet die Pro Ein- und Zwei-Raum-Wohnungen inklusive eines Jahrestickets für den öffentlichen Nahverkehr. „Da verzichten tatsächlich etliche aufs Auto“, berichtet Westphal. Auch Car-Sharing wollte man etablieren; das Interesse war verschwindend klein.

Ein Drittel mehr Grün ist schon entstanden

Das Projekt Gartenstadt und die damit verbundene energetische Stadterneuerung der Siedlung ist bisher einmalig in Brandenburg und stößt deutschlandweit wie international auf Interesse; bis nach China drang die Kunde. 2014 bekam das Projekt den kommunalen Klimaschutzpreis für die energetische Gebäudesanierung, die Reduzierung des Verkehrs und die deutliche Vergrößerung der Grünflächen –ein Drittel mehr ist es geworden. In die ausgebaute Stadtteilschule ist das Begegnungszentrum „oskar“ eingezogen.

„Früher hatten die Leute an der Konrad-Wolf-Allee gar keinen Grund, ihre Häuser zu verlassen“, sagt Landschaftsplanerin Pia von Zadow, von der die Idee der Allee-Neugestaltung stammt: „Sie traten auf Gehwege, die viel zu schmal waren für die Begegnung der Bewohner und trafen auf eine viel zu breite Straße. Es gab faktisch keine Naherholungsmöglichkeit im Kiez. Die Fahrbahn war das einzige Gelände, das man begrünen konnte.“ Dafür warb sie schon Jahre vor dem Bundeswettbewerb, davon überzeugte sie schließlich die Pro Potsdam, die Genossenschaften, die Stadt, die Ladeninhaber, die Manager des Havel-Nuthe- und des Stern-Centers, die Betreiber der sozialen Einrichtungen, die Bewohner. „An die 80 Gespräche haben wir geführt“, berichtet die Architektin, die nach guten Erfahrungen in Berlin nun auch in Potsdam darauf beharrte, die Menschen zu beteiligen. „Vertrauen schaffen“ ist ihr Credo.

Gute Voraussetzungen für Umgestaltung

Die Voraussetzungen der Flächenneuordnung waren „überraschend gut“, sagt von Zadow: „Der Autobesatz lag mit 0,6 Fahrzeugen pro Haushalt sehr niedrig, denn hier wohnten viele Singles, Alleinerziehende und Menschen mit geringen Einkommen. Die konnten sich kein Auto leisten.“

Die öffentlichen Innenhöfe waren ein Problem. Umschlossen von Wohnblocks verschiedener Vermieter, litten sie unter akutem Pflegemangel, keiner fühlte sich verantwortlich. Stück um Stück macht man sie nun zu „teilprivaten“ Grünflächen, stellt Zäune mit Toren auf, die unverschlossen bleiben. Die Jedermann-Nutzung geht zurück; der Pflegezustand bessert sich. Es wird noch Jahre dauern, die Höfe wieder zu Oasen der Erholung zu machen. Die Gebäudesanierungen laufen noch bis 2018.

Neue Mitte für das neue Drewitz gefunden

Der Kiez hat eine neue Mitte: den Park für Jung und alt. Wenn die Kinder aus der Priesterwegschule kommen, treffen sie an ihrem Ende auf den Kletterfelsen, den die Bürger sich gewünscht hatten. Am anderen Ende lassen sich die Bewohner des Altenheimes nieder, und in der Mitte begegnen sich die Generationen am Wasserspielplatz – darauf hatten die Anwohner bestanden. Die Rasenflächen sind Liegewiesen; Beton-Kissen laden zum Sitzen und Liegen ein. Der Wasserplatz sollte ursprünglich mal aus biologisch geklärtem Abwasser des Stadtteils gespeist werden, doch hätte das den Kostenrahmen gesprengt.

Der Konrad-Wolf-Park in der Konrad-Wolf-Allee Quelle: Claudia Jonov

Der Park ist behindertengerecht; man sieht es an den vielen Nutzern mit Rollatoren und Rollstühlen. „Wir wollten den verschiedenen Gruppen von Behinderten gerecht werden“, erzählt von Zadow: „Die haben ganz unterschiedliche Anforderungen.“ Für die Mobilitätsbeschränkten alle Bordsteine auf Straßenhöhe abzusenken, war schlecht für die Sehschwachen und Blinden, die mit dem Stock anstoßen wollen an Kanten, um sich zu orientieren. Jetzt gibt es abgesenkte Kanten und drei Zentimeter hohe Borde.

Von Rainer Schüler

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