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Potsdam Das macht die Bundeswehr in der Döberitzer Heide
Lokales Potsdam Das macht die Bundeswehr in der Döberitzer Heide
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01:15 15.12.2018
Hier wird geschossen. Ein Bundeswehrsoldat auf dem Standortübungsplatz Döberitzer Heide Quelle: Foto: Jan Russezki
Elstal

Wenn es in der Döberitzer Heide knallt, spitzen die Krampnitzer die Ohren. Sie trennen nur zwei Kilometer Luftlinie von dem Schießplatz im militärischen Sperrgebiet der Bundeswehr. Der fehlende Schallschutzwald erregt hier Aufmerksamkeit. Erreicht man die Grenze des 550 Hektar großen Truppenübungsplatzes, warnen alle 50 Meter Schilder vor scharfen Schüssen. Es braucht nicht mehr, als etwas Neugier und viel Mut, um die Grenze zu überschreiten. Einen Zaun gibt es nämlich nicht. Die Neugierigen will die Bundeswehr mit einer neuen Offensive locken.

In der Döberitzer Heide ist es still. Bis ein grüner Bundeswehr-Transporter angerast kommt. Schotter staubt, Türen knallen. Wenn es mit 80 Sachen über unbefestigte Straßen geht und die Kabel der riesigen Funkgeräte synchron zum Auf und Ab der Köpfe der Passagiere wanken, dann lädt der Brigadegeneral Andreas Henne zur Lagebesprechung. Die Gewehrhalterungen im Auto sind leer – es scheint friedlich.

„Wir haben ein Problem.“

„Wir haben ein Pilzsammler-Problem“, sagt der Brigadegeneral Henne. Er trägt ein Barett mit einem metallenen Panzer-Emblem. Eigentlich geht es um viel mehr, als nur um Pilzsammler. Jede Woche sind etwa 20 Menschen aus verschiedensten Gründen illegal im militärischen Sperrgebiet. „Wir wollen unseren Soldaten das Schießen und Üben ermöglichen. Aber es geht auch um aktiven Bevölkerungsschutz“, sagt Henne.

Döberitzer Heide Quelle: Detlev Scheerbarth

Hier trainieren jedes Jahr etwa 6000 Infanteristen, Wachsoldaten und Sanitäter den Ernstfall. Es wird geschossen, Übungsgranaten fliegen und gepanzerte, kaum hörbare Fahrzeuge düsen über Hügel. „Radler fallen den Fahrern gar nicht auf, weil die Sichtluken so klein sind. Das ist gefährlich“, sagt Hauptfeldwebel Oliver Zabel. „Wir wollen zeigen, was die Bundeswehr hier macht“, ergänzt Henne. Er will damit Transparenz schaffen und die Anwohner sensibilisieren.

Seit 1886 wird die Döberitzer Heide von Kaiser Wilhelm II. über die Wehrmacht, sowjetische Besatzer bis hin zur Bundeswehr als Übungsplatz genutzt. Im Zweiten Weltkrieg wurden hier auch überschüssige Bomben abgeworfen.

Truppenübungsplatz „Döberitzer Heide“

Die 550 Hektar der Döberitzer Heide werden seit 1896 als Truppenübungsplatz genutzt. Kaiser Wilhelm II. hat den Standort aufgebaut. Mit der Wehrmacht, der Roten Armee und der Bundeswehr blickt das Sperrgebiet auf über 100 Jahre Militärgeschichte zurück, was sich in Altlasten im Boden der Heide zeigt. Aktuell bildet die Bundeswehr jährlich 6000 Soldaten an 210 Tagen als Kraftfahrer aus und schult Diensthunde und Gefechtsszenarien. Auf einem Schießstand wird mit Übungsmunition geschossen.

Auch Zivilisten nutzen das militärische Sperrgebiet. So ist es für die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, die Ausbildung der Rettungshundestaffel Berlin und den Sportclub Charlottenburg geöffnet, der in der Döberitzer Heide jährlich einen Crosslauf veranstaltet.

Das Naturschutzgebiet erstreckt sich auf insgesamt 3400 Hektar, die vor allem die Heinz Sielmann Stiftung betreibt. Aktuell leben etwa 980 geschützte Tierarten im Naturschutzgebiet, das sich um die militärische, nicht umzäunte Sperrzone legt. In der sogenannten „Wildniszone“ leben Wisente und Przewalski-Pferde wild und vom Menschen fast ungestört. In der Umgebung wurden 55 Kilometer Radwege angelegt.

Obwohl in den letzten Jahren mehrere Tonnen alter Munition geräumt wurden, liegen noch immer Altlasten aus hundert Jahren Militärnutzung im Boden der Heide. Darunter auch Gasgranaten und Blindgänger aus zwei Weltkriegen. „Wenn große weiße Schilder die Menschen nicht vor dem Betreten des Gebietes abhalten, dann auch nicht kleine rote Schilder an den Gefahrengebieten“, sagt Zabel. Aber auch in längst geräumten Zonen wird durch Erdbewegungen immer wieder neue Munition freigelegt.

Wanderungen durch Munitionsgebiet

„Das Gebiet wird niemals geräumt sein“, sagt Andreas Burchardt vom Bundesforstbetrieb. Dafür reiche das Geld nicht. Und weil das Gebiet auch Naturschutzgebiet ist, wäre es nicht möglich, zwischen den Bäumen der Wälder mit Fahrzeugen zu räumen.

Die Bundeswehr möchte im nächsten Jahr öffentliche Herbstwanderungen anbieten, damit Neugierige über das Sperrgebiet geführt werden können und sich dann nicht mehr illegal in Gefahr bringen müssen. „Viele kommen aus Berlin und wissen gar nicht, wie gefährlich es hier ist“, sagt Zabel. „Den Anwohnern hier macht das keine Angst. Die haben schon in der DDR unter Artilleriefeuer Pilze gesammelt“, scherzt Burchardt. Das Problem sei aber nicht nur das Sammeln der Pilze im Sperrgebiet: Weggeworfenen Zigaretten können bei Dürre schnell einen Waldbrand auslösen. Acht Hektar nahe der Döberitzer Heide sind kürzlich abgebrannt.

Schallschutzwald für Krampnitz

Andreas Burchardt ist verantwortlich für das Forstrevier. Er soll nicht Besucher abhalten, sondern für neue Bewohner im Wald sorgen. Dazu muss er die Landschaft gesund halten und an die Anforderungen der Bundeswehr anpassen. Das heißt, er kümmert sich um kranke Eichen, schafft Lebensräume für Wildschweine, Hirsche, Schmetterlinge und Großkäfer. Er sorgt für Freiflächen, die Infanteristen und Sanitäter-Helikopter brauchen.

Bald wird seine Tätigkeit noch wichtiger: Burchardt soll einen neuen Schallschutzwald in Richtung Krampnitz pflanzen, wo demnächst 10 000 Menschen eine neue Heimat finden sollen. „Im Frühjahr haben wir eine Lärmemissionsmessung durchgeführt und festgestellt, dass alles im Rahmen ist“, sagt Oliver Zabel. Trotzdem gibt es die Befürchtung, dass die neuen Anwohner belästigt werden könnten. „Es gibt eine Lücke im Schallschutzwald, die wir wieder schließen wollen“, sagt Burchardt. Zusätzlich gibt es bis auf wenige Ausnahmen auch ein Nachtschießverbot. Die Schießzeiten wurden aber nicht geändert. Ob das in Zukunft reicht, bleibt fraglich.

Von Jan Russezki

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