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Bunt schlägt braun

Lautstarker Protest gegen NPD-Anhänger Bunt schlägt braun

Vielleicht wären sie gar nicht weiter aufgefallen auf dem weitläufigen Magnus-Zeller-Platz im Schlaatz, die sieben oder acht Kurzgeschorenen, die sich dort am Sonnabendmorgen an ein Spruchband und ihre selbstgemalten Protestschilder klammerten.

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Klare Verhältnisse: Die Rechten blieben in Unterzahl.

Quelle: KÖSTER

Potsdam. Vielleicht waren sie sogar dankbar für die zusätzliche Aufmerksamkeit durch das Pfeifkonzert und die Schmähgesänge von der anderen Straßenseite.

Gut 200 Demonstranten hatten sich dort versammelt, um den Rechtsextremen von der NPD nicht das Feld zu überlassen. 60 Polizeibeamte waren im Einsatz, um deren „Mahnwache“ in unmittelbarer Nähe eines Migrantenwohnheims abzusichern und die Lager zu trennen. Den demokratisch gesinnten Gegenprotest hatte das Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“ unter der Schirmherrschaft der Stadtverwaltung organisiert.

Für 9.30 Uhr hatten sich die Extremisten angekündigt. Schon eine Stunde früher waren die ersten Pazifisten und Linksautonome, Vertreter von Migrantenverbänden, Offizielle und Zivilisten am Ort – von „Potsdam bekennt Farbe“ ordentlich munitioniert mit Trillerpfeifen, bunten Tüchern und Protestplakaten. Frühlingssonne, gelöste Stimmung.

Schlagartiger Umschwung, als die Rechten schließlich auftreten. Wie auf ein Wort formieren sich die Gegendemonstranten. Chu Ebem von der Flüchtlingsorganisation „Refugees Emancipation“ gibt mit der Flüstertüte die Parolen vor: Gegen Rassismus, Nationalismus und Abschiebung. Etwa eine halbe Stunde geht das so, erste Ermüdungserscheinungen bei den Trillernden, als sich im Rücken der Rechten ein NPD-Laster mit Lautsprecheranlage aufbaut. Nun ist die Riege mit knapp 15 Leuten komplett. Quer durchs Quartier krakeelt ein schmerbäuchiger Parteisoldat seine kruden Thesen. Das Pfeifkonzert der Gegendemonstranten schwillt wieder an gegen die NPDler, die sich direkt vor den Haustüren breit gemacht haben.

„Ich finde es traurig, dass die sich hier einfach hinstellen können“, sagt einer, der ungenannt bleiben möchte. „Unmöglich, direkt vor dem Flüchtlingsheim. Die sollten mal tauschen mit den Leuten dort.“ Andere wollen sich nicht äußern. Gegen halb elf ist der Spuk in Potsdam vorbei. In Teltow treffen die Rechten auf rund 50 Menschen, die ihnen den Marsch blasen bevor sie in Beelitz ihr buntes Wunder erleben.

Auf dem Kirchplatz der Spargelstadt pflanzen Stadtverordnete, Verwaltungsmitarbeiter und Karnevalisten Frühblüher, freiwillige Feuerwehren aus den Orstteilen helfen mit großem Gerät und enthüllen das Transparent „Die Welt ist bunt! Beelitz auch!“ als die Braunen gegen 13 Uhr anrollen und sichtlich irritiert sind ob des munteren Trubels auf dem Platz. In eine Spontandemonstration mündet schnell ein Pfeif- und Trötenkonzert von rund 30 Beelitzern, die – angeführt von Bürgermeister Bernhard Knuth mit roter Trillerpfeife – das Hetzgetöse gegen Ausländer aus den Lautsprechern der rund 20 NPDler, darunter auch Frauen, übertönen. „Ihr könnt nach Hause geh’n. Wir woll’n euch nicht wiedersehen“, rufen und singen die jungen und älteren Beelitzer den ungebetenen Gästen entgegen. Die packen um 13.30 Uhr Plakate und Fahnen wieder ein und fahren ab. „Eine sehr effiziente und erfolgreiche Aktion in einer vergleichsweise kleinen Stadt“, lobt Frauke Postel vom Mobilen Beratungsteam. Besonders das Aufgebot der Feuerwehren hat sie beeindruckt. „Tolle Idee!“ (Von Martin Küper und Claudia Krause)

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Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

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