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Potsdam Bus lässt Schülerin fünf Mal stehen
Lokales Potsdam Bus lässt Schülerin fünf Mal stehen
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00:19 24.09.2017
Am Donnerstag ist der bislang nur einmal täglich für Kunden nutzbare Betriebshalt in der Straße Am Mühlenberg zum regulären Bus-Halt erklärt worden – für eine Abfahrtzeit.   Quelle: privat
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Golm

 Leni Mihailova* ist neu in Potsdam. Seit drei Wochen erst wohnt sie in Golm und schickt ihre Tochter per Bus zur Schule im Bornstedter Feld. Wenn das klappt, aber das tut es nicht. Der 612er Bus, den die Siebtklässlerin morgens um 7.12 Uhr am Bahnhof Golm besteigen soll, um zur Kirschallee zu kommen und dort umzusteigen in die Tram, hält nicht am Bahnhof Golm, obwohl im Fahrplan „Bahnhof Golm“ zu lesen ist. „Wo in aller Welt ist dann der Bahnhof?“ fragt sich die zweifache Mutter, die in dieser und der letzten Woche mit ihrer größeren Tochter schon fünf Mal vergeblich an der ausgewiesenen Bahnhofshaltestelle stand. Entgeistert musste sie beobachten, wie sich der Bus die Straße Am Mühlenberg entlang in Richtung Bahnhof näherte, dann aber plötzlich 40 Meter vorher im Kreisverkehr kehrt machte und dahin zurück fuhr, wo er hergekommen war. Alles Hüpfen und Winken half nichts; der Bus verschwand. Der Vater musste das Kind im Auto zur Schule fahren und kam zu spät zur Arbeit. Im sechsten Anlauf binnen zwei Wochen setzte die Mutter ihre Tochter am gestrigen Donnerstag viel zeitiger in den Zug nach Potsdam-Hauptbahnhof, wo sie in die Straßenbahn umsteigen musste.

Betriebshalt für genau eine Abfahrtszeit

Dass die Busfahrer das Gestikulieren der Alleingelassenen nicht sehen, glaubt Leni Mihailova nicht. „Einmal hat der Fahrer sogar zurückgewinkt oder irgendwas gezeigt“, berichtet sie. Und am 11. September, einem Montag, fuhr er sogar direkt zum Bahnhof, aber an der Haltestelle durch.

Vier Mal beschwerte sich die Mutter am Info-Telefon des Verkehrsbetriebs in Potsdam, einmal reichte sie eine schriftliche Beschwerde ein. Beim fünften Anruf forderte der ViP den Fahrer auf, die Sache aufzuklären. Die Erklärung war verblüffend und für die Kundin wenig überzeugend: Die Haltestelle liege gar nicht am Bahnhof, wie der Fahrplan sagt, sondern eben jene rund 40 Meter weiter an eben jenem Kreisel, an dem der Bus immer umgedreht war. Sogar eine Karte mit dieser anderen Haltestelle drauf bekam die Frau gemailt; sie lief dahin und kam ins Grübeln: „Betriebshalt“, stand da am Schild, kein Fahrplan, kein Hinweise, dass dies die richtige Haltestelle ist.

Vorher und nachher. Quelle: privat

Ist sie im Grunde auch nicht, denn zu allen anderen Abfahrtzeiten als dieser um 7.12 Uhr ist tatsächlich der Bahnhof der normale Haltepunkt, und der deutlich bessere, wie Frau Mihailova findet: Da steht man nämlich viel verkehrsgünstiger und unterhalb der Gleise immer auch im Trockenen. Genau das fordert sie als Lösung des Problems.

Betriebshalt wird zur regulären Haltestelle

Nun ist der ViP aktiv geworden. Eine Mitarbeiterin des Unternehmens erklärte ihr am Mittwoch, man werde den Betriebshalt zur regulären Haltestelle machen. Gesagt, getan: seit Donnerstag ist das so, und ein Fahrplan kennzeichnet die Stelle fünf Meter vor der Kreiseleinfahrt zum regulären Bus-Stopp, einmal am Tag aber nur, um 7.12 Uhr. So dicht vor dem Kreisel anzuhalten, um Kunden aufzunehmen, ist für Frau Mihailova „keine verkehrssichere Lösung“, sondern überhaupt keine.

Als Entschädigung für die fünf Fehlversuche, den 612er am Bahnhof zu besteigen, bot der ViP der verärgerten Kundin zwei ABC-Tagestickets an; sie lehnte ab.

„Mein Wunsch ist, und das wäre einzig richtige Entschädigung, die Haltestelle Golm, die unter der Bahnbrücke ist, zu Schulzeiten zu befahren“, sagte sie der MAZ und auch dem Verkehrsbetrieb. „Mein Verlangen würde weitergeleitet werden, hörte ich, aber es gab kein Versprechen, dass es bei der Fahrplanänderung im Dezember berücksichtigt wird.“

* Name geändert

Von Rainer Schüler

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