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Potsdam CDU-Mann soll Nichte vergewaltigt haben
Lokales Potsdam CDU-Mann soll Nichte vergewaltigt haben
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17:51 20.09.2016
Der Ex-CDU-Politiker muss sich vor dem Potsdamer Landgericht verantworten. Quelle: Foto: Gartenschläger
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Potsdam

Sie erträgt seinen Anblick nicht. Wenn sie den Mann sehen müsste, der ihr Schlimmes angetan haben soll, würde Vanessa A.* wahrscheinlich kollabieren, wie schon einmal vor Gericht. „Sie hat große Angst vor ihm“, sagt ihre Anwältin Sonja Schlecht. Ein Attest einer Psychotherapeutin bestätigt, wie qualvoll die Zeugenaussage für die junge Frau ist. Die 28-Jährige leide unter einer postraumatischen Belastungsstörung. Ausgelöst durch das, was sie laut ihren Aussagen im Kindes- und Jugendalter erleiden musste: Sie sei mehrfach vergewaltigt worden. Von ihrem eigenen Onkel, einem früheren Potsdamer CDU-Politiker. Seit Dienstag muss sich der 57-Jährige erneut vor Gericht verantworten.

Während der ausführlichen Aussage seiner Nichte muss Peter S.* Saal 8 des Potsdamer Landgerichts verlassen. Auch die Öffentlichkeit wird ausgeschlossen. Das Gericht hat einem entsprechenden Antrag der Nebenklage stattgegeben, um die Gesundheit des mutmaßlichen Opfers zu schützen, so der Vorsitzende Richter Bodo Wermelskirchen.

Auch Peter S. reklamiert für sich gesundheitliche Probleme – ausgelöst durch die nach seiner Darstellung falschen Beschuldigungen. Er habe ein Burnout erlitten und seine Parteiämter – er war im Vorstand des Potsdamer CDU-Verbands – im Zuge des ersten Prozesses vor drei Jahren niedergelegt. Auch eine Partnerschaft sei der Ledige und Kinderlose seither nicht mehr eingegangen. „Seit diesen Vorwürfen habe ich mich vollkommen zurückgezogen“, sagt S. Seit Juli 2015 sei er wegen einer Depression erwerbsunfähig und beziehe Rente, so der gelernte Optiker und Manager, der zeitweise an der Frankfurter Börse arbeitete.

Prominenter Strafverteidiger

Vertreten lässt sich S. von einem prominenten Anwalt: Der auf Missbrauchsfälle spezialisierte Berliner Strafverteidiger Claus Pinkerneil tritt regelmäßig bei der Sat1-Doku „Anwälte im Einsatz“ auf. Doch was im Landgericht zur Verhandlung steht, ist aus Sicht der Anklage keine Show, sondern brutale Realität. Die Vorwürfe, die Staatsanwalt Peter Petersen, vorträgt, wiegen schwer: Peter S. soll die Tochter seiner in der Schweiz lebenden Schwester zwischen 1993 und 2002 insgesamt vier Mal missbraucht haben – oral, vaginal und anal. Besuche habe er genutzt, um sich in deren Kinderzimmer an dem Mädchen zu vergehen. S. war im Juni 2013 vom Potsdamer Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Doch dieser Richterspruch ist nichtig, das Verfahren wird aus folgendem Grund nun komplett neu aufgerollt: Staatsanwaltschaft und Verteidigung waren damals in Berufung gegangen, doch das Berufsverfahren vor dem Landgericht wurde nicht zu Ende geführt. Staatsanwalt Peter Petersen, der auch Ankläger im Elias-Prozess war, hatte mit seinem Antrag Erfolg, das Verfahren an die große Strafkammer zu überweisen. Die Strafgewalt der kleinen Kammer (sie kann nur Urteile bis zu vier Jahren Haft fällen) sei für diesen Fall nicht ausreichend. Zumal nun neue Vorwürfe hinzukommen: 2004 soll S. seine inzwischen 16-jährige Nichte während eines Urlaubs in Brasiliens zwei Mal vergewaltigt haben, in der Sauna und in einem Hotelzimmer.

„Er hat sich seine Nichte seit ihrem fünften Lebensjahr gefügig gemacht“, sagt Staatsanwalt Petersen. Er habe ihr gedroht, ihre Familie würde zerbrechen, wenn sie von den Vorfällen erzähle. Wenn sie schweige, würde er zudem ihre kleine Schwester in Ruhe lassen, versprach der Onkel. 2006 vertraute sich das Mädchen trotzdem seiner Mutter an. „Sie fühlt sich oft als Verräterin des gemeinsames Geheimnisses“, heißt es im Attest der Psychotherapeutin.

* Namen von der Redaktion geändert.

Urteil im November erwartet

Der Prozess vor der Großen Strafkammer des Potsdamer Landgerichts wird am Donnerstag fortgesetzt.

Als weitere Zeugen sind unter anderem Familienangehörige geladen.

2 Gutachter sollen die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers beurteilen.

8 Prozesstage sind insgesamt vorgesehen. Das Urteil könnte am 15. November fallen.

Dem Angeklagten droht eine Strafe von mehr als vier Jahren Haft. 2013 war der Ex-Politiker in erster Instanz zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden, doch dieses Urteil ist nichtig.

Von Marion Kaufmann

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