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Potsdam Nach Drogenfund: Auch andere Schulen räumen Verdachtsfälle ein
Lokales Potsdam Nach Drogenfund: Auch andere Schulen räumen Verdachtsfälle ein
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02:16 01.12.2018
Cannabis – hier in Form von Marihuana: Dass der Besitz einer geringen Menge erlaubt sei, ist ein Irrglaube. Allerdings gibt es eine von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Toleranz-Grenze. Quelle: dpa
Potsdam

Die Meinung der Leser ist einhellig: Der Cannabis-Fund am Humboldt-Gymnasium kann kein Einzelfall sein – mit Sicherheit kursieren an jeder Schule in Potsdam Drogen, heißt es. – Ist das so? Die MAZ hat sich an den weiterführenden Schulen umgehört.

Die Voltaire-Gesamtschule ruft bei Verdacht immer die Polizei

„In diesem Jahr hatten wir bisher keinen Vorfall, 2017 gab es dafür mehrere Vermutungen, die sich aber nicht bestätigt haben“, sagt etwa Karen Pölk, Leiterin der Voltaire-Gesamtschule. „Wenn ein Verdacht aufkommt, handhaben wir das rigoros und immer in Zusammenarbeit mit der Polizei. Das wissen unsere Schüler. Und das wissen auch die Eltern, die das aber nicht alle gut finden. Bei uns gilt dennoch der Grundsatz: Wehret den Anfängen!“ Verhält sich ein Schüler zum Beispiel nach der großen Pause auffällig, bringe ihn der Lehrer unverzüglich ins Sekretariat und die Polizei werde hinzugerufen, so Karen Pölk. Man verständige die Polizei auch, wenn sich obskure Personen dem Schulgelände nähern: „Darauf achten die Lehrer, die Aufsicht haben, ganz genau.“ Natürlich wisse man nicht, was die Schüler außerhalb der Schule machen. „Aber wir wissen sehr wohl, dass zum Beispiel der Hauptbahnhof, der Bassinplatz und der Platz der Einheit kritisch sind.“

Heimlichkeiten sind an der kleinen Käthe-Kollwitz-Oberschule schwer

Die in der Innenstadt gelegene „Voltaire“ ist mit 846 Schülern Potsdams größte Schule. Eine der kleinsten Schulen ist mit 200 Mädchen und Jungen die Käthe-Kollwitz-Oberschule in der Brandenburger Vorstadt. „Bei uns kann man eigentlich nichts verheimlichen“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Kerstin Wölfert. Dennoch habe es auch an der Kollwitzschule „vor ein paar Jahren“ einen Verdacht gegeben, „seither aber nicht mehr“. Wie an den meisten Schulen beschäftigen sich die Jugendlichen in Workshops mit dem Thema Drogen. „Es gibt natürlich immer Schüler, die das Thema nicht interessiert, aber auch eine ganze Menge, die gern darüber aufgeklärt werden wollen“, so Wölfert.

Das Helmholtz-Gymnasium informiert als erstes die Eltern

Die Leiterin des Helmholtz-Gymnasiums am Holländischen Viertel betont, wie wichtig der Zusammenhalt von Schule und Elternhaus ist. „Wir sind froh, wenn uns Eltern im Fall der Fälle unterstützen und die Konsequenzen mittragen – und nicht gegen uns arbeiten, was auch vorkommt“, sagt Grit Steinbuch. 720 Schüler lernen am Helmholtz: „Auch wir sind vor so einem Fall nicht gefeit. Und auch wir haben schon Cannabis in geringen Mengen gefunden.“ Kommt Verdacht auf, gehe man sehr vorsichtig vor und informiere als erstes die Eltern.

Das Leibniz-Gymnasium geht „unverzüglich und diskret“ vor

Ähnlich handhabt das das Leibniz-Gymnasium im Wohngebiet Am Stern. Laut Schulleiter Uwe Schmidt benachrichtigen die Lehrer zunächst ihn „unverzüglich und diskret“, es folgt ein Gespräch mit dem betreffenden Schüler, die Eltern werden unmittelbar informiert, danach die Polizei. In diesem und auch im vergangenen Jahr habe man allerdings keine Verdachtsfälle an der 830 Schüler starken Schule gehabt.

Das Humboldt-Gymnasium sucht nach neuen Wegen in der Aufklärung

Am Humboldt-Gymnasium sind derweil Schulleitung, Lehrer, Schüler und Eltern damit beschäftigt, die von der Schule unterbreiteten Präventionsangebote unter die Lupe zu nehmen. „Dabei ist klar geworden, dass die Schüler keine zusätzliche theoretische Untersetzung wollen, aber großes Interesse daran haben, mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen, die über ihren Weg in die Drogen berichten und darüber, wie sie es geschafft haben, davon wieder loszukommen“, sagt Schulleitrein Carola Gnadt. „Wir tun alles, was in unserer Macht steht, etwas zu finden, auf das sich die Schüler besser einlassen können.“

Wie berichtet, haben Polizisten am 15. November sieben Schüler auf dem Humboldt-Campus durchsucht. Die Schule weiß von zwei Schülern, bei denen Drogen gefunden wurden. Die Staatsanwaltschaft gab nun der MAZ gegenüber an, dass es sich um drei handelt. Auch drei Wohnungen wurden durchsucht. Die Ermittlungen dauern an.

Wie gefährliche ist Cannabis? Chill-out klärt auf

Die Gefahr von Cannabis hängt von einer Reihe Faktoren ab, etwa vom Alter des Konsumierenden und der Konsumhäufigkeit. Die derzeit umfangreichste Studie zum Gefahrenpotenzial diverser Drogen sieht Cannabis auf Platz 8. Auf Platz 1 steht Alkohol, Tabak auf 6.

Die Folgen von verstärktem Konsum gerade im Jugendalter können vielfältig und individuell unterschiedlich sein. Kurzfristige Nebenwirkungen: Schwindel, Konzentrationsprobleme, rote Augen, Mundtrockenheit, Hustenattacken. Bei Erstkonsum und bei Überdosierung sind Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen, Kreislaufprobleme, Halluzinationen und Angstzustände möglich. Wird Cannabis geraucht, entstehen Schwebestoffe die krebserregend sein können. Cannabis kann bei genetischer Veranlagung zum Ausbruch von psychischen Erkrankungen führen, vermutlich auch zu Schizophrenie und Psychosen.

Der Dauerkonsum von Cannabis kann Depressionen oder depressive Symptome (Teilnahmslosigkeit, Antriebsminderung, herabgesetzte Belastbarkeit, alltägliche Passivität) verstärken. Fast immer wirkt sich regelmäßiger Konsum auf die kognitiven Prozesse aus. nf

Von Nadine Fabian

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