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Potsdam Chagall und Dix in Potsdam
Lokales Potsdam Chagall und Dix in Potsdam
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14:23 22.03.2015
Mattheuer: „Der Nachbar, der will fliegen Quelle: Ulbricht
Babelsberg

Superstars der Kunst kommen nach Potsdam: Marc Chagall, Neo Rauch, Otto Dix, Joseph Beuys und Max Klinger sind avisiert, dazu Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer und viele andere. Nicht die Künstler selbst kann man treffen, denn nur Rauch ist noch am Leben. Aber einige ihrer Werke sind demnächst in der Stadt: Die Kirche des Oberlinhauses ist am 26. April der Schauplatz einer Auktion mit knapp 80 Bildern, darunter viele der sogenannten Leipziger Schule. Unter den Hammer kommen sie natürlich zum Verdienst der Besitzer und des Leipziger Auktionators Bernd Ulbricht, aber auch zum Nutzen des Oberlinhauses. Das will noch dieses Jahr einen Sinnesgarten für taubblinde Kinder und Jugendliche einrichten an der Außenmauer zur Straße Alt Nowawes. 180 000 Euro wird der Garten nach Auskunft des theologischen Oberlin-Vorstands Matthias Fichtmüller kosten; mit einer vierstelligen Summe als Anteil aus den Auktionsgewinnen darf er rechnen. 15 Prozent sind vereinbart; wieviel das am Ende sind, hängt vom Ergebnis der Versteigerung ab. Es soll weitere Aktionen geben für den Sinnesgarten, der im Herbst übergeben werden soll. „Und wenn dann noch was fehlt an der Summe, strecken wir das vor und holen es später durch Spenden wieder rein“, sagt Fichtmüller, der neugierig ist auf die Bilder und die Besucherresonanz „Die Oberlinkirche ist ein besonderer Ort für diese Auktion“, sagte er der MAZ: „Und der Sinnesgarten ist ein besonderer Ort für taubblinde und hörsehbehinderte Menschen.“

Max Klinger: Bär und Elfe Quelle: Michael Ulbricht

Das findet auch der Auktionator Michael Ulbricht, Inhaber des Leipziger Buch- und Kunstantiquariats, der auf ein beachtliches Ergebnis hofft. „Das sind alles Einzelstücke oder Kleinserien“, versichert er. Er bringt sie im Auftrag anderer Besitzer zur Versteigerung; auch ein eigenes Werk ist dabei. Max Klingers „Bär und Elfe“ von 1881 wird zu haben sein und Wolfgang Mattheuers „Der Nachbar, der fliegen will“ (nach Osten, nicht nach Westen) von 1985. Vorbesichtigungen sind für den 25. April von 11 bis 18 Uhr und den 26. April ab 11 Uhr angesetzt. Die Auktion selbst wird durch musikalische Einlagen aufgelockert.

Das bereits bestehende Außengelände vor dem Hertha-Schulz-Haus sowie der Schulhof der Taubblindenschule werden zum Garten für die Sinne von Menschen umgestaltet, die kaum etwas oder gar nichts hören und sehen können, aber umso empfindsamer mit ihren Händen sind. Rosmarin ist in den Augen von Pfarrer Fichtmüller das ideale Nutzkraut für Blinde: Es ist gut zu tasten und zu riechen. Außerdem hätten Taubblinde eine große Affinität zu Wasser und zu Ostseesand, sagt Fichtmüller: „Sie können da ihre Hände tief hineinstecken.“

Die Oberlinkirche wird zum Auktionshaus. Quelle: Oberlin

Ein Obstgarten lädt zum Schmecken und Riechen ein. Auch verschiedene Objekte sind ertastbar. Außerdem wird der Bereich ausgestattet mit verschiedenen harten, weichen oder stumpfen Bodenbelägen. Die Sanierung der denkmalgeschützten Mauer rund um das Gelände ist abgeschlossen; nun sollen die weiteren Arbeiten am Sinnesgarten und seinen Hochbeeten beginnen.

Das Oberlinhaus liegt an der Rudolf-Breitscheid-Straße 24 in 14482 Potsdam.

Das Oberlinhaus

  • 1871 wurde in Berlin der damalige Oberlinverein gegründete, benannt nach dem elsässischen Sozialreformer Pfarrer Johann-Friedrich Oberlin (1740-1826).
  • Wesentliche Ziele des Vereins waren, die Betreuung und Bildung von kleinen Kindern zu organisieren und zu fördern. So eröffnete der Oberlinverein 1874 im damaligen Nowawes (heute Babelsberg) eine Kleinkinderschule mit einem Seminar zu Ausbildung von Kleinkinderschullehrerinnen.
  • 1878 wurde das neu erbaute Diakonissen Mutterhaus eröffnet, in dem 1881 eine Poliklinik, 1883 eine Kinderkrippe und 1888 eine erste Krankenstation ihren Betrieb aufnahmen. 1886 begann die Arbeit mit behinderten Menschen im Oberlinhaus.
  • Mit Hilfe von Spenden konnte der Oberlinverein auf eigenem Grundstück am 20. Oktober 1890 das erste Krankenhaus in Nowawes mit 45 Betten eröffnen. 1894 folgten das erste ‚Deutsche Vollkrüppelheim’, ergänzt 1899 durch ein Krüppelschulhaus, 1906 das ‚Taubstummblindenheim’ und Werkstätten zur behindertengerechten beruflichen Ausbildung, 1910 das ‚Oberlin-Kreiskrankenhaus’.
  • In den ersten 40 Jahren seines Bestehens wuchs das Gesamtwerk Oberlinhaus sehr schnell. Immer neue Aufgaben wurden angenommen und bewältigt. Noch vor der Jahrhundertwende entwickelte der damalige Hausvorstand (Oberin Thusnelda von Saldern und Pastor Theodor Hoppe) eine inhaltliche Grundlage für die weitere Arbeit im Oberlinhaus. Sie erarbeiteten die Konzeption einer komplexen Rehabilitation, die die medizinischen, pädagogischen, beruflichen und sozialen Aufgaben auf einer geistlichen Basis ganzheitlich an den Bedürfnissen des Einzelnen orientiert. Dieses in jener Zeit innovative und richtungsweisende Konzept wurde auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Noch heute fühlt sich der Oberlinverein diesem Grundsatz in der Behindertenhilfe verpflichtet.
  • Innerhalb der ‚Deutschen Vereinigung für Krüppelpflege e.V.’ hat sich das Oberlinhaus maßgeblich an der Entstehung des ersten ‚Krüppelfürsorgegesetzes’ beteiligt, welches 1920 erlassen wurde. Für die Arbeit in den Einrichtungen war dieses Gesetz von entscheidender Bedeutung. Von nun an war die Behindertenfürsorge keine ‚Gnadenleistung’ mehr, sondern eine Pflichtleistung der Gesellschaft und des Staates.
  • In den dreißiger Jahren kam es erneut zu einer Ausdehnung der Aufgaben und zu baulichen Erweiterungen. 1945 wurde das Oberlinhaus von schweren Fliegerbomben getroffen. Einige Häuser wurden vollständig zerstört, Kirche, Mutterhaus und Klinik wurden durch nahe Bombeneinschläge stark in Mitleidenschaft gezogen. In den folgenden Jahren wurden alle Kriegsschäden behoben und die einzelnen Dienstbereiche konnten neu strukturiert werden. Bis in die fünfziger Jahre wurden von Diakonissen des Oberlinhauses 47 Außenstationen betreut, unter anderem 39 Gemeindepflegen, eine Klinik für Nervenkranke, 4 Altersheime und eine Lungenfürsorgestelle.
  • Im Frühjahr 1983 konnte das Reinhold-Kleinau-Haus für körper- und mehrfachbehinderte Erwachsene eingeweiht werden. Mit großen Anstrengungen und dem unermüdlichen Wirken von Pastor Eckard Beyer war dieser so dringend benötigte Neubau möglich geworden. Nach der Wiedervereinigung wurden auch die Werkstatt- und Beschäftigungsbereiche für behinderte Erwachsene neu geordnet. Die traditionellen Werkstätten des Oberlinhauses und die der Hoffbauerstiftung wurden zu einem wirtschaftlich tragfähigen Unternehmen zusammengeführt, das heute mehr als 200 Menschen mit Behinderungen beschäftigt.
  • Im Oberlinhaus werden zur Zeit mehr als 30.000 Menschen betreut. Für 1800 Mitarbeitende ist das Oberlinhaus ein stabiler und verläßlicher Arbeitgeber.
  • Die Oberlinkirche wurde von Ludwig von Tiedemann (1841-1908) entworfen. Den Grundstein legte man am 30. November 1899. Erst im April 1903 aber begann der Bau unter Leitung von Erich Riemasch (1877 – 1962). Die Kirchweihe erfolgte am 12. Januar 1905.

Von Rainer Schüler

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