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Potsdam Charly Hübner und Monchi in Potsdam
Lokales Potsdam Charly Hübner und Monchi in Potsdam
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00:24 01.04.2018
Lokalpatriot, Rebell, Vorpommer: Jan „Monchi“ Gorkow und seine Band „Feine Sahne Fischfilet“ erfinden mit ihrer Musik das Landleben neu. Quelle: Foto: Neue Visionen
Babelsberg

Man ist von der ersten Sekunde an ganz nah dran. Jan „Monchi“ Gorkow, der Sänger der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“, steht im Tonstudio. Er ist halbnackt, schwitzt. Es ist, als könne man die Energie spüren, die von diesem Menschen ausgeht.

Neunzig Minuten lang begleitet „Wildes Herz“, ein Film von Charly Hübner und Sebastian Schultz, Gorkow und seine Band. Hübner kennt man vor allem als Schauspieler. „Wildes Herz“ ist sein erster Kinofilm als Regisseur. Zusammengefasst liefert der Film „Energie, Zusammenhalt und eine Feine-Sahne-Geschichte“, sagt Hübner. In Potsdam wird die Dokumentation in beiden Kinos laufen, am 6. April zeigen Thalia und UCI eine Vorpremiere. Am 11. April sind Regisseur Hübner und Gorkow selbst zu Gast im Babelsberger Arthouse-Kino Thalia. Wegen des großen Interesses wurde die Vorführung in den größten verfügbaren Saal verlegt.

Einer wie Monchi fällt auf – auch wegen seiner Haltung

Gorkow fällt auf, er ist ein bunt tätowierter Hüne. Seinen Spitznamen verdankt er der Ähnlichkeit mit dem 80er-Jahre-Kultplüschtier Monchichi: dicke Wangen und Stoppelfrisur. Einer wie Monchi fällt aber auch wegen seiner Haltung auf, sein Engagement gegen Rassismus lässt ihn seit Jahren im Fokus von Rechtsextremen stehen. Auch der mecklenburgische Verfassungsschutz hat Gorkow und seine Bandkollegen auf dem Schirm. Jahrelang wurde das Privatleben des heute 30-Jährigen überwacht, seitenweise dreht sich in den Jahresberichten des Verfassungsschutzes alles um Monchi. Als Grund nennt der Geheimdienst alte Lieder von Feine Sahne Fischfilet, in denen Gewalt gegen Polizisten gutgeheißen wird. Man spürt Gorkows Unverständnis, wenn er über diese Zeit spricht. Schließlich wurden die zahlreichen rechten Bands, die im dünn besiedelten Mecklenburg-Vorpommern mit guten Wahlergebnissen für NPD und mittlerweile auch AfD eine große Sicherheit verspüren, nicht überwacht.

Feine Sahne Fischfilet in Aktion – wo die Band sich ansagt, sind die Karten ausverkauft, jetzt haben sie auch die Charts erreicht. Quelle: Foto: Neue Visionen

Mit der mindestens rechtsoffenen Masse kennt er sich bestens aus. Gorkow stammt aus Jarmen, einer Küsten-Kleinstadt mit knapp 3000 Einwohnern. Hier war es normal, mit Musik von Landser aufzuwachsen, unwidersprochen nationalistische Parolen zu verbreiten und Hass auf alles Fremde. Dass Jan Gorkow und seine Bandkollegen – die meisten kennen sich bereits aus der Schule – anders entschieden haben, dass sie dezidiert links der Mitte stehen, wäre allein eine Dokumentation wert.

Doch Feine Sahne Fischfilet machen so viel mehr. Sie tourten mit ihrer „Noch nicht komplett im Arsch“-Kampagne durch das Hinterland, um vor der letzten Landtagswahl Stimmung gegen die rechten Parteien zu machen, sie spielten ein eigenes Stück am Rostocker Volkstheater, landeten zu Beginn dieses Jahres mit dem aktuellen Album auf Platz 3 der Charts. Die Hallen sind ausverkauft, wenn Feine Sahne Fischfilet ein Konzert geben. Ob es die Rostocker Stadthalle mit ihren mehr als 6000 Plätzen ist oder ein Jugendclub in Königs Wusterhausen, ist Gorkow dabei egal.

In der brandenburgischen 33000-Einwohner-Stadt hatte die Band zum Erscheinen des Albums überraschend ein Konzert angekündigt. Weil hunderte Fans die Musiker erwarteten, spielten sie einfach zweimal direkt nacheinander. Den Erlös des Konzerts spendete Feine Sahne Fischfilet dem SV Babelsberg 03, um dessen Kampagne „Nazis raus aus den Stadien“ zu unterstützen.

Die Freude im Gesicht eines Fünfjährigen

Jan Gorkow wirkt stets sympathisch-überfordert von dem ganzen Hype um ihn. Die Freude im Gesicht des erwachsenen Monchi ist dieselbe, die sein vielleicht fünfjähriges Ich in „Wildes Herz“ in einer berührenden Videosequenz zeigt, als er seinem Großvater ein Geburtstagsständchen spielt. Die wackeligen Videos aus Gorkows Kindheit, die Interviews mit seinen Eltern, sie schaffen ein intimes Porträt dieses jungen Mannes. Auch die Stimme seiner Ex-Freundin, die den Sänger als hoch komplizierten Menschen beschreibt, und die seines Mitbewohners, der über die Herausforderungen im Leben mit Monchi berichtet, sind wichtig, um den Protagonisten kennenzulernen.

„Monchi weckt in uns allen das schlechte Gewissen, es uns in unserem Leben und unseren Berufen allzu sehr gemütlich gemacht zu haben“, sagt Produzent Lars Jessen. Quelle: Neue Visionen

Der ist ein Energiebündel, ein Getriebener. „Wildes Herz“-Produzent Lars Jessen sagt: „Monchi weckt in uns allen das schlechte Gewissen, es uns in unserem Leben und unseren Berufen allzu sehr gemütlich gemacht zu haben. Wenn der übergewichtige, tätowierte Ex-Hooligan so viel Positives hinkriegt, warum dann nicht wir?“ Gorkow hat ganz sicher nicht alles richtig gemacht im Leben. Bei schweren Ausschreitungen am Rande eines Fußballspiels hat er mal ein Polizeiauto angezündet, auch das zeigt Hübner.

Beim Festival DokFilm in Leipzig erhielt „Wildes Herz“ mit vier Preisen die meisten Auszeichnungen, darunter eine Ehrung, die von Strafgefangenen verliehen wird. Sie sahen ein Werk, das den Zuschauer mit dem guten Gefühl zurücklässt, dass jeder etwas erreichen kann. Er muss, wie Jan Gorkow es formulieren würde, nur mal den Arsch hochkriegen.

Termine: Die Vorpremiere von Wildes Herz läuft am 6. April in UCI und im Thalia, am 11. April sind Hübner und Gorkow mit dem Werk im Thalia zu Gast.

Auf der Bühne, vor der Kamera und dahinter

Charly Hübner ist einem breiten Fernsehpublikum vor allem durch die Rolle des Hauptkommissars Alexander „Sascha“ Bukow im Rostocker „Polizeiruf 110“ bekannt.

Geboren 1972 in Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern), wuchs Charly Hübner als Gastwirtssohn in Feldberg auf. Nach dem Abitur begann er 1993 sein Studium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin und trat seither auf verschiedenen Theaterbühnen in Erscheinung. 2003 wechselte er vor die Kamera. 2013 drehte Charly Hübner seinen ersten kleinen Dokumentarfilm als Regisseur.

Von Saskia Kirf

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