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Potsdam Chickendöner oder ’ne Curry beim Havel-Imbiss
Lokales Potsdam Chickendöner oder ’ne Curry beim Havel-Imbiss
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06:05 06.06.2016
Havel-Imbiss in der Zeppelinstraße Quelle: Christel Köster
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Potsdam West

Wenn er in sein Fladenbrot mit Fleisch, Salat und Soße beißt, ist für Thomas Wricke Wochenende. Jeden Freitag gegen 13 Uhr steuert der 50-Jährige ein Ziel an: den Havel-Imbiss in der Zeppelinstraße. Wricke arbeitet gleich um die Ecke bei einer Genossenschaft als Maler. Jeden Freitag, bevor der Belziger nach Hause fährt, macht er erst Stopp bei Temur Onayle. Seit Jahren ist das so. Temur Onayle kennt schon die Bestellung, die der Stammkunde jedes Mal macht: Chickendöner, scharf. „Das gehört einfach dazu. Nach Abschluss der Arbeitswoche gehe ich immer zum Imbiss“, sagt Thomas Wricke in weißer Malerlatzhose. „Das ist mein Start ins Wochenende.“

Der Havelimbiss hat viele Stammkunden

Der Havel-Imbiss hat viele Stammkunden. Denn allzu viele Alternativen, um sich mittags oder abends zu verköstigen, gibt es in der Gegend in Potsdam West nicht. Der Imbiss liegt zwischen der Seniorenresidenz der Johanniter, in der der frühere Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) und seine Frau Ingrid leben, und einer Pit-stop-Werkstatt. Das Havelufer ist nah. Die vorbeibrausenden Autos auf der vierspurigen Zeppelinstraße geben dem Imbiss etwas Großstädtisches. Die Tram 98 Richtung Pirschheide biegt aus der Kastanienallee um die Ecke. Vom Ambiente kann der Havel-Imbiss fast mit der Bude am Rhein mithalten, an der die Kölner-Tatort-Kommissare Ballauf und Schenk nach erfolgreicher Verbrecherjagd stets eine Currywurst futtern. Currywurst, Pommes, Schnitzel – das gibt es bei Temur Onayle auch. Polizisten eher weniger, dafür Uniformierte aus dem militärgeschichtlichen Forschungsamt, Anzugträger, Rentner, Mitarbeiter und Bewohner des Altersheims, Schüler der Sportschule, die sich zwischen zwei Trainingseinheiten stärken.

Eine ältere Dame kommt mit dem Rad zum Imbiss, reiht sich in die Schlange. „Etwa einmal im Monat hole ich mir hier einen Döner“, sagt sie. Hinter ihr steht ein junger Mann, etwa 20, Muskelshirt, tätowierte Arme, Hip-Hop-Hosen. Knoblauch? Kräuter? Curry? Scharf? Die beiden ungleichen Kunden kommen ins Gespräch, fachsimpeln über die dönertechnische Gretchenfrage: Wie hältst du’s mit der Soße? Es geht nicht nur ums Sattwerden, sondern um den schnellen Schnack beim Snack. Der Havel-Imbiss ist eine ganz normale Dönerbude. Solides Essen, solide Preise, übliches Angebot. Aber erst eben doch ein bisschen mehr: seit nunmehr 14 Jahren ist er ein Treff im Kiez.

Aus der Ost-Türkei über Berlin nach Potsdam

„Die Leute sind hier netter“, sagt Inhaber Temur Onayle und: „In Potsdam bin ich als Ausländer noch nie angefeindet worden.“ Der 50-Jährige kam als Kind mit seinen Eltern aus der Osttürkei nach Berlin. Ursprünglich führte er einen Imbiss in der Hauptstadt, aber das sei ihm auf Dauer zu stressig gewesen. Nicht wegen der vielen Konkurrenz, sondern weil die Leute so gehetzt seien. Also hat er sich in Potsdam umgesehen und 2002 das Fleckchen an der Zeppelinallee entdeckt. Angefangen hat er mit einem Wagen, inzwischen hat er das Grundstück erworben, einen festen Imbiss mit Sitzplätzen innen und außen gebaut. Neben dem Häuschen gibt es einen kleinen Biergarten, ein paar Tische mit Stoffblumen, eine Pergola, Muscheldeko.

Havel-Imbiss in der Zeppelinstraße

Der Havel-Imbiss in der Zeppelinstraße 95 ist täglich von 9 bis circa 24 Uhr geöffnet.

Wann der erste Döner-Imbiss in Deutschland eröffnete, ist ungewiss. Angeblich soll der erste Stand in den 1970er-Jahren am Kottbusser Damm in Berlin-Kreuzberg aufgemacht haben. In einer anderen Version hat ein türkischer Einwanderer seit Anfang der 1970er-Jahre am Bahnhof Zoo das Grillfleisch im Fladenbrot verkauft. Einer anderen Quelle zufolge wurde der erste Döner Kebab bereits 1969 im baden-württembergischen Reutlingen angeboten.

Dass Potsdam in der Döner-Geschichte eine besondere Rolle spielt, ist weniger bekannt. In Internetforen kursiert folgende Anekdote: Auf einer Speisekarte der HO-Gaststätte „Klosterkeller“ in der Potsdamer Innenstadt aus dem Jahr 1952 steht ein Dönerfleischbrötchen mit Rotkohl und Sauerkraut. Preis: 5,85 Mark. Kann das wirklich stimmen? Die Frage wird im Netz heiß diskutiert. Die meisten gehen davon aus, dass die Karte ein Fake ist.

Jeden Tag pendelt Onayle, der mittlerweile vier Angestellte hat aber trotzdem auch selbst hinter der Dönertheke steht, nach Neukölln. Gerne würde er auch nach Potsdam ziehen, in den Westen, in „seinen“ Kiez. Aber: „Für meine Tochter ist das nichts. Ihr ist es in Potsdam zu klein.“ 21 ist sie jetzt, der Sohn 25. Sie brauchen die Metropole. Noch. „Die jungen Leute wollen Berlin“, sagt Vater Temur und lächelt wissend. Eines Tages, wer weiß, wird er vielleicht doch in Potsdam West leben. Inmitten seiner Stammkunden. Und nach der letzten Bestellung des Tages – Chickendöner, scharf – einfach um die Ecke gehen. Nach Hause.

Von Marion Kaufmann

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