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Chiericati und Pompei zeigen ihr Gesicht

Wiederaufbau des Alten Marktes Chiericati und Pompei zeigen ihr Gesicht

Es sind die ersten beiden Leitfassaden des ambitionierten Leitbautenkonzepts, die fertig wurden: Am Donnerstag stellten Investoren, Bauherren, städtischer Sanierungsträger und Denkmalpflege die „Gesichter“ der beiden Stadtpaläste vor. Dahinter verbergen sich moderne Häuser – und Potsdams derzeit teuerste Wohnungen.

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Die Fassaden der Palazzi Chiericati (links) und Pompei am Stadtschloss wurden am Donnerstag fertiggestellt. Das Barberini daneben ist noch eingerüstet. Quelle: Friedrich Bungert

Innenstadt. Das war denkbar knapp: Noch wenige Minuten vor dem Festakt zur Einweihung der historischen Fassaden der Palazzi Pompei und Chiericati am Alten Markt waren die Bauarbeiter damit befasst, ein Balkongitter anzuschrauben und die Vasen aufzustellen. Als dann die vom Oberbürgermeister und den Bauherren angeführte Delegation um die Ecke bog, stand und hing aber alles an seinem Platze: In nur zwei Jahren Bauzeit waren auf schwierigem Grund neben der Alten Fahrt die Gebäude errichtet worden. An Herausforderungen mangelte es nicht: Trotz des Wassers nebenan musste eine große Tiefgarage errichtet werden – die teuerste, die er je gebaut habe, sagte einer der Bauherren – , Archäologen fanden Wertvolles wie ein Holzboot aus dem 8. oder 9. Jahrhundert und schließlich galt es, innen moderne, allen heutigen Standards gerecht werdende Häuser zu errichten, die aber eine originalgetreue Renaissance-Fassade zierte. Dazu war nicht nur eine enge Abstimmung zwischen den Bauherren, der Denkmalpflege und dem städtischen Sanierungsträger, der die strengen Vorgaben der Rekonstruktion überwachte vonnöten, es bedurfte auch kreativer Lösungen – etwa, um die dringend nötigen Rollläden in der historischen Fassade zu verstecken.

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Nach nur zweijähriger Bauzeit zeigen nun die ersten historischen Fassaden der Uferbebauung an der Alten Fahrt ihr Gesicht der Öffentlichkeit. Die Palazzi Chiericati und Pompei sind zum Jahresende bezugsfertig. Bis dahin soll auch die Fassade des größten Pallazo, des Barberini nebenan, fertiggestellt sein. Noch ist es eingerüstet.

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„Es ist schon kurios“, sagte Frank Lotz von der Prinz von Preußen AG (PvP), die die Häuser errichten ließ, „bereits die Originale waren Nachbauten, denn Friedrich II. traute der zeitgenössischen Architektur nicht, er baute lieber Renaissancefassaden von vor 250 Jahren nach. Und heute, weitere 250 Jahre später, bauen wir den Nachbau nach.“ Das war durchaus wertschätzend gemeint – mit Quadratmeterpreisen von 5000 Euro für die 23 Wohnungen zwischen 46 und 180 Quadratmetern Größe dürften es die teuersten der Stadt sein, schätzte Vincent Mulder, Geschäftsführer von Kondor Wessels Berlin. Sein Unternehmen errichtete alle Gebäude vom Beginn der Humboldtstraße bis zum Barberini. Die Prinz von Preußen hatte die Ausschreibung für die Palazzi gewonnen, ließ den Bau aber von Kondor Wessels ausführen. Beide Unternehmen schmücken nun ihr Portfolio mit den Prachtfassaden. Trotz Rekordpreisen sei der Bau der Palazzi wegen der teuren Fassaden nicht wirtschaftlich, hieß es von den Bauherren. Durch die anderen Gebäude – etwa die Häuser an der Alten Fahrt oder das große Eckgebäude am Eingang der Humboldtstraße rechne sich das Bauen an einem der schönsten Plätze Europas am Ende aber doch, sagte Vincent Mulder.

Palazzo Chiericati

Das Original stammt vom italienischen Renaissance-Architekten Michele Sanmicheli und wurde zwischen 1535 und 1540 in Verona errichtet.

Friedrich II. verliebte sich aufgrund eines Kupferstiches in das Bauwerk und ließ es von Christian Ludwig Hildebrandt 1754 in unmittelbarer Nähe des Stadtschlosses nachbauen.

Es gehörte dem Gastwirt Johann Friedrich Schmidt. Das Gasthaus war im Erdgeschoss, darüber Wohnungen.

Ins Erdgeschoss werden Gastronomie und ein Schmuckhändler einziehen, auch die Wohnungen sind fast alle verkauft. Der Innenausbau ist noch in vollem Gange, zum Jahresende werden die Mieter und die Gewerbetreibenden einziehen können, schätzte Mulder. Gar nicht mit dem Schwärmen aufhören mochte Roland Zurkuhlen von der städtischen Denkmalschutzbehörde. Er lobte die Nervenstärke und Kompromissbereitschaft der Bauherren, pries die „bauliche Pracht“, die hohe Qualität der Materialien und der Ausführung und die „bildhauerische Meisterleistung“ bei den Attikafiguren und dem Fassadenschmuck. Die Wiedergeburt des Alten Marktes sei ein großes Geschenk. Potsdam wird, wenn das vom Matthias Klipp entworfene Leitbautenkonzept umgesetzt ist, „in ganz Europa die vielfältigste Renaissance-Fassaden-Welt außerhalb Italiens“ besitzen, so Zurkuhlen. Der Alte Markt sei ein städtebauliches Gesamtkunstwerk gewesen, der „Festsaal der Stadt“, hier habe sich bürgerliches und königliches Potsdam berührt. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) lobte zudem den Potsdamer Architekten Bernd Redlich, der die Fassaden nach aufwendiger Recherche plante. Er stehe nun in einer Reihe mit Größen wie Palladio und Gontard, scherzte Jakobs, teile aber nicht das Schicksal der preußischen Architekten: Die wurden vom Alten Fritz wegen nicht eingehaltener Kostenvorgaben nämlich gern mal inhaftiert.

Palazzo Pompei

Das Original stammt aus der Renaissance (1550) von Andrea Palladio und steht im norditalienischen Vicenza.

Der Potsdamer Nachbau entstand ebenfalls auf Geheiß Friedrich II. und wurde 1777 von Carl von Gontard errichtet.

Das mit reichem Figurenschmuck ausgestattete Bürgerhaus diente ebenfalls als Gasthof, der den Namen „Roter Adler“ trug.

Beide Häuser wurden im April 1945 bei der Bombardierung der Stadt schwer beschädigt – sie brannten aus – und später komplett abgerissen.

Von Jan Bosschaart

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