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Chill out fordert mehr städtische Hilfe

Potsdam Chill out fordert mehr städtische Hilfe

Seit 20 Jahren berät der Verein Chill out junge Menschen zum Thema Drogen und verantwortungsvoller Konsum. Mehr denn je ist die Arbeit der allesamt ehrenamtlich engagierten Menschen im Verein notwendig. Nie gab es eine so große Vielzahl an Substanzen. Die Stadt unterstützt die Arbeit. Dem Verein ist die Hilfe nicht sicher genug.

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Manuela Schulz, Katharina Tietz und Rüdiger Schmolke (v.l.n.r.) am Tag vor der großen Geburtstagssause

Quelle: Köster

Potsdam. 20 Jahre ist es her, da hatten ein paar Studenten der Potsdamer Fachhochschule eine Idee. Sie wollten anderen jungen Menschen helfen, verantwortungsbewusst mit Drogen umzugehen. Deswegen gründeten sie den Verein Chill out. Sie wollten keine klassische Drogenberatungsstelle sein, wonach das einzige Ziel die Abstinenz ist. Es ging ihnen viel mehr um Akzeptanz der Lebensentwürfe und Bedürfnisse der Klienten. Akzeptierende Drogenarbeit nannten sie es. Das war Ende der 1990er Jahre neu. Und nicht anders läuft es heute.

„Wir möchte unseren Klienten nichts vorgeben, das in den meisten Fällen ohnehin unrealistisch ist“, sagt Katharina Tietz, die Leiterin der Fachstelle für Konsumkompetenz, die der Verein seit mehreren Jahren betreibt. „Wir wollen sie vielmehr dabei unterstützen, ihre selbstgesetzten Ziele zu erreichen.“ Die 32-jähirge Tietz ist seit diesem Jahr die Leiterin der Fachstelle. Ihr Vorgänger, Rüdiger Schmolke (48), hat die Führung nach knapp zehn Jahren abgegeben. In den wenigsten Fälle gehe es allerdings um die Beratung tatsächlich süchtiger Menschen. Der größte Teil der Vereinsarbeit liegt auf dem Feld der Prävention. Zudem sind es nicht nur die Drogen, über die der Verein aufklärt, sondern der Konsum von allen Dingen, die risikohaftes Verhalten verursachen. Dazu gehört auch etwa der Medienkonsum. „Zu uns kommen von kleinen Kindern bis jungen Erwachsenen alle Menschen, die sich über das Thema verantwortungsbewusster Konsum informieren wollen, ohne bereits süchtig zu sein,“ sagt Rüdiger Schmolke, der als Mitarbeiter in der Fachstelle arbeitet. Für tatsächlich drogenabhängige Menschen sei Chill out nicht zuständig. „Diese Personen vermitteln wir an entsprechende Beratungs- und Therapiestellen.“

Chill out feiert 20-jähriges Jubiläum

Mit einer Reihe von Veranstaltungen auf dem gesamten Freiland-Gelände begeht der Verein Chill out sein 20-jähriges Jubiläum. Am Freitag gibt es ab 9.30 Uhr den Fachtag „Die Segel setzen. Akzeptierende Drogenarbeit 2.0“ mit zahlreichen Vorträgen und Workshops. Die Teilnahme am gesamten Tag kostet 40 Euro und muss auf der Internetseite von Chill out angemeldet werden. Im Rahmen des Fachtages werden auch der Josh-von-Soer-Preis sowie der Lifetime Award verliehen.

Am Abend gibt es um 21 Uhr im Haus 2 einen feierlichen Empfang, den Wolfgang Sterneck (Alice-Project, Frankfurt am Main) mit einem Vortrag eröffnen wird. Und ab 23 Uhr startet im Spartacus die Solidaritäts-Party zugunsten des Chill out.

Nach 20 Jahren hat sich an der Notwendigkeit des Vereins nichts geändert. „Grundsätzlich kann man sagen: solange die Menschen konsumieren, ist es auch notwendig, sie mit Infos zu versorgen,“ sagt Manuela Schulz, Vorstandsvorsitzende im Verein. Schmolke ergänzt: „Man muss den sicheren Drogenkonsum lernen. Und dafür sind wir da. Man muss lernen, dass man die Mittel so konsumiert, dass sie möglichst risikoarm und wenig gesundheitsschädlich sind.“

In der Drogenberatung hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten einiges geändert. „Die Breite der Substanzen hat zugenommen“, sagt Schmolke. „Es gibt eine Vielzahl neuer Drogen, mit denen junge Menschen experimentieren.“ Ihm fehlt in dieser Hinsicht das Verständnis des Staates. So wünscht sich Chill out etwa, dass es Drugcheckings gibt. Das sind Anlaufstellen, in denen Konsumenten illegaler Drogen ihre Substanzen testen lassen können. „Uns geht es darum, dass die Leute wissen, was sie nehmen und welche Risiken damit verbunden sind“, sagt Tietz. Besonders für Erwachsene wäre das ein wichtiges Angebot, da diese selten durch die Arbeit von klassischen Präventionsangeboten erreicht würden.

Außerdem wünschen sich Tietz, Schmolke und Schulz, dass die Stadt Potsdam nachhaltige und stabile Strukturen für die Präventionsarbeit schafft. „Im Moment werden wir zwar von der Stadt gefördert“, sagt Schmolke. „Die Ausschreibung für diese Förderung gilt aber nur drei Jahre. Wenn wir eine Ausschreibung gewonnen haben, müssen wir uns schon an die nächste machen.“ Das sorge für große Unsicherheit unter allen Beteiligten: Ehrenamtlern, Sponsoren und Klienten.

Davon abgesehen läuft es gut im Verein. „Wir haben 25 Freiwillige, die die Arbeit des Vereins ganz wesentlich wuppen“, sagt Tietz. „Ich bin ihnen allen sehr dankbar.“

Von Annika Jensen

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