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Potsdam Chronist des Berliner Biedermeier
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19:49 06.09.2017
Museumschefin Jutta Goetzmann und Kurator Gerd Bartoschek vor dem Bild „Krähenberg über Caputh nach Potsdam“ von Heinrich Hintze. Quelle: Gartenschläger
Innenstadt

Welch eine Idylle! Der Blick schweift vom Krähenberg weit übers Land. Im Vordergrund einige Bäume und Sträucher, rechts zwei Windmühlen, links das Gut Caputh, der Templiner See und ganz, ganz weit hinten am Horizont schließlich die Silhouette von Potsdam mit seinen Kirchtürmen. Gemalt hat das Bild Johann Heinrich Hintze im Jahr 1836. Ab Samstag kann man es im Potsdam-Museum in der Sonderausstellung „Mit Akribie ins Bild gesetzt“ bewundern – nebst 80 weiteren Objekten, die das breite Spektrum des aus Berlin stammenden Landschafts- und Architekturmalers auffächern.

„Heinrich Hintze stand lange Zeit im Schatten seines Kollegen Eduard Gaertner (1801-1877). Das wollen wir ändern“, erklärt Ausstellungskurator Gerd Bartoschek, einst Kustos der Gemäldesammlung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG). Mit der Schau selbst betritt auch das Potsdam-Museum Neuland – ist es doch die erste gemeinsame Ausstellung mit der Schlösserstiftung, wie Museumschefin Jutta Götzmann verkündete.

Heinrich Hintze wuchs mitten im alten Berlin als Sohn eines Schumachers auf. 1814 begann er als 14-Jähriger bei der Königlichen Porzellan-Manufaktur als Malerlehrling seine Laufbahn – so wie Eduard Gaertner. Da sich die Manufaktur mit Absatzschwierigkeiten plagte, mussten beide das Unternehmen nach sechsjähriger Lehrzeit verlassen. „Hintze begab sich auf den risikoreichen Weg als freier Künstler“, berichtet Bartoschek. Der junge Maler begab sich auf Reisen, die ihn nach erst Mecklenburg, dann nach Salzburg, Tirol und später in die preußische Rheinprovinz führten.

Die mitgebrachten Skizzen – beispielsweise von der Marienburg oder dem Kölner Dom – setzte er später in Gemälde und Aquarelle um. Die Darstellungen mittelalterlicher Bauwerke fanden ebenso das Interesse König Friedrich Wilhelms III. wie seine Ansichten von Berliner Straßen und Plätzen und Bilder der Havellandschaft um Potsdam. 71 Werke gelangten in die Aquarellsammlung König Friedrich Wilhelms IV. und seiner Gemahlin Elisabeth. Es finden sich Ansichten von St. Peter und Paul in Nikolskoe (1837), vom Lustgarten des Potsdamer Stadtschlosses (um 1840), von der Terrassenanlage nebst Fontäne in Sanssouci (1843/44) oder vom Konzertzimmer und Marmorsaal im Schloss Sanssouci (1838, 1842/43).

Nach seine Hochzeit hatte Hintze finanziell ausgesorgt

Hintze, der 1830 Marie Sophie Henriette Bergmann, Besitzerin des Langen Weinbergs und Wirtin des Dusteren Kellers am Kreuzberg geheiratet hatte, konnte sich nunmehr bis zu seinem Tode im Jahr 1861 fernab finanzieller Sorgen seiner Kunst widmen. Auffällig ist die akribische Genauigkeit in den Ansichten, die nun erstmals in ganzer Breite nachvollzogen werden kann.

Mit der Erfindung der Fotografie im Jahr 1839 ließ zwar das allgemeine Interesse an der Landschaftsmalerei nach, dennoch war Hintze 1855 bei der Pariser Weltausstellung sogar mit einem großen Gemälde vertreten. „Seine Architektur-, Zimmer- und Landschaftsbilder sind heute Teil des historischen Gedächtnisses. Er gilt als Chronist des Berliner Biedermeier“, erklärt Kurator Gerd Bartoschek.

Wer erfahren möchte, wie Potsdam vor knapp 200 Jahren aussah, sollte die Ausstellung auf keinen Fall verpassen. So gibt die „Aussicht vom Brauhausberg über den Tornow“ aus dem Jahr 1826 eine Vorstellung, wie sich die Havellandschaft bei Hermannswerder dereinst dem Auge des Betrachters darbot und welches gestalterische Potenzial sie damals besaß. Heute ist die Speicherstadt mit Nachwende-Neubauten zugestellt.

Hintzes Aquarell erinnert an Caspar David Friedrich

Hintzes Aquarell von der Langen Brücke im Mondschein (um 1840) erinnert sogar ein wenig an Caspar David Friedrich (1174-1840). Der große Romantiker wie auch Hintze gerieten nach ihrem Tode einige Jahre in die Vergessenheit, ehe sie 1906 bei der Jahrhundertausstellung deutscher Kunst in der Berliner Nationalgalerie wiederentdeckt wurden, wie Gemäldeforscher Bartoschek zu berichten weiß.

Sonderausstellung „Mit Akribi ins Bild gesetzt.Malerei und Graphik von Heinrich Hintze (1800-1861)“ im Potsdam Museum, hier Terrassenanlage und Große Fontäne in Sanssouci von Westen, 1844. Quelle: Bernd Gartenschläger

Im Jahr 1973 gab es im Alten Rathhaus, das damals Kulturhaus Hans Marchwitza hieß, eine Ausstellung zum „Berliner Biedermeier“. Hintze war in jenem Jahr mit vier Ausstellungsstücken vertreten. Nun gibt es am selben Ort die erste Einzelausstellung für den Berliner Landschaftsmaler. So schließt sich ein Kreis.

Die Ausstellung ist vom 9. September bis 26. November 2017 geöffnet. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Von Jens Trommer

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