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Clown-Darsteller haben nichts zu lachen

Halloween in Potsdam Clown-Darsteller haben nichts zu lachen

Auch in Potsdam treiben Horror-Clowns ihr Unwesen und erschrecken Passanten. Sogar zwei Überfälle von Unbekannten in Clownskostümen gab es. Professionelle Spaßmacher finden das gar nicht zum Lachen und werden nach den Horror-Attacken angefeindet. Besonders zu Halloween fürchten sie um ihre Sicherheit

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Die auch in Potsdam beliebten Horror-Clown-Darsteller der Künstlergruppe „Clowned Berlin“ bekommen seit Tagen Drohmails.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. „Wir sind liebe und nette Menschen“, sagt der Clown mit dem gruseligen Gesicht. Die Maske lüften und seinen Namen nennen will er nicht. Aus Angst, selbst Opfer einer Attacke zu werden. „Auf Facebook und per Mail werden wir nach den Vorfällen mit Horror-Clowns beleidigt und angegriffen. Es gab sogar schon eine Morddrohung“, erzählt das Mitglied der Gruppe „Clowned Berlin“, einem Ensemble, das zum Halloween-Wochenende in der Hauptstadt, aber auch in Potsdam und Umgebung für Veranstaltungen gebucht ist. Wo und wann genau die als Horror-Clowns auftretenden Künstler auftreten, wollen sie nicht sagen. „Wir sind wirklich massiv in Sorge“, sagt einer der Darsteller.

Auf ihrer Facebook-Seite distanzieren sich die friedlichen Spaßmacher, die alle anderen Jobs nachgehen und nur hobbymäßig ins Clownskostüm schlüpfen, von den Vorkommnissen der vergangenen Tage in ganz Deutschland.

Auch in Potsdam trieben gestern wieder Horror-Clowns ihr Unwesen. In Eiche wurde eine 20-Jährige bei der nächtlichen Gassirunde mit dem Hund von drei Maskierten erschreckt. Sie rannte geschockt nach Hause. Zwei Mal wurde der Clown-Trend in der Landeshauptstadt schon für kriminelle Zwecke missbraucht: In der Nacht zum 17. Oktober überfielen zwei Unbekannte mit Clownsmasken einen Pizzaladen. Am Dienstag wurde eine Aral-Tankstelle in Bornim überfallen – ebenfalls von einem Täter mit Clownsmaske.

Die Clown-Gruppe hat ein Anti-Gewalt-Video veröffentlicht

„Wir erschrecken natürlich nur zu Halloween! Und das bei Veranstaltungen!“, betonen „Clowned Berlin“, die ein Anti-Gewalt-Video auf ihre Seite gestellt haben, das bereits mehr als 92 000 Mal aufgerufen wurde. Auf ihre Aufforderung, das Erschrecken und Attackieren von Passanten oder gar kriminelle Handlungen unter dem Deckmantel des Spaßmachers zu unterlassen, bekam die Truppe auch wüste Anfeindungen. „Einer drohte uns, uns mit einem Stich ins Herz zu töten“, erzählt einer der Hobby-Clowns. Dass sich Leute als Horror-Clowns verkleiden, um anderen auf der Straße Angst einzujagen, sei zu verurteilen, sagen die geschulten Erschrecker. „Selbstjustiz geht aber auch nicht“, meint ein „Clowned“-Mitglied.

Doch nicht nur professionelle Erschrecker haben dieser Tage wenig zu lachen. Selbst die Potsdamer Klinikclowns, die kranke Kinder im oft tristen Klinikalltag aufheitern und mit fröhlich geschminkten Gesichtern gute Laune verbreiten wollen , werden angegangen. Per Mail wurden schon Hassbotschaften an die Gruppe geschickt.

Pipo und Pipolina hingegen haben nach den Vorkommnissen bislang keine negativen Konsequenzen für ihr Geschäft gespürt. Das Potsdamer Ehepaar tritt seit den 80er Jahren im Clownskostüm auf – hauptberuflich. „Ich habe sogar noch einen Berufsausweis aus DDR-Zeiten“, sagt Annegret Mörke alias Pipolina. Die Lehrerin für Sport und Zeichnen schlüpft seit 1983 in verschiedene Kostüme, um Menschen Spaß zu bereiten. Seit 1985 ist ihr Mann Burghard als Pipo auch auf der Bühne an ihrer Seite. Viele Jahre traten die beiden Zauberkünstler im Heidepark Soltau auf, aber auch in der Region ist das Clowns-Duo beliebt – trotz Horror-Clown-Attacken. „Am Mittwoch waren wir im Kindergarten in Neuseddin“, erzählt Pipolina. „Die Kinder waren begeistert, haben uns umarmt. Bislang haben wir keine negativen Reaktionen erlebt“, sagt sie. „Clown ist nicht gleich Clown“, betont die Künstlerin. Mit Leuten, die sich nur zum Spaß verkleiden, hätten die Profi-Clowns nichts gemeinsam. Die Horror-Clown-Welle, die aus den USA bis nach Potsdam geschwappt sei, werde bald wieder abebben. „Das ist jetzt eine Mode zu Halloween, die bald wieder vorbei sein wird“, hofft sie.

Im Filmpark Babelsberg ist man jedenfalls vorbereitet und will sich den Spaß am professionellen Grusel nicht nehmen lassen, wie Sprecherin Liane Nowak erklärt. Die Zuschauer dürfen zu den Horror-Nächten nur unkostümiert aufs Gelände. Am Eingang gibt es Kontrollen. Vor den Darstellern, die im Einsatz sind, bräuchte niemand Angst zu haben. „Die sind alle lieb“, betont Nowak – auch wenn sie vielleicht nicht so aussehen.

Halloween in der Region

Im Filmpark Babelsberg sind am Samstag und Sonntag ab 18.30 die Horrornächte zu erleben. Gruselfans ab 16 Jahren dürfen dabei sein.

Im Kirchsteigfeld steigt am Montag auf dem Marktplatz die Halloween-Party des SC Potsdam. Von 15 bis 18 Uhr gibt es Spaß- und Spielstationen und ein Gruselzelt für kleine Monster sowie eine Kostümprämierung.

In Stahnsdorf wird am Montag um 17  Uhr Halloween gefeiert. Bürgermeister Bernd Albers (BfB) lädt Hexen und Gespenster in das Gemeindezentrum in der Annastraße 3 ein.

Die Kammerspiele Kleinmachnow veranstalten am Montag um 16 Uhr ein Halloween-Special.

 

Von Marion Kaufmann

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