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Potsdam Creso will an den Hauptbahnhof
Lokales Potsdam Creso will an den Hauptbahnhof
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00:23 16.03.2019
Streetworker Alexander Hartmann und Johanna Lütkehölter am Tresen im Staudenhof-Quartierstreff. Quelle: Stefan Gloede
Innenstadt

„Mike, fällt dir was ein?“, Kiki drängelt. Der Mann auf der Bank neben ihr blickt vor sich hin, schweigt, sagt dann: „Irgend was Schnelles.“ Zu dritt sitzen sie am Dienstagmittag um einen Clubtisch im Quartierstreff am Staudenhof: Monika (58), Kiki (28) und Mike (40).

Einmal im Monat laden die Streetworker der Creso-Obdachlosenhilfe dort zum gemeinsamen Kochen ein. Gerade hat Johanna Lütkehölter (32) in die Runde gefragt, was es heute geben soll.

„Auf die Schnelle gibt’s nichts“, sagt Kiki, und dann genervt: „Mike, legst du mal dein Handy weg?“ Monika hätte gern Frikadellen. „Mit Mischgemüse am besten.“ Das bestellt nun auch Kiki – mit Kartoffeln. Lütkehölter fragt: „Kommt noch wer? Sonst gehen wir einkaufen.“ „Wo?“, fragt Kiki. „Im russischen Supermarkt nebenan“, sagt die Streetworkerin. Seit 2017 arbeitet sie bei der „Creative Sozialarbeit gGmbH“, kurz Credo.

Frühstück dienstags in der Gartenstraße

Kostenloses Frühstück gibt es seit 2012 immer dienstags von 11 bis 13 Uhr im Seminarraum von Creso in der Gartenstraße 42 in Babelsberg. Seit 2018 wird einmal im Monat auch im Staudenhof gekocht. Manchmal kommen sechs Gäste, manchmal auch weniger, sagt Mike. Heute sind es drei.

Monika war Raumpflegerin, ist wegen der Bandscheibe nicht mehr vermittelbar, hat eine kleine Wohnung in der Waldstadt und kommt, weil sie die Gesellschaft schätzt. Mike wohnt am Schlaatz und lernte Kiki vor fast genau einem Jahr bei einem Trebezug am Bahnhof Zoo in Berlin kennen. Seitdem sind sie ein Paar.

Alexander Hartmann und Monika mit einer Schüssel voll Gehacktem am Küchentisch. Quelle: Stefan Gloede

Seit 2010 ist Creso in Potsdam aktiv. Im Auftrag der Stadt sind die drei Mitarbeiter der erste Kontakt für Menschen auf der Straße, die älter als 27 Jahre sind. Ihr Auftrag: Wohn- und Integrationshilfe, psychosoziale Betreuung, Lebenserhaltung. 150 Kontakte mit Hilfebedürftigen hätten sie pro Jahr, sagt Lütkehölter, rund 30 Personen betreuten sie regelmäßig.

Neue anonyme Selbsthilfegruppe für Frauen

Besondere Zuwendung brauchten die Frauen, deren Anteil an der Gesamtzahl der Obdachlosen auf 20 Prozent geschätzt wird. Seit einigen Wochen gibt es bei Creso Potsdam eine anonyme Selbsthilfegruppe für Frauen, die mit Obdachlosigkeit und Gewalt konfrontiert sind. Telefonkontakt: 0176/12 10 98 96.

Einsatzschwerpunkt der Streetworker sind der Hauptbahnhof und das Bahnhofsumfeld. Dreimal pro Woche kommen sie hier her. Der Hauptbahnhof sei „schon der Punkt, wo alle ankommen, wo man sich trifft“, sagt Lütkehölters Kollege Alexander Hartmann (33), der mit ihr zum Kochen in den Staudenhof gekommen ist.

Ein echter sozialer Hotspot aber sei das nicht. Immer wieder einmal gibt es Polizeimeldungen über Schlägereien und Delikte unter Alkohol, doch das dürfe man nicht überbewerten, sagt Lütkehölter: „Wo sich viele Menschen treffen, gibt es auch mehr Konfliktpotenzial.“

Berlin ist ungemütlich geworden

Mike bestätigt das: Berlin sei ungemütlich geworden. In Potsdam hingegen, auch am Hauptbahnhof, wo er gern einmal mit Bekannten ein Bier trinkt, sei ihm noch nie etwas zugestoßen. Keine Gewalt, auch keine Vertreibung.

Trotzdem wünscht Johanna Lütkehölter sich dort mehr Präsenz, schon um einen festen Anlaufpunkt für Hilfsbedürftige zu haben. Bereits seit längerem werde über die Eröffnung eines Sozialraums diskutiert.

Rathaussprecherin Christine Homann bestätigte am Nachmittag auf Anfrage: „Ja, es gibt Bemühungen, im Bahnhofsgebäude einen ,Sozialraum’ als Aufenthaltsraum einzurichten. Es wird geprüft, ob die von der Stadt im Center angemieteten Räume als Sozialraum mitgenutzt werden können.“ Ergebnisse stünden allerdings noch aus.

Im Staudenhof sollte es am Dienstagmittag zunächst wieder ums gemeinsame Essen gehen. Lütkehölter rief zu Kiki, die sich hinter dem Tresen zu schaffen machte: „Kannst du mal nachsehen, ob noch Mehl da ist?“ Dann drückte sie Monika Geld in die Hand. Für den Einkauf.

Das Rathaus rechnet mit 300 Wohnungslosen

Die Creso Creative Sozialarbeit gGmbH mit Sitz in Berlin wurde 2010 gegründet. Noch im selben Jahr wurde ihr in Potsdam der Zuschlag für Streetwork mit Zuständigkeit für die über 27-jährigen Obdachlosen erteilt. Jüngere Obdachlose werden vom Wildwuchs-Projekt der Stiftung SPI sowie stationär versorgt.

Die Gesamtzahl der Obdachlosen in Potsdam wird nach Angaben von Rathaussprecherin Christine Homann auf 50 Menschen geschätzt. Hinzu kämen rund 250 Personen, die als wohnungslos erfasst und in öffentlich-rechtlichen Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe wie dem Obdachlosenheim, dem Heim „Junge Wilde“ oder im Familienhaus untergebracht sind.

Der Vertrag mit Creso in Potsdam wurde nach Angaben von Johanna Lütkehölter, der Leiterin der Potsdamer Projekts, zum Jahreswechsel über drei Jahre verlängert. Aktuell hat das Projekt nach ihren Angaben drei Mitarbeiter mit insgesamt 80 Wochenstunden Arbeitszeit.

Insgesamt hat die Gesellschaft mit Niederlassungen in sieben Berliner Stadtbezirken sowie in Potsdam und Magdeburg (Sachsen-Anhalt) nach Angaben von Lütkehölter rund 150 Mitarbeiter.

Von Volker Oelschläger

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