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Potsdam DDR-Liederabend am Hans-Otto-Theater
Lokales Potsdam DDR-Liederabend am Hans-Otto-Theater
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15:28 09.10.2018
Bettina Riebesel und Jörg Dathe präsentieren in der „Reithalle Box“ DDR-Lieder. Quelle: Bernd Gartenschläger
Schiffbauergasse

„Als ich ein Kind noch war, da war mir gar nicht klar, wohin die Vögel gehn, wenn kalt schon die Winde wehn.“ So beginnt das 1979 von der Dresdener Band Lift veröffentlichte Lied „Nach Süden“. Am Donnerstag ist es titelgebend für den ersten DDR-Liederabend in der „Reithalle Box“, einem neu eingerichteten Club des Hans-Otto-Theaters in der Reithalle am Eingang des Kulturviertels Schiffbauergasse.

Der Raum mit fünf geschwungenen Podestreihen für die Zuschauer ist anthrazit und ziegelrot gehalten in Anlehnung an die Farbgestaltung des Saals im Großen Haus und an das Äußere mit dem Bühnenturm und den Muschelschalen über dem Glasfoyer.

Mit einer Offenen Probe für „Occident Express“, Premiere ist am 19.  Oktober, wurde der neue Raum am Montag erstmals für das Publikum geöffnet. Am Donnerstag folgen die neu nach Potsdam gekommenen Schauspieler Bettina Riebesel (53) und Jörg Dathe (54), die mit ihrem Liederprogramm als Mitglieder des Stadttheaters in Potsdams Schweizer Partnerstadt Luzern debütierten und es nach ihrem gemeinsamen Wechsel an die städtische Bühne in Konstanz am Bodensee weiter ausgebaut haben.

Beide sind in der DDR aufgewachsen. Riebesel stammt aus Halle an der Saale, Dathe aus Pirna bei Dresden. Zur Wende 1989 hatten beide bereits ihre ersten festen Engagements.

Riebesel hatte in Leipzig noch erlebt, wie die Leute für Stücke wie „Die Übergangsgesellschaft“ von Volker Braun „bis um die Ecke in der Schlange standen“. Montags wurde geprobt und irgendwann im Oktober zogen immer zur Probenzeit unten die Demonstranten um den Ring und riefen „zu uns hinauf: Kommt herunter, reiht euch ein!“ Dathe war mit dem Geraer Ensemble auf einer Theaterfahrt in der Sowjetunion. Und als am 10. November die Reiseleiterin ihnen zurief, die Mauer sei gefallen, „da habe ich gedacht: So einen Scherz muss man erst mal draufhaben“.

Zusammen fanden Riebesel und Dathe 1996 in Leipzig bei den Proben zur „Rocky Horror Picture Show“ unter der Regie von Brecht-Tochter Johanna Schall. Er war Riff Raff, sie Magenta: „Ich zeigte ihr, wie man zum Offbeat tanzt, und seitdem sind wir ein Paar.“ 2006 ging er an das Theater in Luzern, sie folgte 2008. Das Schweizer Publikum, sagt Dathe, sei „oft sehr konservativ: Sie gucken sich alles an, sagen aber kaum etwas dazu. Vielleicht ein ,Es ist sehr speziell’, wenn es ihnen nicht gefallen hat.“

Die Idee zum DDR-Liederabend sei in der Schweiz „ganz langsam entstanden“, sagt Dathe. In der Matthäuskirche, in der 140 Jahre davor Komponist Richard Wagner seine Cosima ehelichte, hatte er eine eigene Veranstaltungsreihe meist mit Lesungen. Dann gab es diese Gespräche mit dem Publikum, das fragte: „Ja wie war denn das im Osten, das muss ja furchtbar gewesen sein?“

Alltagserinnerungen präsentierten Riebesel und Dathe schließlich mit Liedern wie „Löwenzahn“ von der Magdeburger Band Reform,„Jugendliebe“ von Ute Freudenberg, „EKG“ von Silly oder auch Veronika Fischers „Auf der Wiese haben wir gelegen“: „Das Ganze ist verknüpft mit autobiografischen Verdichtungen“, sagt Riebesel.

Etwa von den Tränen ihrer Mutter, in der lange nach dem Mauerfall beim Anblick eines Expresszuges nach Paris die Erinnerung an das alte Fernweh aufbricht. Spezielle Reminiszenz erfährt ein verstorbener Freund, der bei einer bestimmten Band immer auffuhr: „Nicht das!“ Nun haben sie „Weißes Boot“ von den Roten Gitarren extra im Programm, sagt Dathe: „Und immer wenn ich es singe, denke ich an ihn.“

Info Liederabend am Donnerstag, 11. Oktober, um 19.30 Uhr. Weitere Termine am 26. Oktober um 19.30 Uhr, am 11. und 25. November um 17 Uhr und am 1. Dezember um 19.30 Uhr.

Schwimmbad ohne Wasser

Die Reithalle A der einstigen Garde-Husaren ist die älteste Spielstätte im Kulturviertel Schiffbauergasse. Im Mai 1992 war dort als erste Veranstaltung auf der Industriebrache die Premiere der „Großen Aufführung“ des Nekrophilen Kabinetts, einer vom Hans-Otto-Theater (HOT) unterstützten Gemeinschaftsproduktion der Freien Kulturszene 

Die Eröffnungspremiere des HOT mit „Der Großinquisitor“ zur Tausendjahrfeier Potsdams im März 1993 fiel aus, weil die Halle unmittelbar vor dem Termin von der Baupolizei wegen „illegaler Nutzung“ gesperrt wurde.

Mehr als fünf Jahre herrschte Ruhe auf der Baustelle. Am 1. Oktober 1998 eröffnete die für drei Millionen Euro für die Kinder- und Jugendsparte des HOT ausgebaute Spielstätte unter Intendant Ralf-Günter Krolkiewicz mit einer Doppelpremiere: „Aristophanes für Kids“ für die Jüngeren und „Vom Geschlecht der Frau als Schlachtfeld ...“ für die Älteren.

Intendant Uwe Eric Laufenberg übernahm die Spielstätte samt Nutzung 2004 und verlieh ihr 2007 mit einer fest installierten Schwimmbad-Kulisse in Anspielung auf die damalige Spaßbad-Diskussion für den Brauhausberg einen besonderen Akzent.

Intendant Tobias Wellemeyer löste die Kinder- und Jugendsparte 2009 auf und ließ den Schriftzug „Junges Theater“ abschrauben. Im Foyer der Reithalle eröffnete er zunächst einen „Nachtboulevard“ für Politik und Unterhaltung, der 2016 nach 300 Veranstaltungen durch ein „Forum“ abgelöst wurde.

Unter Intendantin Bettina Jahnke gibt es mit der „Reithalle Box“ einen erneuten Wandel. Am Donnerstag ist in dem neuen Club des Hans-Otto-Theaters mit dem DDR-Liederabend von Beate Riebesel und Jörg Dathe die erste Potsdam-Premiere.

Von Volker Oelschläger

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