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Dachsturz in der Einsteinstraße

Ärger in Potsdamer Sanierungskarree Dachsturz in der Einsteinstraße

In der Einsteinstraße am Potsdamer Brauhausberg sind Teile des Dachs vor einen Hauseingang gestürzt. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Das Haus gehört zu einem Altbauquartier, das laut Stadtverordnetenbeschluss von der städtischen Bauholding Pro Potsdam in einem Modellprojekt in Kooperation mit den Mietern saniert werden soll.

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Anwohner Martin Zech und Yeni Harkanyi im Südhof.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Am 7. Juni, einem Mittwoch, stürzte auf dem Hinterhof der Albert-Einstein-Straße 16 ein Teil des Dachs zu Boden. „Ich hörte einen lauten Knall“, berichtet Yeni Harkanyi, Mutter einer siebenjährigen Tochter. Es war gegen 9.30 Uhr. Erst vor einer halben Stunde hatten Eltern die letzten Kinder aus dem Aufgang zur Kita gebracht. Auf dem Pflaster vor der Tür lagen schwere Putzbrocken, Holzsplitter und Ziegeltrümmer: „Das hätte auch einen Erwachsenen erschlagen“, sagt Yeni Harkanyi mit Wut in der Stimme.

Harkanyis Hinterhof, der so genannte Südhof, ist das Epizentrum des von der Mieterinitiative „Mieteschön“ vertretenen Altbauquartiers Brauhausberg/Einsteinstraße, das laut Stadtverordnetenbeschluss ebenso wie die Heidesiedlung in Babelsberg und das Behlertkarree in der Innenstadt in einem Modellprojekt von der Pro Potsdam in Kooperation mit den Mietern saniert und entwickelt werden soll.

Hinterhofeingang zur Albert-Einstein-Straße am 7

Hinterhofeingang zur Albert-Einstein-Straße am 7. Juni kurz nach 9.30 Uhr mit den herabgestürzten Trümmerteilen.

Quelle: Privat

Doch am Brauhausberg hängt der Haussegen schief. Zum sinnfälligen Bild wurde im letzten Jahr der Kampf der Anwohner um eine bei den Kindern beliebte Trauerweide. Nach einem von der Pro Potsdam beauftragten Gutachten sollte sie gefällt werde. Ein Gegengutachten im Auftrag der Mieter ergab, dass der Baum noch 15 Jahre stehen kann. Nach einem dritten Gutachten, nun wieder für die Pro Potsdam, wurde der Ast abgesägt, an dem die Kinder schaukelten. Gefolgt von der Ankündigung, dass die Weide Ende 2017 fallen werde.

Die Mieter wollen so wenig Sanierung wie nötig, wie Michael Wawarek als Sprecher erklärt, damit die Wohnungen bezahlbar bleiben. Die Pro Potsdam verfolgt laut Sprecherin Jessica Beulshausen dasselbe Ziel – die Sicherung günstigen Wohnraums – mit einer anderen Strategie. Über Fördermittel sei es gelungen, dass 75 Prozent der Wohnungen nach der Sanierung mit Mieten zur Hälfte für 5,50 Euro pro Quadratmeter, zur anderen Hälfte für bis zu 7 Euro pro Quadratmeter verfügbar seien.

Wawarek kritisiert, dass für Bestandsmieter ohne Wohnberechtigungsschein zu Beginn des Beteiligungsprozesses eine Nettokaltmiete von 6,50 Euro angekündigt war. Doch nach einem im April an die Haushalte verteilten Prospekt wurden 7,50 Euro daraus. Beulshausen sagt, die anfangs „kommunizierten Mieten waren Annahmen, keine Festlegungen“.

Differenzen gibt es auch zu Details bei der Sanierung. Wawarek nennt geplante Balkone zum Südhof überflüssig und kostentreibend. Die Balkonfrage findet sich als Empfehlung auch in einem Anfang 2016 vom Rathaus-Fachbereich für Kommunikation vorgelegten Zwischenbericht für den Hauptausschuss: „Es wird angeregt, in einigen Teilen der Wohnsiedlung – so etwa im so genannten Südhof – zugunsten eines günstigeren Mietzinses auf Balkone zu verzichten.“ Laut Beulshausen wird bei 36 der insgesamt 120 Wohnungen etwa in Dachgeschoss und Ecksituationen auf Balkons verzichtet. Nach „Abstimmung mit dem Fördermittelgeber zum Balkonbau vor Ort“ am 6. Oktober 2015.

Während Wawarek für „Mieteschön“ behauptet, die Bürgerbeteiligung „verläuft im Sande“, hält Beulshausen dagegen, dass die Pro Potsdam mit der Mehrheit der Mieter konstruktiv im Gespräch sei.

Aktuelles Ärgernis auf dem Südhof sind die nach dem Dachsturz aufgestellte Absperrungen entlang der Hauswände. Laut Beulshausen sollen bis Freitag die Sicherungsarbeiten über sieben Eingängen im Hof erledigt und die Sperrungen dort entfernt sein. Das ist eine gute Nachricht für die Aktiven von „Mieteschön“, die am Sonnabend ab 15 Uhr zum Sommerfest auf den Südhof einladen. Der Wermutstropfen: An zwei Aufgängen würden für die Instandsetzung laut Pro-Potsdam-Sprecherin noch zwei Wochen Zeit benötigt: „So lange muss dieser Bereich aus Sicherheitsgründen gesperrt sein.“

Wann mit der Sanierung des Karrees begonnen wird, ist offen. Der zum 29. Mai geplante Baubeginn für die bereits freigezogenen Wohnungen am Brauhausberg 32-35 ist aufgeschoben, wie Beulshausen auf Anfrage bestätigte. „Wir mussten für einige Gewerke neu ausschreiben, was leider zu einer Zeitverzögerung führt.“ Die Mieter seien bereits zu einer Informationsveranstaltung am 20. Juli eingeladen, in der über die weitere Bauplanung informiert werden soll.

Von Volker Oelschläger

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