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Potsdam Daheim bei drei irdischen Damen
Lokales Potsdam Daheim bei drei irdischen Damen
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08:25 06.09.2017
Das Landhaus Zankapfel hat einen urtümlich, liebenswürdigen Charakter. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Babelsberg

Vielleicht war es am Ende sogar Glück, dass Emilie Winkelmann – am Tag der Prüfung! – das Staatsexamen an der Technischen Hochschule Hannover verwehrt blieb. In einer Zeit, da man in Preußen überhaupt keine Frauen zum Studium zuließ, hatte sie sich Dank Abkürzung ihres Vornamens an die Hochschule gemogelt. Vier Jahre später geht „E.“ – nun ihrerseits um den Abschluss betrogen – nach Berlin und gründet als erste selbstständige Architektin Deutschlands ihr eigenes Büro. Villen, Land- und Gutshäuser, Fabriken und öffentliche Gebäude: Schnell erwirbt sich Emilie Winkelmann (1875-1951) einen erstklassigen Ruf. Ihr Name wird in einem Atemzug mit Alfred Messel, Joseph Maria Olbrich und Hermann Muthesius genannt. Eines ihrer frühen und schönsten Häuser steht in Potsdam und ist am Tag des offenen Denkmals am 10. September zu besichtigen: das an der heutigen Rosa-Luxemburg-Straße 13 gelegene Landhaus Zankapfel. Die Familie Erbeldinger, die das Haus 2007 erwarb und seit 2010 auch bewohnt, lädt von 14 bis 18 Uhr in den Garten und ins Erdgeschoss ein.

Blick ins Erdgeschoss: Die Treppe ist eines der wenigen Stücke des Originalinventars, das erhalten geblieben ist – heute in Szene gesetzt von einer goldenen Wand Quelle: Bernd Gartenschläger

„Emilie Winkelmann selbst hat dem Haus den Namen ,Zankapfel’ gegeben“, sagt der für die Villenkolonie Neubabelsberg zuständige Denkmalpfleger Jörg Limberg. „Welchen tieferen Sinn der Name hat, wissen wir nicht.“ – „Vielleicht“, mutmaßt Katharina Erbeldinger, „heißt das Haus so, weil hier drei streitbare Damen lebten, die womöglich – ganz so wie die drei griechischen Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite – auch in ihrer Schönheit konkurrierten?“

Bei den drei durch und durch irdischen Damen handelt es sich um die Offizierswitwe Jenny Grupe und ihre erwachsenen Töchter, die Künstlerinnen Adele und Margot. Für sie entwarf Emilie Winkelmann das Haus, das je nach Quelle im Jahr 1908 oder 1910/11 errichtet, sicher aber 1912 bei der Ausstellung „Die Frau in Haus und Beruf“ vorgestellt wurde und einst mit der benachbarten Villa Vorberg eine städtebauliche Einheit bildete. Mit Margarete Vorberg verband die Schwestern Grupe mehr als nur die Nachbarschaft: Die Frauen kannten sich aus dem 1905 gegründeten Lyceum-Club, der nicht nur Künstlerinnen anzog, sondern auch Aktivistinnen der Frauenbewegung. Emilie Winkelmann, ebenfalls Club-Mitglied, setzte sich ihrerseits für die Frauenbewegung ein und baute unter anderem die erste deutsche Frauenheimstätte, ein Wohnheim ausschließlich für ledige Frauen.

Nach nahezu drei Jahren Planungs- und Bauzeit ist Katharina Erbeldinger im Sommer 2010 mit ihrer Familie in das Landhaus gezogen. Quelle: Bernd Gartenschläger

1923 verkauften die Schwestern Grupe das Landhaus Zankapfel und zogen nach Prieros (Dahme-Spreewald), wo sie eine Haushaltungsschule gründeten. „Sie widmeten sich ganz und gar ihrem Beruf und blieben zeitlebens unverheiratet“, sagt Katharina Erbeldinger, die mit den Großnichten in Kontakt steht. „Obwohl sie nie hier lebten, fühlen sie sich sehr mit dem Haus verbunden – es ist darüber viel in der Familie erzählt worden.“

Das tief herabgezogene Mansardendach gibt dem Landhaus Zankapfel von außen betrachtet seinen urtümlichen und liebenswürdigen Charakter. Innen besticht es mit einem lebendigen Grundriss: Die Aufteilung der Räume weist darauf hin, dass Emilie Winkelmann die Gleichberechtigung der drei Frauen selbst in der Ausrichtung auf den Sonnenstand berücksichtigt hat.

Das tief herabgezogene Mansardendach prägt den äußeren Charakter. Quelle: Bernd Gartenschläger

Von all dem, was sich die Architektin eins dachte, war allerdings nichts mehr zu erkennen, als Katharina Erbeldinger und ihr Mann den Kaufvertrag im Herbst vor nunmehr zehn Jahren unterzeichneten. Das lange von der Filmhochschule genutzte und später leer stehende Haus war nicht nur in einem desolatem Zustand, es war durch An- und Umbauten auch entstellt. „Die Rekonstruktion war ein Detektivspiel“, sagt Katharina Erbeldinger, „ein Abenteuer, bei dem wir viel gelernt haben und das uns große Freude bereitet hat.“

Allein für die Planung hatte man sich ein Jahr Zeit genommen – Zeit nehmen müssen. Denn Dokumente gibt es zum Landhaus Zankapfel nicht: Emilie Winkelmanns Büro war im Krieg ausgebrannt. Bis auf zwei Schranktüren und die Treppe, die vom zentralen Wohnraum in die oberen Stockwerke führt, ist auch vom einstigen Mobiliar nichts erhalten. Sogar das Gutachten des Farbexperten blieb unergiebig.

Dass das Landhaus heute wieder ein so ursprüngliches und vitales Bild abgibt, ist der guten Zusammenarbeit der Bauherren, ihres Architekten und der Denkmalschutzbehörde zu verdanken – und findigen Handwerkern wie dem Potsdamer Maler und Restaurator Matthias Boehlke. Er hat dem Landhaus seine Farben und sein Strahlen zurückgegeben. Dabei hat Boehlke ganz und gar auf die Kraft der Natur gesetzt. „Die Atmosphäre des Haues ergibt sich aus den Materialien“, begründet er seine Wahl. „Die Wände müssen Licht und Luft atmen können. Ein gesundes Haus wirkt sich auch positiv auf die Gesundheit seiner Bewohner aus.“

Ein Blick in die Gärten und in ausgewählte Räume

Vom 8. bis 10. September findet der Potsdamer Dreiklang aus Jazztagen, der Kunst-Genuss-Tour und dem Tag des offenen Denkmals statt.

Der Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September, steht bundesweit unter dem Motto „Macht und Pracht“. In Potsdam können 59 Denkmale besichtigt werden.

Schwerpunkt ist die Villenkolonie Neubabelsberg. 22 Villen und Landhäuser laden in die Gärten ein. Etwa die Hälfte – darunter das Landhaus Gugenheim und die Villen Tauber, Herpich, Heimann, Goldschmidt, Gumpert – öffnet auch ausgewählte Räume.

Bei uns bereits vorgestellt: Landhaus Gugenheim, in der Villa Fritzsche, dem Landhaus Cramer, in der Arnim’sche Kapelle auf dem Alten Friedhof, in der Villa Vorberg und der Villa Herpich, auch bekannt als Stalin-Villa, auf dem Alten Friedhof in Klein Glienicke und in der Villa von Dechend.nf

Von Nadine Fabian

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