Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Das Auge des Kaimans
Lokales Potsdam Das Auge des Kaimans
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:03 08.09.2017
Kathi Sarue mit einer ihrer Spielkarten und Susana Arwas mit Werbung für das Kaiman-Museum in San Fernando de Apure. Quelle: Fotos: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Der Kaiman ist die Seele des Flusses. Doch in Krisenzeiten zieht er als Schatten um die Stadt und hinterlässt auf dem Asphalt die Spur seines riesigen Schuppenschwanzes. Um den Kaiman, das mächtigste Raubtier des Kontinents, ranken sich viele Legenden in Venezuela. Alexander von Humboldt war auf seiner ersten Amerikareise 1799 der wissenschaftliche Namensgeber des bis zu sieben Meter langen „Crocodylus intermedius“.

Der Kaiman ist kein Feind des Menschen. Susanna Arwas, Künstlerin aus Caracas, erzählt von einem Mädchen namens Trina Omeira Salerno, das 1936 den Apure-Strom durchschwamm, in dem es von Krokodilen und Piranhas nur so wimmelte. Trina wurde zur Ikone. Bis heute sind viele Geschäfte und Anlagen in der Apure-Ebene nach ihr benannt. Und sie erzählt von Negro, dem sanftmütigen Alligator-Weibchen des Uhrmachers Faoro, auf dem die Kinder ritten. Als Negro starb, wurde sie einbalsamiert.

Edgar Moreno, ein Künstlerfreund von Susanna Arwas, hat Negro mit einer Lochkamera fotografiert. Auf einem seiner Bilder hat sich die betagte Dame halb in einer Abstellkammer versteckt, nur der gewaltige Schuppenschwanz ragt unter dem Vorhang hervor. Ein anderes Foto von Edgar Moreno zeigt Negro schon verstorben und präpariert mit geöffnetem Maul in einer gläsernen Vitrine, die in einem gar nicht so kleinen Raum von einer Wand bis zur anderen reicht.

Das Kaiman-Auge auf dem Trommelfell von Susana Arwas. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Un Crocodilo Ilamado Caimán – Ein Krokodil namens Kaiman“ ist der Titel einer Ausstellung, die Arwas und Moreno im Juni gemeinsam mit Freunden aus Deutschland in Caracas zeigten. Ein Teil dieser Arbeiten geht nun auf Welttournee mit Stationen in Hamburg, Barcelona, Afrika, Australien und den Philippinen. Die erste Vernissage außerhalb aber ist am Sonnabend in der in der A/E-Galerie in Potsdam.

Einen Namen machte sich Galeristin Angelika Euchner mit einer Serie von Kunstausstellungen über orientalische Metropolen und Regionen, über Orte wie Istanbul, Kairo, Palästina oder Muscat, die Hauptstadt von Oman. 2012 in einer Ausstellung über Damaskus kurz vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs zeigte sie auch Arbeiten des aus Potsdam stammenden Bildhauers Ernst J. Petras und seiner Partnerin Kathi Sarue. Im September 2014 zogen die beiden, ermöglicht durch einen Lehrauftrag für die Künstlerin, auf drei Jahre nach Caracas um.

In die Künstlerszene der venezolanischen Metropole fanden sie schnell hinein, und zu ihren ersten neuen Bekannten zählten Susana Arwas und Edgar Moreno, die ihnen auch vom Kaiman erzählten. Und von ihrem Projekt, einem Kaiman-Museum in San Fernando de Apure, der Hauptstadt des Bundesstaats Apure. Vieles von ihrem dafür recherchierten Material ist nun in der kleinen Potsdamer Galerie, die angefüllt ist wie eine Wunderkammer. Die Sammlung Morenos mit Büchern, Fotografien und Dokumenten zum Kaiman als Haustier und zum Kaiman als mythenumwobenes Wesen findet ihren Kommentar in der Kunst seiner Partner.

Ernst J. Petras mit einer Metallskulptur vor seiner wandfüllenden Schlangenhaut. Quelle: Bernd Gartenschläger

Am distanziertesten ist Kathi Sarue, die als Abbild vom Abbild Filmsequenzen fotografierte und in größerem Format an die Wand brachte; die über ein Jahr hinweg einen Spielzeugkaiman, egal wo sie war, auf jedes sich bietende Muster setzte und ablichtete, um mit den Fotos bunte Spielkarten zu besetzen. Ernst J. Petras gestaltete Metallskulpturen, die die Struktur der urzeitlichen Knochenplatten des Kaimans zitieren. Und er klebte aus den Blättern einer Staude namens Rikiriki einen Teppich, der eine Wand füllt wie eine riesige, atmende Schlangenhaut. Susana Arwas Installationen erfüllen die Räume mit rätselhaftem Leben. Ins Gedächtnis brennt sich das Kaiman-Auge, dessen Fotografie sie auf Leder als Trommelfell aufgezogen hat.

Info Charlottenstraße 13, Vernissage Sa 17-23 Uhr, Ausstellung bis 18. Oktober, Mi–Fr 15–19 Uhr, Sa 12–16 Uhr.

Von Volker Oelschläger

Potsdam Öffentlicher Nahverkehr - In Potsdams Bussen bleibt es eng

Elfmal gab es 2016 in Potsdam Beschwerden, weil Frauen mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer mangels Platz nicht von Bussen mitgenommen wurden. Die Stadtverordneten haben den Verkehrsbetrieb daraufhin beauftragt, eine Erweiterung der Kapazität auf den betroffenen Linien zu prüfen. Jetzt liegt das Ergebnis vor.

08.09.2017

Das Wochenende steht vor der Tür, aber wenn man der Wetterprognose glauben mag, lässt man das Wochenende lieber draußen vor der Tür stehen. Es wird ungemütlich. Für die 24-Stunden-Staffelläufer heißt es daher heute: Regenfeste Kleidung einpacken. Könnte sein, dass das miese Wetter sogar bis Sonntag anhält. Für einige wird es dann Wasser von oben und von unten geben.

08.09.2017

Noch mehr Gegenwind für den AfD-Politiker Björn Höcke: Anlässlich seines Auftritts am Sonnabend in Potsdam wurde nun eine dritte Gegen-Demo in unmittelbarer Nähe angemeldet.

07.09.2017