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Potsdam Das Dorfleben im Eisenbahndreieck
Lokales Potsdam Das Dorfleben im Eisenbahndreieck
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19:45 01.06.2016
Manfred Schrirdewahn pflegt seinen Garten seit 1989.
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Potsdam West

Nicht nur einen „Hackfleisch-Schein“, sondern einen „Nachweis zur Führung von Gaststätten“ hat Harry Przybyla zu DDR-Zeiten gemacht. Den brauchte er damals, um eine Gaststätte betreiben zu können, erzählt der Wirt. Heute reiche da eine Belehrung, wie man mit Hackfleisch umzugehen habe „und dann ist jut“, sagt er lachend. Harry Przybyla führt seit 2000 das Gartenlokal „Am Kaiserbahnhof“ im Potsdamer Westen.

Die heutige Wirtschaft wurde nach wechselnden Besitzern von der Kleingartenkolonie „Geschwister Scholl“ renoviert und als Vereinsheim genutzt. Sie ist heute noch in Vereinshand.

Wirt war mit damaligen Job unzufrieden

Harry Przybyla hatte anfang der 1980er-Jahre keine Lust mehr als Computertechniker einen Großrechner zu bedienen. Er kündigte und half seiner Frau, einer Gastronomin, aus. „Das hat mir Spaß gemacht. Da spielt das Leben“, offenbart Przybyla, von da an Vollzeitwirt. Nach Aufenthalten in Werder, Seddin und Caputh landete der gebürtige Potsdamer wieder in seiner Heimatstadt. Sein Getränkelieferant hatte ihn auf das Gartenlokal aufmerksam gemacht. An den Wänden hängen Erinnerungsstücke aus seinen vorigen Gaststätten. Wie die Karte des alten Preußen, vor der schon Gäste aus Chicago standen, erzählt Przybyla. Abgesehen von den weit gereisten Besuchern „ist es hier wie im Dorf, mit den ganzen kleinen Gärten“.

Denn das Gartenlokal ist von einer Sparte umgeben. Im Dreieck aus Werderschem Weg, Forststraße und Am Wildpark ist auch der „Geschwister Scholl e.V.“ vertreten, erzählt Roland Retzke, seit 26 Jahren ehrenamtlicher Vereinsvorsitzender.

Dem Bauherren trotzen

„Der Garten ist historisch gewachsen“, sagt er. Ursprünglich gab es nur etwa 40 Kleingärten, mittlerweile sind es 69 Parzellen, die bis zu 600 Quadratmeter groß sind. In den 90er Jahren gab es Pläne des ehemaligen Baustadtrats Detlef Kaminski (SPD), die Sparte mit Stadtvillen zu bebauen. Das Vorhaben wurde jedoch nach langwierigen Diskussionen verworfen, so dass die Grünanlage nun 2,5 Hektar umfasst. Jedes der Grundstücke ist mit einer Nummer gekennzeichnet. Im Garten 26 wässert Manfred Schirdewahn seine Beete und den wenigen Rasen, der die Beete umschließt. „So ein Garten beschäftigt“, sagt Schirdewahn. Der 84-Jährige hat unter anderem Kartoffeln, Erdbeeren und Bohnen gepflanzt. Einen Apfelbaum und Johannisbeersträucher gibt es auch. „Da macht meine Frau immer Marmelade draus“, erzählt er. Aber die hält nicht lange. „50 Gläser sind schnell weg“. Die vielen Sträucher pflanzt er nicht nur wegen der leckeren Konfitüre. Schon wegen der Richtlinien.

Roland Retzke Vereinsvorsitzender der Kleingartensparten "Geschister Scholl" (l.) und Gastwirt Harry Przybyla kennen sich seit 16 Jahren Quelle: B. Gartenschläger

„Bei uns gilt die Ein-Drittel-Regelung“, erklärt Roland Retzke. Die Satzung verpflichtet die Pächter, ein Drittel ihre Fläche mit ein- oder zweijährigen Pflanzen zu bestellen. Ein Drittel der Fläche dient der Erholung, sprich einem Häuschen oder einer Wiese. Das restliche Drittel sieht drei Bäume vor. Größere Streitigkeiten habe es deswegen aber nicht oft gegeben, sagt der Vorsitzende. Überhaupt geht es unter den Gärtnern freundschaftlich zu. Man hilft sich gegenseitig, plauscht am Zaun oder bei einem der gemeinsamen Feste, die auf dem kleinen Vorplatz des Gartenlokals gefeiert werden. Gastwirt Przybyla möchte die Kneipe so lang es geht noch bewirtschaften, aber er sei ja schon 61, fügt er hinzu. Weiter macht auch Manfred Schirdewahn. „Die Rosen am Eingang brauchen noch ein wenig Pflege“, sagt er.

Von Lisa Neumann

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