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Potsdam Das Ende der Brandenburgischen Philharmonie
Lokales Potsdam Das Ende der Brandenburgischen Philharmonie
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15:24 15.06.2018
Der Ufa-Klassiker „Metropolis“ im Filmlivekonzert mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg im Nikolaisaal. Quelle: Joachim Liebe
Innenstadt/Babelsberg

Mit dem „Air“ von Johann Sebastian Bach begrüßen die Musiker der Brandenburgischen Philharmonie Potsdam zu Silvester 1999 auf dem Alten Markt vor 30 000 Feiernden das neue Jahrtausend. Kirchenglocken schlagen an. Feuerschlangen schießen in den Himmel. Monate danach wird das städtische Orchester nach jahrelangem politischen Kampf aus Kostengründen aufgelöst. Potsdam ist die erste Landeshauptstadt bundesweit, der das gelingt.

Baustellenkonzert mit Musikern der Brandenburgischen Philharmonie im Hebst 1998 zum Richtfest im Nikolaisaal. Quelle: Christel Köster

Zur Eröffnung des neuen Nikolaisaals am 27. August 2000, der eigentlich für die Philharmonie errichtet wurde, musiziert das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder). Weitere regelmäßig aufspielende Klangkörper dieser denkwürdigen ersten Spielzeit im neuen Potsdamer Konzerthaus ohne eigenen Klangkörper waren die Brandenburger Symphoniker und das Deutsche Filmorchester Babelsberg, das zu Beginn der 1990er Jahre in einem Erst-Kontakt mit der Philharmonie selbst nur knapp dem Untergang entrann.

Kulturminister Hinrich Enderlein (FDP) und Oberbürgermeister Horst Gramlich (SPD) hatten Anfang 1992 die Urkunde unterzeichnet, nach der das von der Treuhand-Anstalt gekündigte Babelsberger Defa-Sinfonieorchester und das Orchester des Hans-Otto-Theaters zur Philharmonie fusionieren sollten.

Mehrfach wurde in großer Besetzung musiziert, erinnert sich Klaus-Peter Beyer, der Intendant des Filmorchesters – auch in dem Blechbüchse genannten Theaterprovisorium am Alten Markt, das im November 1992 eröffnete. Doch die Fusion scheiterte: Die Stadtverordneten verweigerten dem riesigen Klangkörper Ende 1992 ihre Zustimmung und die Defa-Leute waren wieder draußen.

Klaus-Peter Beyer im Studio des Deutschen Filmorchesters Babelsberg. Quelle: Christel Köster

Aber sie gaben nicht auf und fusionierten – gefördert vom Arbeitsamt – nun mit dem gleichfalls gekündigten RBT Radio Tanzorchester zum Deutschen Filmorchester Babelsberg. Mehr als zehn Jahre arbeiteten sie im großen Sendesaal des Rundfunkhauses in der Berliner Nalepastraße. Potsdam blieben sie verbunden mit Konzerten in Kirchen, in der Innenstadt, in Schulturnhallen. Seit 2000 haben sie auch Musiker der aufgelösten Philharmonie in ihren Reihen, sagt Intendant Beyer. Erst 2007 kehrte das Filmorchester nach Babelsberg zurück – in ein eigenes Tonstudio im früheren Studiokino Defa 70.

In der zweiten Saison bekam der Nikolaisaal mit der Kammerakademie ein Hausorchester. Doch auch die Symphoniker, das Staatsorchester und das Filmorchester blieben dem Haus verbunden. „Über die Jahre hat sich eine echte Kollegialität aufgebaut“, sagt Beyer: „Es ist wie in einem Theaterbetrieb, wo man vom Pförtner bis zum Intendanten jeden kennt.“

Am 5. Juli gibt das Filmorchester, das vor 100 Jahren als Ufa-Sinfonieorchester begonnen hat, sein Jubiläumskonzert auf dem Berliner Gendarmenmarkt vor 8000 Gästen. Am 25. August feiert das älteste Orchester der Landeshauptstadt das Jubiläum noch einmal zur Saisoneröffnung im Nikolaisaal.

MAZ-Serie „1000 plus 25 Jahre Potsdam“

„Mitte(n) im Leben“ ist der Titel eines Festes, mit dem am 8. Juli auf dem Alten Markt der 1025. Geburtstag der Landeshauptstadt Potsdam gefeiert wird. Mit dem Fest „1000 plus 25 Jahre“ soll vor allem auf die Zeit seit der 1000-Jahrfeier 1993 zurück geblickt werden.

Zur Einstimmung laden wir unsere Leser zu einer Zeitreise ein. Jedem Jahr soll beginnend mit dem Jubiläum der Rückblick auf eine Episode, ein Ereignis gewidmet sein, das in besonderer Weise prägend war oder das eine ganz eigene Perspektive auf die jüngste Stadtgeschichte öffnet.

Bisher erschienen:

Kunst-Skandal zur 1000-Jahrfeier 1993 – die „Fontanelle“

Schießerei im KGB-Städtchen – der Abzug der Russen 1994

Boheme auf Abwegen – Neueröffnung des Café „Heider“ 1995

„Einkaufen? Eine Katastrophe.“ – Die Stern-Center-Eröffnung 1996

Wilder Osten – Der Potsdam-Center-Skandal 1997

Die SPD steht hinter mir – Abwahl von OB Horst Gramlich 1998

Sonnenfinsternis im Neuen Garten – 1999 wächst das Potsdamer Weltkulturerbe

Von Volker Oelschläger

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