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Potsdam Das Filmorchester spielt ums Überleben
Lokales Potsdam Das Filmorchester spielt ums Überleben
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00:27 02.08.2018
Das Filmorchester Babelsberg im Studio mit dem Dirigenten Manfred Rosenberg im Babelsberger Studio. Quelle: DPA-Zentralbild
Potsdam-Babelsberg

„Von Babelsberg nach Hollywood“ ist der Titel des Konzerts am 18. August im westfälischen Münster, zu dem das Deutsche Filmorchester Babelsberg einmal mehr als kultureller Botschafter Brandenburgs auf die Bühne kommt. Die „Große Gala der Krimi-Filmmusik“ zur Saisoneröffnung des Potsdamer Nikolaisaals am 25. August war eigentlich als Feier des 100. Jubiläums der Filmstadtmusiker vor heimischem Publikum geplant. Das offizielle Geburtstagskonzert hatte der Klangkörper bereits am 5. Juli vor 8000 Gästen auf dem Berliner Gendarmenmarkt. Doch mittlerweile ist von Feststimmung eine Rede mehr.

Wenige Stunden vor dem Auftritt in Berlin gab es in der Babelsberger Medienstadt eine erste Informationsrunde zu einem neuen Bürogebäude direkt neben dem Eingang des Babelsberger Filmgeländes und nur wenige Dutzende Meter vom Aufnahmesaal des Filmorchesters entfernt. Fünf Tage später informierte Intendant Klaus-Peter Beyer die Musiker in einer Versammlung erstmals darüber, „dass das Orchester möglicherweise bedroht ist“. Seine Sorge: Erschütterungen und Lärm der auf eineinhalb Jahre angelegten Baustelle könnten den Studiobetrieb lahmlegen. Und das Filmorchester als einer der meist beschäftigten Klangkörper der Bundesrepublik könne sich nicht einmal kleinere Ausfälle oder Zwangspausen leisten.

Intendant Jörg-Klaus Beyer am Mischpult im Orchesterstudio. Quelle: Friedrich Bungert

Denn eigentlich spielt das Filmorchester schon seit seiner Neugründung vor 25 Jahren ums Überleben. Die Tradition des Klangkörpers geht zurück auf das vor 100 Jahren gegründete Ufa-Sinfonieorchester, das nach dem Zweiten Weltkrieg als Defa-Sinfonieorchester weiter geführt und nach dem Mauerfall 1989 von der Treuhand-Anstalt abgewickelt wurde. In einer vom Land forcierten Rettungsaktion sollten die arbeitslosen Filmmusiker 1992 mit dem Orchester des Potsdamer Hans-Otto-Theaters zur Brandenburgischen Philharmonie fusionieren. Es gab für einige wenige Konzerte einen gewaltigen Klangkörper mit 110 Musikern, dann scheiterte das Projekt an den Potsdamer Stadtverordneten.

Das Theaterorchester behielt seinen neuen Namen, während die Defa-Musiker sich mit dem gleichfalls gerade gekündigten RBT Radio Berlin Tanzorchester und Förderung vom Arbeitsamt zum Deutschen Filmorchester Babelsberg vereinten. Zunächst spielten sie in einem alten Rundfunk-Studio in der Nalepastraße in Berlin-Adlershof. Im Jahr 2000 stießen versprengte Musiker der mittlerweile aufgelösten Brandenburgischen Philharmonie hinzu. Die Rückkehr des Orchesters nach Babelsberg wurde erstmals Ende 2004 kurz nach der Übernahme der Studio Babelsberg AG durch Carl Woebcken und Christoph Fisser angekündigt.

Überschattet wurde die angekündigte Heimkehr vom drohenden Aus. Nachdem Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) die Förderung Anfang 2005 auf Null setzen wollte, erklärte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) die Rettung des Orchesters zur Chefsache, votierte auch der Kulturausschuss des Landtags unter dem Vorsitz der heutigen Kulturministerin Martina Münch (SPD) einstimmig dafür. Auch in Babelsberg selbst wurde der Ruf nach Rückkehr immer lauter: „Das Orchester gehört wieder zurück zu uns“, sagte Filmpark-Geschäftsführer Friedhelm Schatz. Am Montag wollte sich Studio Babelsberg auf MAZ-Anfrage nicht zu dem Konflikt äußern.

Seit Ende 2007 spielt das Filmorchester wieder in Babelsberg. Immer wieder sei er in den letzten Tagen gefragt worden, warum die Musiker für die Zeit der Bauarbeiten nicht in andere Räume wechseln, sagt Intendant Beyer: „Aber das Studio ist weder akustisch noch technisch zu ersetzen.“ Mehr als drei Millionen Euro, davon fast zwei Millionen öffentliche Förderung, sind in Sanierung und technische Ausstattung des Studios A auf dem Babelsberger Filmgelände investiert worden, das schon einmal seit den 1930er Jahren für Orchesteraufnahmen genutzt worden war. „Wir reden also neben dem Verlust der Arbeitsplätze und der internationalen Reputation auch von einer sinnlosen Ausgabe von Bundes- und Landesmitteln in Millionenhöhe“, sagt der Intendant.

Von José Carreras bis Metallica

Das Deutsche Filmorchester Babelsberg hat seit seiner Neugründung vor 25 Jahren mehr als 1000 Konzerte gegeben. In Potsdams Nikolaisaal ist es mit Film-Live-Konzerten Publikumsliebling. Die Partner sind vielfältig. Mit Udo Lindenberg haben das Orchester ebenso wie mit Metallica musiziert.

In den Medien präsent ist das Filmorchester Babelsberg nicht zuletzt durch die Mitwirkung an großen TV-Shows wie der „José Carreras Gala“, den von vielen dritten Programmen übertragenen Elblandfestspielen oder der „Goldenen Henne“.

Von Volker Oelschläger

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