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Das „Flugschiff“ hat einen neuen Landeplatz

Heimkehr einer beliebten Potsdamer Plastik Das „Flugschiff“ hat einen neuen Landeplatz

Fast sechs Jahre war das von Peter Rohn und Christian Roehl 1974 für das „Haus des Reisens“ in Potsdam geschaffene „Flugschiff“ in der Metallwerkstatt Roehls eingelagert. Am Dienstag wurde es an seinem neuen Landeplatz begrüßt. An der Wand des zentralen Parkhauses schwebt es nun mitten im Kultur- und Erlebnisquartier Schiffbauergasse.

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Peter Rohn und Alice Bahra am Dienstag mit dem „Flugschiff“ in der Schiffbauergasse.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Die Metallskulptur „Flugschiff“ von Peter Rohn und Christian Roehl ist nach Potsdam zurück gekehrt. Im Herbst 2009 vom kurz darauf abgerissenen „Haus des Reisens“ in der Potsdamer Innenstadt abgenommen, landete es nun an der Wand des Parkhauses mitten auf dem Gelände des Kultur- und Erlebnisviertels Schiffbauergasse. An der vergleichsweise kleinen Wand des Parkhauses habe das Objekt in zehn Meter Höhe „eigentlich eine schönere Dimension“ als früher an der Seitenwand des neungeschossigen Wohnhochhauses in der Innenstadt, wo es wie eine „Broschengestaltung“ wirkte, befand Peter Rohn, von dem der Entwurf für das Flugschiff stammt, am Dienstag bei der Begrüßung des Kunstwerks an seinem neuen Platz.

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Eine Bilderreise von den Anfängen des „Flugschiffs“ in der Werkstatt Christian Roehls Anfang der 1970er Jahre über das Haus des Reisens in der Potsdamer Innenstadt bis zur Montage an der Wand des Parkhauses in der Schiffbauergasse.

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Kulturamtsleiterin Birgit-Katherine Seemann stellte fest, dass mit dem „Flugschiff“ erstmals ein aus den 1970er Jahren stammendes DDR-Kunstwerk Platz auf dem Kulturareal gefunden habe, das seit Anfang der 1990er Jahre auf einer früheren Industrie- und Militärbrache entstanden ist. Sie bekräftigte zugleich, dass die zuständige Kommission für Kunst im öffentlichen Raum in ihrer nächsten Sitzung über die Aufnahme des Flugschiffs in den Skulpturenpfad „Walk of Modern Art“ befinden werde, der am Havelufer entlang von der Schiffbauergasse bis zum Alten Markt als zweitem wichtigen Kunstquartier der Landeshauptstadt führt.

Der Skulpturenpfad „Walk of Modern Art“

Seit zwei Jahren wächst am Ufer der Potsdamer Havel zwischen dem Kulturviertel Schiffbauergasse und dem Alten Markt als Adrese des Potsdam-Museums – Forum für Kunst und Geschichte sowie der künftigen Kunsthalle im Palast Barberini ein Skulpturenpfad „Walk of modern art“

Aufgestellt sind bereits Stahlskulpturen von Jörg Plickat an der Alten Fahrt und Rudolf Valenta neben der Tanzfabrik in der Schiffbauergasse sowie der charismatischen Bronzeskulptur „Der Krieger“ von Armando vor dem VW-Designzentrum am Ufer des Tiefen Sees.

In diesem und dem nächsten Jahr sollen drei weitere Plastiken folgen: Hubertus von der Goltz wird eine Stahlfigur über das Dach der Feuerwache in der Türkstraße balancieren lassen, eine 5,50 Meter aufragende Stahlskulptur „Dynamisches Raumzeichen II“ von Otto Hajek (1927-2005) soll der Stadt als Dauerleihgabe überlassen werden, Wolfgang Körber will seiner Geburtsstadt eine 4,5 Meter große Aluminiumkonstruktion schenken, die auf die Wiese zwischen dem Hans-Otto-Theater und der Fabrik gestellt werden soll.

Entworfen wurde das „Flugschiff“ von Peter Rohn als Auftragsarbeit. Bei den Ideen für seine insgesamt 30 Vorentwürfe sei er in unterschiedlichste Richtungen „ausgeschwärmt“, einige seien „rein abstrakt“ gewesen, andere wie der letztlich ausgeführte „illustrierend“. Inspirieren ließ er sich bei der Gestaltung des durch Wolken, Mond und Sterne treibenden Fisches mit der Gondel von der Geschichte des Ikarus und dem Schicksal des märkischen Flugpioniers Otto Lilienthal. Das Thema war heikel, denn mit dem Mauerbau war die Anzahl potenzieller Reiseziele für die Potsdamer gerade erst drastisch eingeschränkt worden.

Ausgeführt wurde die 4,50 mal neun Meter messende Arbeit aus Kupferblech und Edelstahl in der Stahnsdorfer Metallwerkstatt von Christian Roehl. 1974 wurde sie an die zur Yorckstraße weisende Fassade des Hauses des Reisens gesetzt. Ein erster Angriff auf die Skulptur, deren Flugrichtung subversiv nach West-Berlin wies, kam 15 Jahre nach dem Mauerfall. Damals plante die Pro Potsdam als Eigentümerin der Immobilie, die Plastik zu entfernen und statt dessen ein Großplakat an der Fassade zu befestigen, auf dem für Potsdams Kandidatur um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2010“ geworben werden sollte.

Nach der Demontage sollte es fast sechs Jahre dauern, bis die eine halbe Tonne schwere Skulptur zu ihrem neuen Platz fand. Eine Woche brauchte die aufwendige Montage der vielen Einzelteile unter der Leitung des Metallkünstlers Torsten Theel, der die Werkstatt des 2013 verstorbenen Christian Roehl übernommen hat. Die Wand des Parkhauses hatten Christian Roehl und Peter Rohn noch gemeinsam mit der Stadt als neuen Ort für das Kunstwerk ausfindig gemacht. „Ich finde es wunderbar und freue mich sehr, dass es jetzt diesen Standort hat“, sagte Roehls Witwe Alice Bahra am Dienstag bei der Begrüßung des „Flugschiffs“ in der Schiffbauergasse.

Von Volker Oelschläger

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