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„Das Ganze ist ein Mengenproblem“

Potsdams Polizeichef zum Großeinsatz „Das Ganze ist ein Mengenproblem“

Zehntausende Besucher werden heute zur Schlössernacht, zu zwei Demonstrationen und dem Fußballpokalspiel in der Landeshauptstadt erwartet. Die Polizei hat den Großeinsatz über Wochen vorbereitet und setzt bei der Bürgerinformation auf die sozialen Medien, wie der Leiter des Führungsstabs, Maik Toppel, im MAZ-Interview erklärt.

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Insgesamt 500 Polizisten aus Brandenburg und Berlin sichern heute die vielen Veranstaltungen in Potsdam.

Quelle: Foto: Julian Stähle

Potsdam.

MAZ: Hatten Sie schon einmal so eine große Lage in Potsdam zu bewältigen?

Maik Toppel: Nein, das ist der größte Einsatz der vergangenen Jahre in Potsdam. Wir haben immer wieder Staatsbesuche und große Veranstaltungen – aber dass so viel an einem Tag zusammenkommt, das hatten wir noch nie.

Warum hat man angesichts der Sicherheitslage die Demonstration der „Freien Patrioten Potsdam“ auf dem Luisenplatz für diesen Tag nicht verboten?

Toppel: Das können wir nicht, wegen des Versammlungsrechts. Die Hürden sind sehr hoch und in diesem Fall waren die Voraussetzungen für ein Verbot nicht gegeben. Das ist nur möglich, wenn die Sicherheit nicht gewährleistet werden kann, und das ist nicht der Fall: Entsprechende Vorbereitungen zu treffen und alle Versammlungen abzusichern, ist unsere Aufgabe.

Wie bereitet man sich auf so einen Tag vor?

Toppel: Wir planen seit rund drei Wochen, auch in Absprache mit den Veranstaltern. Es ist ja so, dass wir jede einzelne Lage in Potsdam schon hatten: die Schlössernacht findet jedes Jahr statt, Fußballspiele haben wir regelmäßig und auch durch die Pogida-Demonstrationen samt Gegenveranstaltungen in den vergangenen Monaten wissen wir schon, was auf uns zukommt. Wir haben unsere vorhandenen Einsatzkonzeptionen aktualisiert und geschaut, wie man die einzelnen Plänen für diesen besonderen Tag zusammenbringen kann. Daraus haben wir eine Einsatzstruktur entwickelt, die dem Einsatzanlass gerecht wird und mit der wir alle Aufgaben erfüllen können. Das Ganze ist heute auch ein Mengenproblem: Wie kriegen wir es zum Beispiel gemanaget, dass die Besucher alle Veranstaltungen sicher erreichen können?

Welche Rolle spielt die Terrorgefahr? Muss man nach dem Anschlag von Ansbach oder den vermeintlichen Anschlagsplänen von Eisenhüttenstadt anders planen?

Toppel: Ja sicher, Terrorgefahr hat in früheren Jahren keine große Rolle gespielt. Die Einsatzpläne sind inzwischen auf die neue Lage angepasst worden. Die Gefahr war zudem lange Zeit ziemlich abstrakt und weit weg. Gefühlt kommt die Bedrohung mit solchen Vorfällen wie in Ansbach näher. Aber die Kollegen sind sensibilisiert und für Potsdam gibt es keinerlei Hinweise auf eine terroristische Gefahr.

Rechnen Sie mit gewalttätigen Auseinandersetzungen, etwa durch Zusammenstöße rechter und linker Gruppierungen?

Toppel: Wir gehen davon aus – und das sind auch die Erfahrungen der letzten Einsätze – dass die Versammlungen friedlich verlaufen und möglicher Protest gewaltfrei erfolgt. Zusammenstöße wollen wir verhindern, können sie aber nicht grundsätzlich ausschließen. Es geht vielmehr darum, die Besucherströme zu kanalisieren und den Verkehr zu managen – und dafür genügend Personal zur Verfügung zu haben.

Mit wie vielen Leuten wird die Polizei im Einsatz ein?

Toppel: Das werden rund 500 Beamte aus ganz Brandenburg und Berlin sein, Bereitschaftpolizisten, Verkehrspolizisten, Kriminalisten, Kollegen aus dem Wach- und Wechseldienst.

Sie informieren am heutigen Samstag über Twitter und Facebook über die aktuelle Lage. Auch ein Bürgertelefon ist geschaltet. Ist das eine Reaktion auf den Amoklauf von München? Da wurde die Polizei überschwänglich für ihre gute Informationspolitik auch über die sozialen Netzwerke gelobt.

Toppel: Mag sein, dass da Kollegen in anderen Ländern und Städten schneller waren, aber inzwischen versuchen wir auch, die Leute über die sozialen Netzwerke zu erreichen. Die Infos können über diesen Weg einfach viel schneller verbreitet werden und finden viele Nutzer.

Die Münchner Polizei wurde für ihre Arbeit während des Großeinsatzes insgesamt sehr gelobt. Spornt das an?

Toppel: Man schaut sich schon an, wie anderen Kollegen so etwas managen. Aber: Das können wir auch. Wir sind auf die Großlage in Potsdam gut vorbereitet.

Mit dem OSZE-Treffen am 1. September steht Potsdam bereits das nächste große sicherheitsrelevante Ereignis ins Haus.

Toppel: Ja, auch dafür laufen die Vorbereitungen längst. Am kommenden Wochenende haben wir aber erst noch das Fußballspiel von Babelsberg gegen Lok Leipzig mit vielen Kollegen im Einsatz.

Bei den Pogida-Demos, die zuletzt kaum Zulauf hatten, gab es Kritik, dass die Polizei ein zu großes Aufgebot aufgefahren habe. Waren die Einsätze überdimensioniert?

Toppel: Wir planen die Einsätze schon mit Augenmaß. Was wäre gewesen, wenn etwas passiert wäre und wir nicht genügend Mann vor Ort gehabt hätten?

Die „Freien Patrioten“ haben 700 Teilnehmer angemeldet. Mit wie vielen rechnen Sie?

Toppel: Das kann man schwer schätzen. Für die Einsatzplanung müssen wir aber erst einmal davon ausgehen, dass der Veranstalter tatsächlich 700 Leute mobilisieren kann.

Glasflaschenverbot in der Innenstadt

Zur Gewährleistung der Sicherheit und Ordnung während der Großveranstaltungen in Potsdam hat die Stadt ein Glasflaschenverbot erlassen. Es gilt heute von 13 bis 22 Uhr und umfasst folgenden Bereich: Luisenplatz – Schopenhauerstr. 10-18 – Brandenburger Tor – Allee nach Sanssouci – Zimmerstr. 1 – Zeppelinstr. 1 und Zeppelinstr. 189.

Die Polizei bittet, die Innenstadt weiträumig zu umfahren und mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Die Polizei informiert über Facebook und Twitter sowie unter Tel.  0331/55 08 12 89.


Interview: Marion Kaufmann

Von Marion Kaufmann

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