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„Das Geschäft hinkte jetzt besser“

Ausstellung zu Hedwig Bollhagen „Das Geschäft hinkte jetzt besser“

Dort wo ursprünglich ein eigenes Bollhagen-Museum geplant war, findet nun zumindest eine kleine Sonderausstellung zu der berühmten Keramikerin statt. Der Fokus der Schau im Museumshaus „Im Güldenen Arm“ liegt auf der Marwizer Keramikwerkstatt nach ihrer Verstaatlichung in der DDR.

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Keramikerin Hedwig Bollhagen in ihrer Werkstatt.

Quelle: privat

Potsdam. Der Nachlass von Hedwig Bollhagen ist zwar seit diesem Sommer in einem eigenen Museum der Keramikerin in Velten (Oberhavel) zu sehen – aber eine kleine Sonderausstellung im Potsdamer Museumshaus „Im Güldenen Arm“ befriedigt derzeit auch auf kurzem Wege die Lust auf ihre zeitlosen Tonwaren. Mit der Schau „Das Geschäft hinkte jetzt besser“ sind erstmals Werke von Hedwig Bollhagen dort zu sehen, wo bis vor wenigen Jahren der jetzt in Velten präsentierte Nachlass seine Heimat finden sollte. Die Museumsgründung in Potsdam wurde jedoch 2010 abgesagt.

Die Berliner Fotografin Ilona Ripke dokumentierte in den 1980er Jahren die Tonwaren der fünf DDR-Keramikwerkstätten

Die Berliner Fotografin Ilona Ripke dokumentierte in den 1980er Jahren die Tonwaren der fünf DDR-Keramikwerkstätten.

Quelle: Ilona Ripke

Bollhagens Wohn- und vor allem Arbeitsstätte war Marwitz bei Velten. Ihre dortige Werkstatt liegt auch im Fokus der Potsdamer Sonderausstellung. Trotz fünf Vitrinen mit Keramik liegt das Besondere der Schau in der Mischung aus den Tonwaren mit einzelnen Artefakten aus dem Nachlass und beeindruckenden historischen Fotografien aus den 1980er Jahren. Ein Vortrag von Monika Dittmar, der früheren Leiterin des Ofen- und Keramikmuseums in Velten, war Ausgangspunkt der Ausstellung. Sie hatte die Geschichte der insgesamt fünf ostdeutschen Keramikwerkstätten des Staatlichen Kunsthandels der DDR von Juliusruh auf Rügen bis Waldenburg bei Chemnitz recherchiert. Marwitz war demnach der bedeutendste der fünf Keramikbetriebe.

Über Hedwig Bollhagen und ihren Nachlass

Die Keramikerin Hedwig Bollhagen (1907-2001) ist für ihr schlichtes Alltagsgeschirr berühmt geworden, das bäuerliche Tradition und Bauhaus-Ästhetik verbindet.

Sie selbst sah in ihren Arbeiten keine Kunst. „Das sind doch bloß Töppe!“ sagte sie zu ihren Objekten.

Ihr Nachlass ist ein bewegliches Denkmal in der Obhut der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Ein Querschnitt ihres Schaffens ist seit langem in der Ofenstadt Velten (Oberhavel) zu sehen. Seit Juli 2015 wird ihr Nachlass dort in einem eigenen Bollhagen-Museum gezeigt.

Bereits seit 1934 war Bollhagen dort tätig, doch 1972 musste sie ihre „HB-Werkstätten für Keramik“ verstaatlichen. Einerseits Materialmangel für private Betriebe, andererseits hohe Lohnkosten für fast 100 Mitarbeiter drohten ihre Werkstatt zu zerstören. Bis Anfang der 1970er Jahre verbrauchte Bollhagen ihre eigene Lebensversicherung, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können, schreibt Dittmar. „Das Geschäft hinkte“, sagte Bollhagens Nachfolgerin Heidi Manthey über diese Zeit.

Ein dicht bepackter Ofenwagen nach dem Brand

Ein dicht bepackter Ofenwagen nach dem Brand

Quelle: Ilona Ripke

Nach der Verstaatlichung und Einordnung in den Staatlichen Kunsthandel wenige Jahre später waren Material und Löhne nicht mehr Bollhagens größte Sorge. „Das Geschäft hinkte jetzt besser“, sagte Manthey rückblickend – und gab der Ausstellung damit den Titel. Bollhagen und ihre Mitarbeiter fürchteten stattdessen Massenproduktion und kreative Verluste. Trotz allerlei staatlicher Sonderaufträge erfüllten sich die Befürchtungen nicht – ganz im Gegenteil: Rund 150 Dekorentwürfe und 90 Gefäßformen entwickelte Bollhagen allein bis 1987 – also zwischen ihrem 70. und 80. Lebensjahr.

In den Vitrinen der Ausstellung sieht man die Vielfalt aus Marwitz und auch den anderen vier Werkstätten. Die Arbeitsweise in den Werkstätten und auch die Präsentation der Tonwaren in den Verkaufsgalerien des Kunsthandels in ostdeutschen Städten wird vor allem in den Bildern der Berliner Fotografin Ilona Ripke deutlich.

Ripke hatte in den 1980er Jahren die Keramikwerkstätten aufgesucht und einen Querschnitt der Arbeiten in einem Holzregal zusammengestellt und fotografiert. Selbst in schwarz und weiß wird das Kunsthandwerk der Teller, Tassen, Vasen und Kannen sichtbar. Neben Arbeitsprozessen hielt sie auch die Mitarbeiter und Künstler in Porträts fest. „Ohne dieses Material wäre die Ausstellung nicht möglich gewesen“, sagt Kuratorin Christiane Weidner. Sie ist zugleich Herausgeberin der Schriftenreihe der Hedwig-Bollhagen-Gesellschaft.

Ein Foto Hedwig Bollhagens in einer Vitrine der Ausstellung

Ein Foto Hedwig Bollhagens in einer Vitrine der Ausstellung

Quelle: Peter Degener

Der Vortrag von Monika Dittmar ist mit zahlreichen Fotografien Ilona Ripkes gerade als dritter Band der Schriftenreihe unter dem Ausstellungstitel erschienen. Ihr Fazit über die Werkstätten im DDR-Kunsthandel: Sie waren der Planwirtschaft wegen der im Vergleich zu Malern, Grafikern und Bildhauern beträchtlichen Investitionen „eher lästig“. Für Bollhagen war die Verstaatlichung dagegen eine wirtschaftliche Rettung ohne künstlerische Einbußen.

Info zur Ausstellung: „Das Geschäft hinkte jetzt besser“ ist bis 22. November im Museumshaus „Im Güldenen Arm“, Hermann-Elflein-Str. 3, 14467 Potsdam, zu sehen. Geöffnet ist von Mittwoch bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Von Peter Degener

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