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Das Goldene Buch und seine Geheimnisse

Potsdams Ausnahme-Schmöker Das Goldene Buch und seine Geheimnisse

Wie große? Wie schwer? Und wie viele Seiten sind noch frei? Die MAZ hat vor dem Festakt für Roland Schulze, Andreas Kitschke und Hermann Kremer Potsdams Goldenes Buch vermessen.

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Oberbürgermeister Jann Jakobs (l.) und Stadtpräsidentin Birgit Müller haben alles bereitet für die Unterschriften von (v.l.) Roland Schulze, Hermann Kremer und Andreas Kitschke im Goldenen Buch.

Quelle: Friedrich Bungert

Potsdam. Das Goldene Buch der Stadt Potsdam ist um drei Unterschriften reicher. Am Samstag durften sich auf Seite 102 Roland Schulze, Andreas Kitschke und Hermann Kremer verewigen – Dank und Auszeichnung für ihre Verdienste um die Landeshauptstadt. Was aber hat es mit dem Goldenen Buch auf sich? Die MAZ hat vorab in dem Ausnahme-Schmöker geblättert.

Seit wann gibt es das Buch – und gibt es davon tatsächlich nur ein einziges?

Das Goldene Buch, in das sich Personen, die auf besondere Weise mit Potsdam verbunden sind, eintragen dürfen, ist 1991 begonnen worden. Der erste, der darin unterschrieben hat, war am 21. Mai 1991 Willy Brandt. Das Buch hat allerdings mindestens einen Vorgänger: Das Exemplar liegt im Stadtarchiv. Der erste Eintrag darin datiert vom 7. Mai 1955, der letzte vom 26. Oktober 1990 – beide sind nicht zu entziffern. Auch dieses, die Zeit der DDR widerspiegelnde Exemplar soll einen Vorläufer gehabt haben – so ist es handschriftlich in einem Geleitwort vermerkt. Das dort erwähnte Buch gilt aber als verschollen.

Willy Brandt war der erste, der sich ins Goldene Buch der Stadt Potsdam eintragen durfte

Willy Brandt war der erste, der sich ins Goldene Buch der Stadt Potsdam eintragen durfte.

Quelle: Friedrich Bungert

Ist das Buch wirklich golden?

Nein, das Goldene Buch heißt nur so. Das aktuelle Exemplar ist in Holz gebunden, der Vorgänger in rotes Leder. Das Buch hat aber immerhin einen Kopfgoldschnitt – das heißt, die obere Kante ist mit Blattgold versehen.

Wie viele Seiten sind noch frei?

Viele. Nach 26 Jahren ist noch nicht einmal die Hälfte des Buches beschrieben. Von den 232 Seiten des Buches sind noch 129 leer.

Wie schwer ist das Goldene Buch und welches Format hat es?

Das Buch wiegt 4,6 Kilogramm. Es misst 37,7 mal 29,5 mal 6,6 Zentimeter.

Die MAZ hat Maß genommen

Die MAZ hat Maß genommen.

Quelle: Friedrich Bungert

Bekommt jeder, der sich einträgt, eine eigene Seite?

In der Regel ja. Wenn aber Gruppen – zum Beispiel die Potsdamer Olympiateilnehmer oder Turbine Potsdam – unterschreiben oder wenn Personen geehrt werden, die ein bestimmtes Thema verbindet, dann teilen sich die Unterzeichner einer Seite.

Drei Männer, eine Seite

Drei Männer, eine Seite.

Quelle: Friedrich Bungert

Lippenstift, Herzblut, Geheimtinte: Darf man sich aussuchen, womit man ins Buch pinselt oder gibt es dafür einen bestimmten Stift?

Den Unterzeichnenden wird zwar immer ein Stift gereicht, den einen Stift gibt es aber nicht. Im Buch sind unterschiedliche Tinten zu finden, vor allem in Schwarz und in Dunkelblau. Unterzeichnen mehrere Personen auf einer Seite, legt man aber Wert darauf, dass sie mit dem gleichen Stift schreiben.

Darf man nur seinen Namen schreiben?

So ist es vorgesehen. Viele Unterzeichner schmücken ihre Unterschriften aber aus. So hat Wolfgang Joop (21. Januar 2005) einen Engel gezeichnet. Kultläufer Emil Zatopek und seine Frau, die Speerwerferin Dana Zatopkova, haben sich selbst als sportelnde Strichmännchen gemalt.

Emil Zatopek und seine Frau Dana habe sich selbst gemalt

Emil Zatopek und seine Frau Dana habe sich selbst gemalt.

Quelle: Friedrich Bungert

Wo wird das Goldene Buch verwahrt?

Es liegt nicht bei Jann Jakobs auf dem Nachtschränkchen, sondern hat seinen Platz im Büro des Oberbürgermeisters.

Dürfen interessierte Bürger darin blättern?

Ja, bei jeder Gelegenheit, zu der das Buch in der Öffentlichkeit ausliegt, etwa beim Neujahrsempfang der Landeshauptstadt.

Wer entscheidet, wer sich ins Goldene Buch eintragen darf?

Werden dem Oberbürgermeister Ideen ans Herz gelegt, beginnt zunächst eine intensive Recherche über den Vorschlag. Einfach nur bekannt und Gast in Potsdam zu sein, genügt nämlich nicht aus, um sich ins Goldene Buch eintragen zu dürfen. Das Buch ist kein Gästebuch – das gibt es extra. Der Eintrag ins Goldene Buch ist eine besondere Auszeichnung, darüber steht in Potsdam nur die Ehrenbürgerschaft. Einen formellen Akt oder offiziellen Beschluss darüber, wer sich letztendlich ins Goldene Buch eintragen darf, gibt es nicht. Der OB diskutiert die Vorschläge aber mit dem Hauptausschuss.

Hat es jemals jemand abgelehnt, sich ins Goldene Buch einzutragen?

Nein. Alle Personen, denen angeboten wurde, im Goldenen Buch zu unterschreiben, haben bisher zugesagt. Dem Vernehmen nach soll es auch schon vorgekommen sein, dass sich jemand selbst vorgeschlagen hat – wer, das wird nicht verraten.

Von Nadine Fabian

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