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Das Haus für den reduzierten Lebensstil

Hochschulprojekt Das Haus für den reduzierten Lebensstil

Designstudenten der Fachhochschule Potsdam haben eine Wohnidee für eine Fläche von zwölf Quadratmetern entwickelt. Das sogenannte Schrankhaus vereint Wohnbereich, Küche und Bad auf kleinstem Raum. Dieses Projekt hat auf renommierten Messen für Furore gesorgt.

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Florian Heinrich (l.) und Christian Rühlmann vor dem Schrankhaus.

Potsdam. Das nennt man wohl eine gelungene Tournee. Erst recht für absolute Newcomer. Zunächst die internationale Einrichtungsmesse IMM in Köln. Dann die Bautec in Berlin – die führende Baufachmesse im Norden und Osten Deutschlands. Und schließlich das Berliner Designfestival „state of design“. Auf jeder einzelnen Schau haben Studenten der Fachhochschule Potsdam ein komplettes Haus hingeklotzt. Nicht etwa eine Attrappe. Eine eigene Entwicklung der FH-Studenten mit Wohnzimmer, Bad, Küche. Ein Haus, das schnell und problemlos irgendwo aufgebaut werden kann. Ein Haus, das in einem 3x5x3 Meter großen Kubus alles mitbringt. Schlicht: Das Schrankhaus.

„Jeder beschäftigt sich mit dem Thema Wohnen – nicht zuletzt wegen steigender Mieten in der Stadt“, sagt Florian Heinrich, der an der FH Produktdesign studiert. Also stellte sich eine Handvoll Designstudenten unter der Leitung des Professors für Industriedesign, Hermann Weizenegger, die Frage, wie man heutzutage wohnen kann und will. „Gut leben auf kleinstem Raum“, fasst FH-Student Christian Rühlmann die Aufgabenstellung zusammen.

Das Schrankhaus lässt sich beliebig gestalten

Herausgekommen ist eine Wohnidee für eine Fläche von zwölf Quadratmetern. Darauf können Module ganz nach Kundenwunsch arrangiert werden: Soll das Haus beispielsweise kein Küchenmodul haben und dafür lieber mehr Schränke? Das Haus lässt sich beliebig gestalten und dann leicht aufbauen, denn ein Fundament ist für die Installation nicht nötig. Rühlmann berichtet, dass man durch den Kundenkontakt auf den Messen erfahren hat, wie groß die Einsatzmöglichkeiten der Potsdamer Entwicklung sind. Da ist der Baustellenleiter, der seinen gewöhnlichen Container gegen ein durchgestyltes Objekt tauschen möchte. Oder der Hausbesitzer, der sich ein kleines Atelier, Gästehaus oder Büro in den Garten stellen will. Viele Messebesucher seien überrascht gewesen, wie viel Platz zwölf Quadratmeter bieten, wenn sie nur gut genutzt werden, erzählt Rühlmann. Das zeige, „dass wir einen guten Job gemacht haben“.

 Das Schrankhaus der FH Potsdam

Das Schrankhaus der FH Potsdam.

Quelle: Christian Rühlmann

Das Schrankhaus hat eine so große Resonanz, dass Studenten wie Christian Rühlmann darüber nachdenken, aus dem Projekt eine Geschäftsidee zu machen und das Haus zu vermarkten. Designprofessor Hermann Weizenegger sieht in einer eventuellen Ausgründung eine „sympathische Idee“. Entscheidend sei aber, dass das Haus bis zur Marktreife optimiert wird. Da geht es dann um eine möglichst wirtschaftliche Herstellung.

Bisher jedenfalls haben sich die Studenten „gestalterisch austoben können“, wie Rühlmann mit Freude erzählt. Man habe eine hochwertige Innenausstattung und Außengestaltung umsetzen können, ergänzt sein Kommilitone Heinrich. Binnen zweieinhalb Monaten haben die Studenten ihren Entwurf des minimalisierten Wohnens vom Papier bis zum fertigen Haus vorangetrieben. Knapp 20 Industriepartner haben sie für ihr Projekt begeistern können und so auch das Material für ihr Haus aufgetrieben. Den eigentlichen Bau haben Studenten aus dem Fachbereich Holzingenieurwesen an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (Barnim) übernommen.

Mobiles Wohnen

Das Schrankhaus entstand innerhalb des Projektes „Mobiles Wohnen / Urbane Zukunft“ an der FH Potsdam.

60 Studenten der Fachhochschule Potsdam und der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde, sowie 20 Kooperationspartner und Sponsoren waren seit 2014 über insgesamt drei Semester beteiligt.

Der Kurs ist ein Beispiel für das sogenannte Interflex-Programm an der FH Potsdam. Dabei setzen sich Vertreter verschiedener Fachrichtungen mit einem Thema inhaltlich auseinander.

„Wir sind Produktdesigner – solch hochkomplexe Sachen wie das Schrankhaus machen wir selten“, sagt Rühlmann. Das Projekt hat ihn vor allem im Wintersemester sehr in Anspruch genommen. Da blieb nicht mehr viel Zeit für andere Kurse. „Es war meine Entscheidung, ob ich weiter nach Plan studiere oder mir zusätzliche Skills aneigne“, sagt der 27-Jährige rückblickend. Heute ist er froh darüber, ein „riesiges Referenzprojekt“ für seine berufliche Entwicklung vorweisen zu können.

Die Idee soll bis zur Marktreife gebracht werden

Für die Studenten sei das eine „riesige Chance“ – gerade durch den Auftritt auf der Kölner Einrichtungsmesse, betont Hermann Weizenegger. Der Designprofessor hat seine Studenten bewusst dazu getrieben, etwas Großes zu machen. „Auch für einen Produktdesigner muss es nicht immer ein Stuhl oder ein Tisch sein; nicht immer klein, klein“, sagt er schmunzelnd. Er erinnert sich noch ganz genau, wie er den Studenten Dachlatten und Plane, Nägel und Hammer übergeben hat – mit dem Auftrag, ein Modell zu schaffen. „Erlebt doch mal Raum“, hat er gerufen.

Das haben sie gemacht. Und gezeigt, dass man sich selbst im „Haus für den reduzierten Lebensstil“ nicht eingeengt fühle, wie die Studenten betonen. Sie wollen weiter an ihrer Idee arbeiten und sie in die Produktion bringen.

Von Ute Sommer

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