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Potsdam Das Kinderheim Am Stern ist umgezogen
Lokales Potsdam Das Kinderheim Am Stern ist umgezogen
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02:17 29.03.2018
Das Einhorn muss mit: Ben (l., 10) und Jon (9) halfen beim Umzug, wo sie nur konnten. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Am Stern

Ben hat für diesen großen Tag seine Arbeitshose angezogen. Sie ist zu groß, aber Ben (10) liebt sie heiß und innig. Er hat sich einen Plastiksack über die rechte Schulter geworfen, einen zweiten schleift er mit der linken Hand hinter sich her. So beladen macht Ben ein paar vorsichtige Schritte. Die Hose rutscht. Ben setzt seine Last ab, zieht die Hose zurecht, wirft sich den einen Sack wieder über die Schulter, greift den anderen und zuckelt weiter, immer seinem Kumpel Jon (9) hinterher, der schon mächtig Vorsprung hat. Nach drei Schritten bleibt Ben wieder stehen. Stellt Sack und Pack ab, zieht an der Hose, tapst weiter, bleibt stehen, zieht, geht weiter. Ben lässt sich nicht beirren. Er hat hier einen Job zu erledigen und erledigt ihn mit stoischer Ruhe: Ben zieht um – mit seinem ganzen Kinderheim.

Das DRK-Kinderheim Am Stern hat am Montag sein Stammhaus verlassen und sich in die nahegelegene ehemalige Awo-Kita „Pfiffikus“ einquartiert. Die Kita dient als Übergangsquartier, bis an Stelle des 70er-Jahre-Zweckbaus der Neubau „Heimatstern“ steht. Für das Projekt, das mit 5,3 Millionen Euro veranschlagt ist, haben MAZ-Leser zu Weihnachten mehr als 24 000 Euro gespendet

Jennys Zimmer ist schon leer. Bevor die 14-Jährige in die Osterferien bei der Mutter aufgebrochen ist, hat sie in der letzten Schulwoche all ihre Sachen in Kisten verstaut: T-Shirts, ein wenig Kosmetik, abgeblühte Orchideen. Weil sie sich von nichts trennen wollte, hat Jenny anders als Ben, Jon und die anderen Mitbewohner nichts aussortiert. Ein ganzes Teenie-Leben steckt in diesen 15 Pappkartons. Obenauf liegt ein rosa Plüscheinhorn, so groß wie ein Elefantenbaby.

Das DRK-Kinderheim Am Stern hat auf dem Weg zum „Heimatstern“ einen Meilenstein genommen: Am Montag zogen Kinder, Teenies und Erzieher in das nahe gelegene Übergangsquartier.

All die Kartons hat Mike Schubert (SPD) in das neue Haus geschleppt. Jetzt steht Potsdams Sozialbeigeordneter – Jeans, Fleecepulli, den nächsten Termin im Nacken – zwischen weißen Wänden und leeren Regalen und strahlt. Er weiß, dass auf dem Weg zum Heimatstern wieder ein Meilenstein erreicht ist. Dass er heute hier mit anpackt: „Ehrensache!“ Schubert ist Schirmherr des Projekts. „Dazu konnte ich einfach nicht nein sagen“, erzählt er. „Als ich zum ersten Mal vom Heimatstern hörte, war ich sofort überzeugt davon. Ich hoffe, dass es weiter so gut voran geht.“

Das hofft – darauf vertraut – auch Christian Schophaus, beim Deutschen Roten Kreuz Vorstand des Kreisverbands Potsdam/Zauch-Belzig und Initiator des Projekts. „Wir erwarten täglich die Baugenehmigung“, sagt Schophaus. „Ist sie da, können wir mit dem Abriss des alten Hauses beginnen.“ Die Zusammenarbeit mit der Stadt, dem Jugendamt, dem Ministerium sei bisher top gelaufen: „Es sind alle super zu uns – nicht im Interesse des DRK, sondern im Interesse der Kinder.“ Sie könnten Weihnachten 2019 im Heimatstern feiern, wenn jetzt alles glatt geht.

22 Kinder und Jugendliche im Alter von vier bis 18 Jahren finden im Übergangsquartier Platz. Elf Erzieher, zwei Hauswirtschaftskräfte, eine Verwaltungsmitarbeiterin, der Hausmeister und der Heimleiter ziehen mit. Sie alle freuen sich auf die Zeit, die nun anbricht – einige tragen mit den Plastiksäcken und Koffern aber auch ein Päckchen Wehmut von der Pietschkerstraße 42 in die 14-16 hinüber. Ilonka Ullrich zum Beispiel. Die stellvertretende Leiterin arbeitet seit 30 Jahren im Kinderheim Am Stern, fast so lange wie es die Einrichtung gibt. Wenn die Kinder das leergeräumte Haus noch einmal in Besitz nehmen und die Wände nach Lust und Laune bemalen dürfen, wenn Treppengeländer, Türklinken und andere noch brauchbare Bauteile für die Heimatstern-Spendendose vertrödelt werden, will sie lieber nicht dabei sein.

Kathrin Bartsch verbindet nichts mit dem alten Heim. Erst seit Februar gehört die Erzieherin zum Team. „Wir sind laut, bunt und chaotisch“, stand in der Stellenbeschreibung. In ihrer Bewerbung stand, sie habe Lust, ein Farbklecks zu sein. Kathrin Bartsch hat eine Nachtschicht hinter sich, bleibt aber noch. Im Mahlstrom der Umzugskisten wird jede Hand gebraucht, um nicht darin unterzugehen. Später am Tag will sie noch einen Termin vor dem Familiengericht wahrnehmen. „Das ist doch selbstverständlich“, sagt sie.

„Für mich ist es das nicht“, sagt Heimleiter Thorsten Häcker. „Dass hier alle mitziehen und alles geben, ist der absolute Wahnsinn.“ Er lupft den Ärmel: Gänsehaut. Die Räume, der Innenhof, der Garten sind noch kahl und leer, doch Thorsten Häcker kann schon sehen, wie schön es hier sein wird, wenn nur alle Möbel aufgebaut und alle Kinder aus den Ferien zurück sind. Rollos oder Gardinen? Poster oder Graffiti? „Wann, wenn nicht jetzt, ist die Zeit für Experimente?“, sagt Thorsten Häcker. „Die anderthalb Jahre, die wir hier leben, können wir alles ausprobieren.“ Kopfkino in der einstigen Kita.

Vielleicht sind Ben und Jon ja die ersten, die ihre Flausen wahr machen dürfen. Noch sind sie aber mit etwas anderem, etwas Handfestem beschäftigt: Sie helfen, die neuen Matratzen für die neuen Betten auszupacken und sich den ersten Abend hier auszumalen. „Das wird cool“, sind sich Ben und Jon einig, denn es gibt Pizza vom Lieferservice. Das Beste: Wer will, darf direkt aus dem Karton essen – so wie man’s bei einem Umzug eben macht.

Von der Kinderkrippe zum Heimatstern

Das Gebäude, in dem das DRK-Kinderheim Am Stern bislang untergebracht war, wurde 1980 als „Kinderkrippe Stern VI“ eröffnet. Nach einem Umbau wurde sie im Januar 1986 zum Dauerheim für Säuglinge und Kleinkinder. Im Frühjahr 1992 übergab die Stadt das Heim in die Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes.

Der Heimatstern – ein aus vier unterschiedlichen, miteinander verbundenen Häusern bestehendes Ensemble – soll den Zweckbau ersetzen. Kosten: 5,3 Millionen Euro; eine Million muss das DRK selbst stemmen und sammelt dafür weiterhin Spenden. nf

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