Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Das Barberini kommt, die alte Fachhochschule geht
Lokales Potsdam Das Barberini kommt, die alte Fachhochschule geht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:12 06.07.2018
Zur Eröffnung des Museums Barberini zog sich die Warteschlange quer über den alten Markt bis zur Alten Fachhochschule. Quelle: Christel Köster
Anzeige
Innenstadt

Als die Leute zur Eröffnung des Museums Barberini im Januar 2017 eine Warteschlange quer über den Alten Markt bildeten, sah es für einen flüchtigen Moment aus der Ferne so aus, „als würden sie bei uns anstehen“.

Mit Blick zur alten Fachhochschule und der Galerie Sperl. 2013 hatten Ursula und Rainer Sperl (beide 68) ihre 1991 im Holländischen Viertel gegründete Galerie nach mehreren Umzügen ins Parterre des DDR-Baus verlegt.

Im Epizentrum des Streits von Abrissgegnern und- befürwortern

Dass sie die Räume vor dem angekündigten Abriss im Herbst 2017 verlassen würden, war gesetzt. Dass sie mit ihrer Galerie ins Epizentrum der Auseinandersetzung von Abrissgegnern und -befürwortern geraten sollten, damit hatten sie nicht gerechnet.

Zunächst aber spürten auch sie den vom Barberini ausgelösten Ansturm von Kunstfreunden aus aller Welt, 320 000 Gäste waren allein zur Eröffnungsschau mit Impressionisten gekommen.

Besetzung der Fachhochschule am 13. Juli 2017. Am Abend qwurde das Haus von der Polizei geräumt. Quelle: MAZonline

„Es kamen wirklich Leute von da zu uns herüber“, sagt Rainer Sperl, „es hat etwas gebracht“. Immer wieder seien sie auch mit der Frage gekommen: „Was ist das hier eigentlich für eine alte Ruine?“

Er habe dann erklärt. „Das ist ein Bau, der vernachlässigt worden ist, obwohl er Substanz hat.“ Die Meinung der Gäste war genau so gespalten wie bei den Potsdamern selbst, sagt Ursula Sperl: „Es gab wirklich eine lebhafte Auseinandersetzung.“

Grimmlings Geburtstagsfeier fiel aus

Im Sommer 2017 zeigten sie zum zweiten Mal nach der Eröffnung vier Jahre zuvor Gemälde von Hans-Hendrik Grimmling. „Am Donnerstag, dem 13. Juli nachts, kam der Anruf der Kanzlerin, die FH sei besetzt, was machen wir mit der Kunst, es sind 300 Polizisten vor Ort. Ich antwortete ihr, dann kann ja der Kunst nichts passieren, wenn 300 Polizisten vor Ort sind.“

Eine halbe Stunde später habe das Telefon erneut geklingelt, sagt Ursula Sperl. „Bis Montag kommt niemand mehr rein.“

Ursula und Rainer Sperli in ihrer neuen Galerie in der Schopenhauerstraße 27. Quelle: Friedrich Bungert

Das war schlecht, denn am Samstag davor sollte die Finissage mit einer Feier zum 70. Geburtstag Grimmlings sein. Sie hatten 1000 Einladungen versandt. „Nun musste alles abgesagt werden.“ Am Montag dann die Nachricht: Die FH bleibt gesperrt.

Keine Chance für das Labyrinth von Rainer Sperl

Die Galeristin, er war mit einem Beinbruch im Krankenhaus, bekam zwei Tage zum Ausräumen. Es war eine ironische Fügung, dass bereits die Handwerker anrückten, die ein Labyrinth für die Abschiedsausstellung von Rainer Sperl aufbauen sollten. Nun halfen sie beim Auszug.

Grimmling sollte wenig später mit dem Triptychon „Die Umerziehung der Vögel“ in der DDR-Kunstschau „Hinter der Maske“ im Barberini zu sehen sein. Sperls eröffneten im Spätherbst neu in der Schopenhauerstraße 27 mit einer Gruppenausstellung „Vorspiel“.

Bis 26. August zeigen sie mit „Sperl-Spezies“ neue Arbeiten von Rainer Sperl. Eröffnet wurde diese Ausstellung Anfang Mai fast zeitgleich mit dem Abrissbeginn der alten FH.

MAZ-Serie „1000 plus 25 Jahre Potsdam“

Mit einem Fest wird am 8. Juli auf dem Alten Markt der 1025. Jahrestag Potsdams gefeiert. Die MAZ blickt aus diesem Anlass in einer Serie auf das jüngste Vierteljahrhundert zurück. Pro Jahr wird an ein Ereignis erinnert.

Bisher erschienen:

Kunst-Skandal zur 1000-Jahrfeier 1993 – die „Fontanelle“

Schießerei im KGB-Städtchen – der Abzug der Russen 1994

Boheme auf Abwegen – Neueröffnung des Café „Heider“ 1995

„Einkaufen? Eine Katastrophe.“ – Die Stern-Center-Eröffnung 1996

Wilder Osten – Der Potsdam-Center-Skandal 1997

Die SPD steht hinter mir – Abwahl von OB Horst Gramlich 1998

Sonnenfinsternis im Neuen Garten – 1999 wächst das Potsdamer Weltkulturerbe

Das Ende der Philharmonie – 2000 eröffnet der Nikolaisaal

„Ja zu langen Unterhosen“ – Die Buga 2001 und die AG Stadtspuren

Kampf um die Straße – 2002 gründet sich das Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“

Schlechte Stimmung in Neu Fahrland – 2003 wächst Potsdam Richtung Norden

Rettung der Brandenburger Straße – Richtfest bei Karstadt 2004

Zu schön für den Titel – 2005 scheitert die Bewerbung als Kulturhauptstadt

Premierenfieber in der Schiffbauergasse – 2006 wird der Theaterneubau eröffnet

Bürgerprotest für Barockfassaden – Die Geburt von „Mitteschön“ 2007

Kultureinrichtungen kollabieren – 2008 ist das Jahr des Jugendprotests

Eskalation am Griebnitzsee – Anrainer blockieren zum Osterfest 2009 den Uferweg

Bürgerpark statt Straßenschlucht – Die Geburt der Gartenstadt Drewitz 2010

Der Stadtwerke-Skandal 2011 – Potsdams erste Transparenzkommission

Gedächtnis der Stadt zieht in die Mitte – Eröffnung des Potsdam-Museums 2012

Ein Café „Et Cetera“ – Eröffnung des Bildungsforums 2013

Das erste Konzert im Innenhof – 2014 wird das Landtagsschloss eröffnet

„Neue Nachbarschaften“ helfen Flüchtlingen – Die Blaupause für den Herbst 2015

Das letzte Bürgerbegehren – 2016 mobilisieren Potsdamer für Fachhochschule, Staudenhof und Merrcure

Von Volker Oelschläger

Die Mitglieder der Cityhändler-Vereinigung wählen Bärbel Schälicke zur neuen Vorstandsvorsitzenden. Einst Exquisit-Chefin und Model, hat sie nicht nur den Einzelhandel und die Modebranche gründlich kennengelernt. Sie hat 1995 auch die AG mitgegründet.

09.07.2018

Die Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule hat die besten Klimaschutz-Projekte in Brandenburg. Jetzt wird der Mensa-Speiseplan und das Schulfest überarbeitet.

09.07.2018

Die Stadt Potsdam feiert am Sonntag ihren 1025. Geburtstag – seit der großen Jahrtausendfeier 1993 ist die Stadt vielerorts kaum wieder zu erkennen.

06.07.2018
Anzeige