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Potsdam Projekt zur Erziehungsberatung läuft aus
Lokales Potsdam Projekt zur Erziehungsberatung läuft aus
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02:15 12.02.2018
Nguyen Quoc Hung (l.) und Do Thi Hai Ninh (3.v.r.) beraten Eltern wie Mai Que Truong (4.v.l.), die zum Dankesagen kamen. Sozialstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt (hinten links) und Landesintegrationsbeauftragte Doris Lemmermeier (vorne) besuchten Beteiligte des Projekts „Tuong Lai“. Quelle: Foto: Friedrich Bungert
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Potsdam

Es gibt Dinge, die können Kinder besser als ihre Eltern. Das kann aber auch schwierig werden: „Ich kann mich mit meinen Eltern nur über alltägliche Dinge unterhalten, weniger über komplexe. Aber es wird ohnehin nicht viel geredet bei uns daheim“, berichtet der zitierte Schüler in akzentfreiem Deutsch. Seine anonymisierten Sätze stammen aus einem Interview mit Do Thi Hai Ninh. Sie ist in Erwachsenenbildung an der Uni Potsdam promoviert und Beraterin im Projekt „Tuong Lai – Zukunft durch Bildungsberatung“ für vietnamesisch-stämmige Familien in Potsdam und ganz Brandenburg. „Das Interview zeigt die Sprachkluft zwischen Eltern, die nur vietnamesisch sprechen, und ihren Kindern, die gut Deutsch sprechen“, berichtete Do Thi Hai Ninh gestern bei der Vorstellung des Projekts im Bürgerhaus am Schlaatz.

Do Thi Hai Ninh hat im Bürgerhaus am Schlaatz, wo sie eine monatliche Sprechstunde anbietet, über das Projekt „Tuong Lai – Zukunft durch Bildungsberatung“ für vietnamesisch-stämmige Familien berichtet, in dem sie arbeitet. Quelle: Friedrich Bungert

Do Thi Hai Ninh kümmert sich in monatlichen Sprechstunden im Bürgerhaus und notfalls nachts am Telefon um Hilfe und Rat suchende Eltern. Wenn es Zeugnisse gibt, häufen sich die Anrufe. „Es geht dann um Beschämung wegen schlechter Noten und um Misserfolge. Dazu gibt es keine Dialogkultur. Die Eltern haben auch Sorgen im Herzen, aber sagen das nicht.“ Herausfordernd für die Kinder: „Sie müssen zwischen zwei Erziehungsmodellen hin und her navigieren.“ Das kann sie zerreißen, im schlimmsten Fall zu Entwicklungsstörungen und psychischen Belastungen führen. Die Berater haben entsprechende Fälle dokumentiert.

Vietnamesische Eltern, sagt Do Thi Hai Ninh, bevorzugen einen autoritären Erziehungsstil, geprägt von Strenge, Gehorsam und Disziplin. Für Freude am Lernen und Lobe bleibt da kaum Raum. Den ihnen zugeschriebenen Ruf als ehrgeizige, fleißige Migranten, die gern in Bildung investieren, decken Zahlen: Die Gymnasialquote könnte nicht höher sein. „In Potsdam besuchen 100 Prozent der vietnamesischen Schüler der 7. Klassen Gymnasien“, sagt Do Thi Hai Ninh. „Das ist Leistung unter Druck und der ist sehr hoch“, sagt Dos Kollege Nguyen Quoc Hung, der auch in Schulen Beratungen anbietet. Unter Vietnamesen sei es üblich zur Begrüßung gleich zu fragen: „Und, wie lernt Dein Kind?“

Im Bürgerhaus am Schlaatz informierten sich Sozialstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt (links) und die Landesintegrationsbeauftragte Doris Lemmermeier (vorne rechts) über "Tuong Lai“. Potsdamerinnen vietnamesischer Herkunft waren gekommen, um sich für Beratungen und Hilfe zu bedanken. Quelle: Friedrich Bungert

Das Projekt „Tuong Lai“ wurde 2015 ins Leben gerufen. „Den Bedarf konnte sich damals keiner ausmalen, er ist höher als angenommen“, sagt Juliane Mucker vom Fachberatungsdienst für Zuwanderung, Integration und Toleranz, wo „Tuong Lai“ koordiniert wird. Neben einem Netzwerk, Veranstaltungen und Vermittlungen sind Broschüren auf Vietnamesisch zu Themen wie Trotzphasen, Schulverweigerung und dem deutschen Bildungssystem entstanden. „Die Erfahrungen mit der Community müssen aufgenommen und im Gespräch mit Ärzten, Schulämtern und anderen Behörden in die Regelsysteme übertragen werden“, sagte gestern Sozialstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt, deren Ministerium „Tuong Lai“ kofinanziert. Der größte Teil des im Oktober auslaufenden Projekts mit einem Gesamtaufwand von knapp 181 000 Euro stammt von der Aktion Mensch. Die Initiatoren suchen nun Studenten, die das Projekt wissenschaftlich auswerten, und hoffen auf eine Fortsetzung.

Offiziell leben 3 500 Menschen vietnamesischer Herkunft in Brandenburg, davon 400 in Potsdam, berichtet Nguyen Quoc Hung. Mai Que Truong lebt seit 15 Jahren in Potsdam und ist Mutter einer 14-jährigen Tochter. „Wir bedanken uns heute für die Unterstützung im Namen der Community und wünschen uns, dass es weitergeht“, sagte sie. Freunde empfahlen ihr das an vietnamesisch-stämmige Menschen gerichteten Angebot. Mai Que Truong half es oft, etwa bei der Suche nach einer weiterführenden Schule. „Ein guter Beruf ist wichtig“, sagt sie mit Blick auf ihre Tochter. „Dann kann sie alleine leben und später eine Familie gründen.“

Von Michaela Grimm

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