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Potsdam Das Sehsüchte-Festival ist ihr Baby
Lokales Potsdam Das Sehsüchte-Festival ist ihr Baby
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21:34 26.04.2018
Laura Bienert, Pune Djalilehvand und Lisa Plumeier haben das Sehsüchte-Filmfestival an der Filmuniversität Babelsberg mit organisiert. Quelle: Foto: Christin Iffert
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Babelsberg

Sehsüchte, Europas größtes traditionelles Studentenfilmfestival, ist ihr Baby: Laura Bienert, Lisa Plumeier und Pune Djalilehvand haben das Festival in den vergangenen Monaten mit 40 weiteren Kommilitonen an der Filmuni Babelsberg „Konrad Wolf“ organisiert. Noch bis Sonntag zeigt das Festival, was junge Filmemacher bewegt. Es steht unter dem Motto „Metamorphosen“.

Pune Djalilehvand ist 27 Jahre, studiert im zweiten Mastersemester. „Die Sehsüchte sind für mich eine Herzensangelegenheit“, sagt sie. Es ist das zweite Mal, dass die Studentin bei den Sehsüchten mitwirkt. Intensiv sei die Zeit der Organisation und umso schöner, wenn man nun sehe, dass die Arbeit aufgeht. „Das Wissen um die Atmosphäre, die hier zwischen Filmemachern, Filmfans und der Jury entsteht ist die größte Motivation“, sagt die 27-Jährige.

Streiten muss gelernt werden

Bereits im vergangenen Sommer hat Djalilehvand mit den Vorbereitungen für die 47. Ausgabe des Festivals begonnen, mit Studienkollegen einen Rahmen festgelegt. Nachdem mehr als 1000 Filme eingereicht wurden, setzt sie sich als Leiterin des Programmressorts mit ins Kino. Über Monate sah sie, wie junge Filmemacher Metamorphosen auf die Leinwand brachten. „Zur Sichtungszeit kamen die Diskussionen, die mindestens genauso lange gedauert haben. Das ist wichtig, weil wir Filme zeigen wollten, die diskussionswürdig sind und verdeutlichen, was Gegenwartskino sein kann“, sagt sie. Diskutieren, das heißt auch streiten. „Unangenehm und anstrengend“, erinnert sich Djalilehvand – das muss gelernt werden, denn es braucht Sachlichkeit.

Pune Djalilehvand Quelle: Christin Iffert

Das Festival ist für Lisa Plumeier etwas Lebendiges. Eine Möglichkeit, die Theorie aufzubrechen und eine große Verantwortung zu übernehmen. „Wo kannst du sonst ausprobieren, ein Team zu leiten und mit Menschen weltweit zu kommunizieren?“, sagt die 26-Jährige fragend. Eigentlich hatte sie schon in einer anderen Stadt mit einem Masterstudium begonnen, sich dann aber trotzdem in Babelsberg an der Filmuni initiativ beworben. „Eben weil es die Sehsüchte gab und ich das in meinem Studium als Erfahrung mitnehmen wollte.“ Plumeier wurde Teamleiterin, gleich in ihrem ersten Studienjahr. Im Ressort Jury und Gäste suchte sie nach Filmschaffenden aus unterschiedlichen Gewerken.

Privatleben rückt in den Hintergrund

„Eine Jury braucht einen differenzierten und scharfen Blick“, sagt sie. Um der Gender-Kritik der Vergangenheit zu trotzen – zu viele Männer, zu wenig Frauen als Entscheider – änderte sie den Fokus. Und plötzlich tat sich ein anderes Problem auf: zu viele Frauen, zu wenig Männer. Anders war das bei den Filmemachern – 45 Prozent aller Einreichungen stammten von Frauen, 55 Prozent von Männern. Viele von ihnen sind während des Festivals in Babelsberg zu Gast. Dass sie in die Landeshauptstadt gekommen sind, hatte Plumeier zu koordinieren und disponieren.

Gegenwartskino von jungen Filmemachern lockt ein junges Publikum nach Potsdam. Quelle: Bernd Gartenschläger

Die Studenten wuchsen mit ihren Positionen. Bei mehr als 40 Menschen, die zusammenkommen, um ein internationales Festival auf die Beine zu stellen, bringt jeder eine eigene Persönlichkeit mit. Das heißt: Stärken und Schwächen, die sich ergänzen und abfedern. Gemeinsam wuchsen sie zusammen, um die harte Arbeit zu stemmen. Oft rückte das Privatleben in den Hintergrund. „Das Stresslevel war in den letzten Wochen hoch. Nebenbei muss man auch noch seinen Lebensunterhalt verdienen. Da hat man manchmal Bauchschmerzen, wie alles zusammen kommen kann“, sagt Lisa Plumeier. Zwei Stunden Privates am Tag, mehr war oft nicht drin.

Es ist kein Pflichtprogramm

Dass die Festivalorganisation fest im Studienplan verankert ist, gibt den Studenten im ersten Studienjahr ein wenig Puffer. Pflichtprogramm? „So fühlte es sich nie an“, sagt Laura Bienert. Sie stellt den Spaß in den Vordergrund. Es sei keine Arbeit, sondern das eigene Projekt. Und es lohne sich, Zeit und Leidenschaft reinzustecken. Das schweiße nicht nur die Studenten untereinander zusammen, sondern liefere auch ein wichtiges Netzwerk für die Zukunft. Zudem bringe die Organisation des internationalen Festivals etwas ganz Elementares für jeden Einzelnen: „Ich habe Kompetenzen von unschätzbarem Wert erworben“, sagt Bienert.

Die 22-Jährige hat das Ressort Marketing gewählt, ist zuständig für die Pressearbeit. Das bedeutet Schnelligkeit, Zeitmanagement, Kommunikationsfähigkeit und den Elan, weiterzumachen, wenn etwas nicht läuft, wie geplant. Das Gewinnen von Medienpartnern gestaltete sich beispielsweise schwieriger, als gedacht. Es waren Verhandlung gefragt, manchmal härtere als je zuvor. Und es gab diese Momente, als sie zum Beispiel am Abend vor der ersten Pressekonferenz kurz vor 22 Uhr in einem Kopierladen die Mappen drucken ließ. „Viele Dinge müssen schnell funktionieren“, sagt sie. Inzwischen kann sie darüber lachen, der Stress ist vergessen.

Großes Festival braucht große Visionen

Laura Bienert ist selbstbewusst, engagiert. Trotz kleiner Schwierigkeiten hat sie einen Kompromiss nie eingehen wollen: kleiner zu denken. „Think big“, sagt sie. Große Visionen brauche es, um Großes zu erreichen. Dazu müsse man sich oft Dinge einfordern.

Marketing, Programm, Rahmenprogramm, Gäste – am Ende zählt das Zusammenspiel. Mittwoch wurde das Festival eröffnet.„Ich bin sehr erleichtert, dass es so gut angelaufen ist“, sagt Bienert. Trotzdem ist sie noch angespannt, außerdem vergehe die Zeit viel zu schnell. Gemeinsam lebt das Sehsüchte-Team in diesen Tagen in einem Hotel. Es ist vor Ort, wenn kurzfristig gehandelt werden muss. Dort können die Studenten auch füreinander da sein. Metamorphose, das ist nicht nur der Wandel einer Gesellschaft und des Festivals, sondern auch der Studenten selbst.

Festivalprogramm der nächsten Tage

Das Sehsüchte-Festival zeigt heute unterschiedliche Filmblöcke aus den 126 ausgewählten Wettbewerbsfilmen. Zudem laufen Spotlight-Produktionen und das Future-Programm.

Quizfans können Freitag ab 19.30 Uhr testen, ob sie wahre TV- und Serienkenner sind.

Samstag steht das Festival im Zeichen des Schreibsüchte-Tags. Neben Filmblöcken gibt es beispielsweise einen Ideenwettkampf für Nachwuchsautoren oder das Kopfkino. Dort werden Ausschnitte aus Drehbüchern von bekannten Synchronsprechern inszeniert und mit Live-Musik erweitert.

Die Sehsüchte-Party findet Samstag ab 23 Uhr in der Filmuni statt. Livemusik und DJ sind vor Ort.

Sonntag um 16 Uhr wird das Geheimnis um die Gewinnerfilme bei einer Preisverleihung gelüftet.

Weitere Infos unter www.sehsuechte.de

Von Christin Iffert

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